Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Die Maag Recycling platzt aus allen Nähten. Ein neuer Recy-Hof für Private soll ab 2028 Entlastung bieten. Doch die Pläne der Stadt sind grösser.
Abfall Die Abfallentsorgung in Winterthur steht vor grossen Herausforderungen. Einerseits machen neue Materialien wie Lithium-Polymer-Akkus das Recycling anspruchsvoller, andererseits steigt die Abfallmenge. Am schwierigsten sind für die Maag Recycling AG aber die engen Platzverhältnisse. Das Familienunternehmen wird in vierter Generation geführt und übernimmt für die Stadt das Recycling von Wertstoffen wie Altglas, Metall oder Papier. Seit 2005 können Private an sechs Tagen pro Woche im Recy-Hof ihren Abfall entsorgen – und das wird auch rege genutzt. So rege, dass der Verkehr im Quartier regelmässig kollabiert. An Spitzentagen wollen 2500 Personen in der Maag ihren Abfall entsorgen. An einem normalen Wochentag sind es rund 1200 Kundinnen und Kunden. «Wir spielen Tetris und das schon seit Jahren», sagt Judith Maag, Geschäftsleiterin der Maag Recycling AG zu den engen Platzverhältnissen an einer Medienorientierung vom vergangenen Donnerstag. Man habe mit der Stadt nach innovativen Lösungen gesucht – und wurde in unmittelbarer Nähe fündig.
Auf einem städtischen Grundstück in der Kronaustrasse, knapp 500 Meter von der Maag entfernt, will die Stadt Winterthur bis 2028 einen neuen, temporären Recy-Hof bauen. Auf dem Areal, das einst als Salzlager diente, wird künftig in Zusammenarbeit mit der Maag das Recyclinggut von Privaten vorsortiert und in den weiteren Kreislauf zurückgeführt. Wertstoffe wie Karton, Glas oder Metall gehen zur Weiterverarbeitung zurück zur Maag. Kehricht und Sperrgut werden in der nahen Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt. Das städtische Grüngut kommt in die Kompogas AG, wo wertvolle Biomasse entsteht. Die Zufahrt zum neuen Recy-Hof erfolgt über die Industriestrasse und führt anschliessend via St. Gallerstrasse wieder weg. «Durch die Zwei-Standorte-Lösung kann der Verkehr besser verteilt werden», sagte Martin Joos, Leiter Tiefbauamt der Stadt Winterthur. Das Entsorgen der Recycling-Wertstoffe ist weiterhin kostenlos. Für Kehricht und Sperrgut wird es eine Mindestgebühr geben, analog zur Maag. Dort liegt die Mindestgebühr bei drei Franken. «Auch beim neuen Recy-Hof wird es in eine ähnliche Richtung gehen», sagt Judith Maag.
Der Recy-Hof-Neubau an der Kronaustrasse kostet die Stadt vier Millionen Franken. Aktuell befindet sich das Projekt auf Stufe Vorstudie. Allerdings wird der fertige Recy-Hof auch nur eine Übergangslösung sein. Eigentlich plant die Stadt bei der KVA einen neuen Recy-Hof. Doch dort befindet sich derzeit eine neue Ofenlinie im Bau, weshalb das Projekt erst in zehn bis fünfzehn Jahren realisiert werden kann. Doch so lange kann die Stadt nicht mehr warten. Die Platzverhältnisse bei der Maag sind zu prekär. Zum Recy-Hof in zwanzig Jahren gibt es noch weniger Details. Laut der Stadt soll er leicht grösser werden. Zudem bekommt die Kreislaufwirtschaft mehr Gewicht. Reparieren und Aufwerten kommen also noch vor Wegwerfen. «Die Leute werden durch zwei Bereiche geführt. Erst müssen sie durch den Bereich, wo Gegenstände aufgemotzt und geflickt werden können. Erst im zweiten Bereich geht es ums Entsorgen», sagt Armin Bachofner, Leiter Abteilung Entsorgung von der Stadt. Die Stadt hat sich hier beim Konzept anderer Städte, wie etwa Zug, inspirieren lassen (siehe Box). Als Ergänzung will die Stadt in Wülflingen und Töss zwei weitere, kleinere Recy-Höfe für Private realisieren. Diese würden dann vielleicht einfach nur halbtags bedient.
Geht 2028 der Recy-Hof bei der Kronaustrasse in Betrieb, wird derselbe bei der Maag geschlossen, Private können dann ihren Abfall nicht mehr entsorgen. «Diese Lösung ermöglicht uns, unser Firmenareal neu zu organisieren. Wir fühlen uns wohl in Winterthur und wollen auch langfristig hier einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten», sagt Maag. Trotzdem verspürt sie auch ein wenig Wehmut. «Wir geben auch etwas ab, was nicht ganz einfach für uns ist. Der Recy-Hof ist ein emotionaler Teil von uns. Dank ihm stehen wir in intensivem Austausch mit der Bevölkerung», sagt Maag. Jeder Winterthurer und jede Winterthurerin habe eine persönliche Geschichte zur Maag. «Oft kommen die Leute an Schlüsselmomente im Leben zu uns, etwa bei einer neuen Wohnung, oder wenn der Estrich des Grossvaters der geräumt wird.»
Sandro Portmann
"Zudem bekommt die Kreislaufwirtschaft mehr Gewicht." Warum wird man dann bestraft, wenn man offensichtlich noch brauchbare Artikel aus der Sammelstelle mitnehmen will? Weiss hier wieder mal die Linke nicht was die rechte Hand tut?
S.Fankhauser antworten
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