Sarina Molinari
hat eine innige Beziehung zu den Songs von ABBA.
Simon Enzler gastiert in Winterthur. Bild: Christian Lanz
Der Appenzeller Komiker Simon Enzler gastiert mit «zmetztinne» im Casinotheater.
Comedy Bekannt machten ihn der markante Appenzeller Dialekt und die knorrigen, hemdsärmeligen Figuren in seinen Bühnenprogrammen, sowie Auftritte in der «Zytlupe» oder dem «Kassensturz». 2007 erhielt er den Salzburger Stier, 2008 den Prix Walo, 2012 den Schweizer Kabarettpreis Cornichon und 2021 den Arosa Humorfüller und den Inner-rhoder Kulturpreis. Anfang April gastiert er mit seinem Programm «zmetztinne» im Casinotheater. Im Interview plaudert Simon Enzler über Alterserscheinungen, Sozialschmiermittel und seinen Tinnitus.
Sie gehören zur Generation X. Was unterscheidet Sie von der Generation Z, die Sie in Ihrem Programm aufs Korn nehmen?
Simon Enzler: Wir hatten noch relativ viele soziale Kontakte mit Gleichaltrigen, während aktuelle Untersuchungen ergaben, dass die heutigen Jungen mehr Zeit in ihre Selbstoptimierung investieren und dabei etwas vereinsamen. Aber wo sollen sie sich auch treffen? Das Angebot an Beizen und Discos hat abgenommen. Ausserdem wagen sie erst später den Schritt in die Selbstständigkeit.
Welche Entwicklung nehmen Sie bei Ihren zwei Söhnen wahr, der Generation Alpha?
Momentan machen sie die Gaming-Phase durch, wobei der Ältere bereits an einem Punkt ist, wo sich sein Fokus verändert. Seit dem Übertritt in die Oberstufe hat er viele neue Kontakte geknüpft, zieht er auch mal mit anderen 15-Jährigen um die Häuser.
Sie werden ihn aber sicher nicht animieren, Alkohol zu konsumieren.
Ich will keinesfalls für das Saufen Werbung machen, überhaupt nicht. Gewisse Provokationen haben mit einer Studie über die Rolle des Alkohols als «Sozial-schmiermittel» zu tun oder sind eine Reaktion auf unsere überbehütete Gesellschaft, in der auf so vieles verzichtet wird, weil ja sonst die Gefahr bestünde, dass das Leben noch lustig wird ...
Das Thema ist aber auch ein Mittel, um im Saal schnell für Stimmung zu sorgen.
Grundsätzlich bin ich um jede funktionierende Pointe froh. Dabei ist es für mich normal, dass jede von ihnen andere Qualitäten besitzt. Für mich steht im Vordergrund, dass sich die Leute gut unterhalten fühlen. Dafür schrecke ich auch nicht vor einem Kalauer zurück. Natürlich freut es mich auch, wenn ich einen kritischen Gedanken einbauen kann, aber mein päda-gogisches Sendungsbewusstsein nimmt jedes Jahr ab.
Woran liegt das?
Als ich mit 20 auf der Bühne stand, war ich noch so von mir selbst überzeugt, dass ich dachte, «Jetzt hau’ ich den Leuten die Wahrheit um die Ohren. Schliesslich weiss ich, wie der Hase läuft!» Dann wurde mir jedoch bewusst, dass Menschen, die den ganzen Tag hart gearbeitet haben, am Abend nicht auch noch von einem eingebildeten Schnösel hören wollen, was sie alles falsch machen.
Ich bin so nahbar, dass ich oft froh wäre, wenn mich meine Frau oder Freunde aus gewissen Situationen befreien würden. Etwa, wenn mich Leute in der Öffentlichkeit ansprechen, um mir lang und breit zu erzählen, woher sie mich kennen und wie lustig sie mich finden, aber nicht daran denken, dass ich nur ein Brot kaufen und gleich nach Hause wollte, um für die Kinder zu kochen. Ich selbst würde es nämlich nie fertigbringen, ihnen zu sagen, dass ich wirklich weitermuss. Dazu bin ich vielleicht zu sehr ein Landei.
Sind Sie deswegen 2003, nach vier Jahren in Zürich, ins Appenzell zurückgekehrt?
Zunächst waren berufliche Gründe ausschlaggebend. Ich beschloss mein Studium abzubrechen und ganz auf die Bühne zu setzen. Obwohl Zürich für meine Auftritte zentraler liegen würde und ich die Zeit dort sehr genossen habe, zog es mich zurück zu meinen Wurzeln. Schliesslich schöpfe ich meine Texte aus diesem Kulturkreis. Meine Frau und ich hielten es für den besten Ort, um eine Familie zu gründen.
Was hat Sie inspiriert, Komiker zu werden?
Vor allem Künstler, die Geschichten auf eine Weise erzählen konnten, die ihr Publikum zum Lachen brachte. Ich bewundere einen Emil extremst, mit welcher Energie er heute noch, mit über 90, seine Nummern spielt.
Ist das Appenzöllisch ein Bonus?
Natürlich kann unser prägnanter Dialekt schon für sich allein amüsant sein. Das merke ich daran, dass sogar in unserem Kanton neben englischen auch immer mehr alte Appenzeller Ausdrücke in die Jugendsprache einfliessen. Ich würde auf der Bühne aber nicht von einem Flickfauder sprechen, wenn 95 Prozent des Publikums nicht weiss, dass es sich um einen Schmetterling handelt.
«zmetztinne» handelt von verschiedenen Gebresten. Sie sind Sie tatsächlich weitsichtig?
Es wird schlimmer und schlimmer! Ich hatte den Kauf einer Lesebrille zwei Jahre hinausgezögert. Als ich beim Fischen den Silch nicht mehr durchs Loch ziehen konnte, wusste ich jedoch, was es geschlagen hatte.
War die Nummer über den Tinnitus für Sie besser als so manche Therapie?
Ich habe sie geschrieben, nachdem ich mich mit meinem Ohrengeräusch schon versöhnt hatte. Zuerst hatte ich alles ausprobiert, um es loszuwerden. Dabei hatte mich mein Arzt gewarnt: Bei 80 Prozent der Betroffenen helfen Therapien gar nichts, nur 20 Prozent haben Glück. Zu ihnen zähle ich leider nicht.
Simon Enzler, «zmetztinne»
8./9./10./11. April
casinotheater.ch
Lade Fotos..