Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Michael Künzle überbrachte der Jubilarin Anna Corti Glückwünsche, Blumen und das Winterthurer Jahrbuch. Bild: Claudia Naef Binz
Diesen November wurde Anuti Corti-Bonzo 107 Jahre alt. Am 12. Dezember überbrachte Stadtpräsident Michael Künzle die Glückwünsche der Stadt.
Geburtstag 107 Jahre, dieses beachtliche Alter feierte Anuti Corti-Bonzo, bekannt unter dem Namen Anna Corti, Jahrgang 1918, am 3. November. «Schon meine Mutter wurde sehr alt, 109 Jahre», sagt die Jubilarin beim Besuch im Pflegeheim im Mehrzweckraum.
Auf die Frage, ob es ein Geheimrezept für gutes Altern gibt, antwortet sie: «Das fragen mich alle, aber nein, es liegt wohl eher an der familiären Veranlagung.» Ihre Antwort auf die Frage, nach dem prägendsten Ereignis ihres Lebens: «Der wichtigste Moment war, als ich meinen Mann kennenlernte, einen wunderbaren Menschen, das war ein absoluter Glücksfall.»
Der verstorbene Mann der Jubilarin, Walter Robert Corti, war Redaktor des Magazins «Du» und Gründer des Kinderdorfes Pestalozzi in Trogen (AR) nach dem zweiten Weltkrieg. Dort fanden Kriegswaisen eine neue Heimat. Zu Beginn des 2. Weltkriegs war die Jubilarin 21 Jahre alt. Sie empfand nach eigenem Empfinden die Kriegszeit nicht als sehr belastend, denn trotz Rationierung habe die Familie genug zu essen gehabt.
Heute steht der Besuch des Stadtpräsidenten Michael Künzle auf der Agenda. Ein besonderer Moment? «Er war auch schon mal hier», winkt Corti ab, freut sich dann aber doch, als der Stadtpräsident höchstpersönlich eintrifft, immerhin kommt er auf Einladung von Corti auf Besuch. «Wir kennen uns bereits», sagt er, denn ich war vor sieben Jahren schon mal hier, um zu gratulieren», sagt er. Er überreicht die Glückwünsche im Namen der Stadt, einen Blumenstrauss und das neuste Jahrbuch Winterthurs.
Auf dem Tisch stehen Weihnachtsguetzli, schön präsentiert auf einer Glasschale. «Diese habe ich extra angefordert aus der Küche, die Guetzli wurden von den Bewohnenden gemeinsam im Rahmen der Aktivierung hergestellt», sagt Stefan Lerch, Geschäftsführer der Pflegeinstitution Provivatis Winterthur.
Nun gerät Corti ins Grübeln: «Ich hatte doch im November Geburtstag?» Michael Künzle beschwichtigt: «Ja, aber ich hatte vorher keine Zeit für einen Besuch.»
Nach seinen eigenen Angaben besucht Künzle zwei bis drei Mal pro Monat Jubilarinnen und Jubilare im Alter von 100 Jahren, um zu gratulieren. Eine Gratulation an eine 107-Jährige hat der Stadtpräsident bis dato noch nie erlebt.
«Ich stelle fest, dass die Hundertjährigen heutzutage noch sehr fit sind.» Noch vor rund zehn Jahren hätten die Gratulationen auch ab und an am Bett der Hundertjährigen stattgefunden. Heute nähmen die Jubilare die Gratulation an einem Tisch sitzend entgegen. Einzelne Jubilare, die noch in Privathaushalten wohnten, öffneten sogar immer öfter selbst die Tür.
Auch Anna Corti sitzt guter Dinge im Rollstuhl am Tisch. Auch wenn das Gehör sie etwas im Stich lässt, nimmt sie aktiv an der Unterhaltung teil. «Meine Mutter hatte viel Humor, ich nicht ganz so viel.» Künzle widerspricht: «Doch, doch Sie haben viel Humor und ganz schön viel Schalk.» Darauf will die Jubilarin wissen: «Haben Sie meinen Mann gekannt?» und als Künzle verneint: «Schade!» Zur Zeit, als ihr Mann Redaktor war, hätten sie viel Besuch gehabt. «Er war sehr lustig, nahm nichts ernst – ausser der Arbeit», sagt sie.
Der Name Corti ist mit Winterthur auf vielseitige Weise verbunden, wie im Winterthur Glossar zu lesen ist. Der Mann der Jubilarin, Walter Robert Corti (1910–1990), war nicht nur Gründer des Pestalozzi-Dorfes, sondern auch ein Schweizer Philosoph und Publizist. Ab 1964 lebte er bis zu seinem Tod in Winterthur in der Villa Kareol. Dort entstand ein philosophischer und wissenschaftlicher Treffpunkt. Robert Cortis Grossvater Giovanni Giuseppe Corti (1836 in Stabio TI geboren), erhielt 1882 das Winterthurer Bürgerrecht und gründete das Baugeschäft Corti & Cie. AG. Der Vater Arnold Corti arbeitete als Chemiker.
Ebenfalls ein Begriff in Winterthur ist die Tochter der Jubilarin, Claudia Corti, Gründerin des gleichnamigen Tanztheaters. Deren Nichte Carol Schuler hatte dort erste Auftritte. Heute ist Schuler Musikerin und als Schauspielerin unter anderem in der Rolle der Tatortkommissarin bekannt.
Als Corti ihr Leben Revue passieren lässt, bedauert sie nur etwas: «Dass ich keine Lehre machen durfte, war schade, denn ich war sehr wissbegierig.»
Claudia Naef Binz
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