Chläuse
nahmen am Sonntag die Altstadt in Beschlag.
Jasmin Gadola ist neue Leiterin des Uhrenmuseums Winterthur. Bild: Claudia Naef Binz
Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichket hat die neue Leiterin des Uhrenmuseums gestartet. Höchste Zeit für einen Antrittsbesuch.
Nachfolge Nachdem die Uhrmacherin und Konservatorin des Uhrenmuseums, Brigitte Vinzens, in den Ruhestand getreten ist, hat Jasmin Gadola ihre Nachfolge angetreten. Im Interview erzählt sie, was Uhren mit Kulturgeschichte zu tun haben und warum sich ein Besuch im Uhrenmuseum lohnt.
Jasmin Gadola, Sie haben Anfang Juli im Uhrenmuseum die Leitung der Sammlung übernommen. Sind Sie gut gestartet?
Jasmin Gadola: Ja, ich bin sehr gut aufgenommen worden vom Team und konnte mir bereits einen ersten Überblick verschaffen. Auch eine Museumsführung habe ich bereits gegeben. Es bleibt aber noch einiges zu erarbeiten.
Was tragen Sie selbst für eine Uhr?
Im Moment trage ich gar keine Uhr (lacht und greift zu ihrer Uhr, die in der Werkstatt auf der Werkbank liegt), denn der Stift des Uhrenbändchens ist herausgefallen. Normalerweise trage ich diese «Museums-uhr», die Marke spielt keine Rolle, bei der Arbeit. Es ist ein mechanisches Exemplar (Gadola dreht die Uhr um), das Uhrwerk ist durch das Glas zu erkennen. Ich besitze aber auch eine Taschenuhr und die Moon-Swatch mit den Planeten.
Also keine sündhaft teure Uhr am Handgelenk?
Nein, aber es gibt schon faszinierende Meisterwerke und auch schöne Uhren mit Kultstatus, die ihren Preis haben.
Was sind Ihre Aufgaben?
Ich bin verantwortlich für die Pflege der Sammlung. Während meine Vorgängerin, Brigitte Vinzens, als Uhrmacherin gleichzeitig Konservatorin war, werde ich selbst keine Uhren revidieren oder restaurieren, sondern mit Fachpersonen zusammenarbeiten. Ich bin für das Konzept und die Vermittlung zuständig. Auch die Forschung, um der Herkunft von Objekten auf die Spur zu kommen, gehört dazu. Jede Inschrift einer Uhr ist eine Spur. Wir verwenden viel Zeit für die Recherche, aber nicht immer lässt sich die Herkunft eruieren, da einige der Uhren mehrere Jahrhunderte alt sind.
Was fasziniert Sie an der Welt der Uhren?
Die Geschichte der Uhren begann ganz früh. Schon die alten Ägypter und Griechen kannten Uhren, allerdings Elementaruhren ohne mechanische Werke. Dazu gehören Sonnenuhren, Sanduhren und auch Wasseruhren, sogenannte Klepsydren. Schon damals gab es die 12er-Unterteilung. Diese Einteilung ist uralt. Während der Französischen Revolution wurde der Versuch unternommen, die Zeit in Dezimalwerte, 10er-Werte zu unterteilen. Das hat nicht funktioniert. Aus Uhren lässt sich die Kulturgeschichte ablesen, das ist faszinierend.
Wie kamen Sie zu ihrem Job?
«Es ist ein Glücksfall, diese Stelle antreten zu können, bei einem spannenden Museum an einem solch schönen Ort. Schon früher war ich vom Uhrenmuseum Winterthur fasziniert, deshalb habe ich mich beworben. Nach dem Studium verantwortete ich beim Uhrenmuseum Beyer in Zürich eine verwandte Tätigkeit.
Was für ein Rüstzeug braucht eine Sammlungsleiterin?
Ich habe Geschichte, im Hauptfach europäische Kunstgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit inklusive Fotografie-Geschichte sowie Spanisch studiert. Bei einem Praktikum im Ringier-Bildarchiv und dessen Schauarchiv im Kunsthaus Aarau kam ich erstmals mit der Museumswelt in Kontakt.
Warum lohnt sich ein Besuch im Uhrenmuseum Winterthur?
Das Uhrenmuseum beinhaltet zwei hochkarätige Sammlungen mit internationalem Renommee: die Uhrensammlung Konrad Kellenberger und die Taschenuhrensammlung Oscar Schwank. Speziell am Uhrenmuseum ist, dass grosse Räderuhren vertreten sind. Das sind mechanische Uhren mit Zahnrädern aus Metall oder Holz. Die Besuchenden sind nahe am Objekt. Die Uhren sind nicht hinter Glas. Das ist anspruchsvoll für die Sammlungstätigkeit, aber spannend für das Publikum. Und die Uhren funktionieren alle! Wir zeigen viele Exponate der Uhrbauer-Familie Liechti aus Winterthur.
Apropos Winterthur, wie ist Ihr Bezug zur Stadt, wo trifft man Sie in der Freizeit an?
Ich bin in Winterthur aufgewachsen, habe aber lange in Zürich gewohnt, studiert und gearbeitet. Seit über zehn Jahren wohne ich wieder hier. Ich bin an kulturellen Anlässen in Winterthur anzutreffen. Ausserdem gehe ich gerne in Parks, und besonders mit meiner Familie in Tierparks. Ansonsten bin ich ein «Ohrenmensch» und höre gerne Hörbücher und Podcasts.
Und wenn Sie arbeiten, welche Momente geniessen Sie bei der Arbeit am meisten?
Am schönsten finde ich es, wenn ich morgens in die Ausstellung komme, die Uhren ticken höre und das Universum-Bild im Eingang aufleuchtet. Ja, die Welt der Uhren ist ein eigenes Universum. Umgeben von Uhren kann man ins Philosophieren kommen. Ich nehme mir auch immer wieder Zeit für die Museumsgäste. Es gibt viele, die den Austausch suchen. Hier im Uhrenmuseum entstehen die besten Gespräche.
Claudia Naef Binz
Museum am Mittag: Klappsonnenuhren, Feitag, 22. August, 12.30 Uhr,
Gastreferent Armon Defilla, Zürich.
Ab 23. September neues Gastspiel: Altarförmige Stockuhr aus Zug.
uhrenmuseumwinterthur.ch
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