Goldjungs
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Q-Arts, das Kunstlabel der Quellenhof-Stiftung, lanciert das Kunst-am-Bau-Projekt unter dem Titel «Connection instead of Addiction».
Street-Art Wer an diesem Donnerstag Marcel Spiess, den Co-Geschäftsführer der Quellenhof-Stiftung und Street-Art-Künstler sucht, findet ihn auf einem Baugerüst, die Spraydose in der Hand.
An der Sulzerallee 46 in Winterthur entsteht gerade ein Kunst-am-Bau-Projekt an einer Wand, die etwa 13 Meter breit und 18 Meter hoch ist. Gemalt respektive gesprayt wird von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Suchtprogramms Quellenhof in Dinhard. Zwei bis drei Sozialpädagogen sind für die Betreuung vor Ort.
Beim Projekt «Connection instead of Addiction» hat Marcel Spiess eine Doppelrolle inne: «Ich mache einerseits Kunst, andererseits nutzen wir die Kunst für die Therapie von Suchterkrankten.» Sucht passiere im Verborgenen. «Sucht führt in die Einsamkeit und Isolation. Dieses Kunstprojekt ist inspiriert von der Überzeugung, dass «Sucht das Gegenteil von Verbindung ist», ein Gedanke, der durch Johann Hari, Autor des Buches «Lost Connections», bekannt gemacht wurde. Das Projekt verfolgt das Ziel, durch Kunst am Bau die Auseinandersetzung mit Sucht und sozialer Verbindung in der Stadt Winterthur zu fördern. Die Wand für die Gestaltung wird von der Intershop Holding AG zur Verfügung gestellt. Das Kulturkomitee Winterthur unterstützt das Projekt mit 13 000 Franken. «Wir haben den Zuschlag erst kürzlich erhalten», sagt Spiess.
«Wir hatten eine super Woche.» Die Teilnehmenden hatten auch mal Tiefpunkte zu bewältigen, aber alle haben Durchhaltevermögen bewiesen.
Ein Teilnehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung publiziert sehen möchte, sagt, dass dies bereits sein zweiter Aufenthalt in einer Institution sei. Seine Themen seien das Gamen und der Cannabis-Konsum. «Die Sucht kommt schleichend», sagt er. «Das Projekt zeigt aber, dass es auch ohne Suchtmittel geht.» Obwohl er die anderen in der Gruppe nicht kenne, fühle er sich gut aufgehoben. Schön sei, dass das Helfen im Vordergrund stehe. Das Projekt sei eine gute Ablenkung. «Während der ganzen Zeit beim Sprayen habe ich nicht ein einziges Mal an meine Sucht gedacht.»
Das Projekt hat Spiess zusammen mit Street-Art-Künstler Daschu initiiert, der aus dem süddeutschen Raum stammt. Dank Instagram wurde Spiess auf Daschu aufmerksam. Beide stellen soziale Anliegen in den Vordergrund. «Ich war früher Grafiker und die Kunst lief nebenbei, hier verbinde ich als Art-Director Kunst mit Sozialpädagogik», führt Spiess aus.
Als Sujet haben die Street-Art-Künstler das Bild einer Räuberleiter entworfen. Dieses zeigt, wie jemand auf den zwei verschränkten Händen einer anderen Person in die Höhe steigt. Das Bild ist laut Spiess sinnbildlich für die Sucht, ohne Hilfe gehe es nicht. «Manchmal braucht es andere, die helfen.» Es gehe auch um Vertrauen, sei es in die Infrastruktur, sei es in sich selbst. «Einige mussten über ihren eigenen Schatten springen, denn das Gerüst ist mit 18 Metern ganz schön hoch.»
Claudia Naef Binz
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