Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Lebte für ihr Culinarium: Doris Geissberger in ihrem Geschäft. Bild: spo
Nach 70 Jahren schliesst in Oberi «Geissbergers Culinarium». Eine paar ausgewählte Produkte könnten überdauern.
Oberwinterthur Die Gefühle von Doris Geissberger fahren derzeit Achterbahn. Ein Tief erlebt sie, weil sie sich von ihrem Familienunternehmen verabschieden muss. Nach 70 Jahren endet am 21. März die Ära «Geissbergers Culinarium» an der Römerstrasse 232 in Oberwinterthur. «Ich habe intensiv nach einer Nachfolge gesucht, leider aber keine gefunden», sagt Doris Geissberger, die das Geschäft 1984 von ihren Eltern übernahm und seither führt. Zwar habe es Interessenten gegeben, doch am Ende habe es einfach nicht gepasst. «Wer ein solches Geschäft führt, muss leidenschaftlich dafür leben», sagt sie. Und das hat sie selbst all die Jahre immer gemacht. Auf der Suche nach den besten Lebensmitteln hatte sie ihre Augen und Ohren überall offen und besuchte regelmässig Lebensmittel-Messen. «Ich habe nichts im Laden, das ich nicht gerne habe. Ich liebe Lebensmittel, ein Alltag ohne sie ist unvorstellbar», sagt Geissberger, die vor drei Jahren das Pensionsalter erreichte.
Catering wird weitergeführt
«Treffpunkt für Geniesser» – so lautet der Slogan des Feinkostgeschäfts und das passt: In den Regalen und Frischtheken im Geschäft befinden sich ausgewählte Lebensmittel, die man sonst nirgends findet. Viele Produkte stammen aus der Region: Eier direkt vom Hof, Schnaps von einer kleinen Brennerei aus Dinhard, Joghurt aus kleinen Molkereien. Über Oberi hinaus bekannt ist das Geissbergers Culinarium aber für sein Käse-Sortiment. «Diese Käsevielfalt geht leider verloren», sagt Geissberger. Immerhin nicht ganz. Das Catering mit Fondue und Raclette will sie auch während ihrer Pension in kleinem Rahmen weiterführen.
Zwischen den Lebensmitteln – mitten im Geschäft – stehen zwei kleine Tische im Laden, an denen Kunden frisch zubereitete Suppe, Käseschnitten und Sandwichs essen können. Oder sie geniessen einfach einen Kaffee – den Schwatz gibts gratis dazu. Auf der Terrasse stehen weitere fünf Tische für die Kundschaft. Das «Geissbergers Culinarium» ist schon seit Jahren ein Treffpunkt in Oberi, ein Ort des Austauschs. «Das werde ich vermissen. Wir schauen zurück auf wunderschöne, intensive, von Arbeit geprägte Jahre. Ich hatte immer dankbare Kundschaft, die mich besträrkt haben, weiterzumachen», so Doris Geissberger.
Eine Kunstliebhaberin
Neben dem weinenden Auge gibt es bei Doris Geissberger aber auch ein lachendes. «Ich freue mich auf mehr Zeit für mich und meinen Mann.» So seien Reisen geplant, aber auch Zeit für Kunst und Kultur. Neben Veranstaltungsbesuchen will sie vermehrt zum Pinsel greifen und Bilder malen.
Verabschiedung
Ein paar ausgewählte Lebensmittel könnten die Ära Geissberger überdauern. Doris Geissberger ist im Gespräch mit der Drogerie Meier, damit diese ein paar der beliebtesten Spezialitäten anbieten kann. «Das sind Produkte, die man sonst nirgends kaufen kann, etwa unsere Salatsauce, Apéro-Flûtes oder ein Joghurt.» Die Ladenfläche wird von der Römer-Apotheke übernommen, die sich im gleichen Haus befindet.
Am 21. März hat das «Geissbergers Culinarium» zum letzten Mal offen. Um sich zu verabschieden, ist ein kleines Fest mit Raclette, Zopf am Meter und Kaffee geplant. «Ich freue mich auf die Gespräche mit den Kunden. Es sind im Moment alle Gefühle da», sagt Doris Geissberger.
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