Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Das Gewerbemuseum Winterthur geht einem scheinbar banalen Objekt auf den Grund.
Vernissage «Es gibt Materialien, die kommen und gehen und es gibt Materialien, die bleiben – der Backstein gehört zur zweiten Kategorie», sagte Susanna Kumschick, Direktorin des Gewerbemuseums Winterthur an der Vernissage vom 12. Juni.
«Den Baustein gibt es seit Jahrtausenden», sagte Kumschick. «Für dessen Entstehung braucht es geeignete Erde, Wasser, Feuer, Luft und Zeit.» Die Ausstellung mit dem Titel «Backstein Reloded» beschäftigt sich in drei Kapiteln und mit rund 50 Arbeiten mit diesem scheinbar banalen Objekt. «Wir wollen das Vertraute mit neuen Augen sehen.» Wie bei der begrünten Fassade beim Eingang zum Museum.
Auch das Haus, in dem sich das Gewerbemuseum befinde, sei aus Backstein gebaut worden. «Ebenso spielte der Backstein beim Bau der Sulzergebäude zur Zeit der Industrialisierung eine grosse Rolle.» Noch heute würden in 16 Produktionsstätten in der Schweiz Backsteine produziert und in 30 Gruben die Erde dazu abgebaut. Die Installation des mexikanischen Künstlers Jorge Mendez Blake zeigt eine zehn Meter lange Mauer, welche ohne Mörtel aufgeschichtet wurde. «Das Material dazu stammt aus den letzten Produktionsabläufen der Tonwerke Keller AG in Frick, die 2024 geschlossen wurden. Wir durften zudem für die Ausstellung auf die Erfahrung und das Wissen vom Verband Ziegelindustrie Schweiz zurückgreifen.»
Das Centre d'Innovation et de Design (CID) Grand-Hornu in Belgien realisierte 2025 die Ausstellung «Que veux-tu, brique?».
Das Gewerbemuseum Winterthur hat die Ausstellung für Winterthur um Schweizer Beispiele ergänzt. «Die Ausstellung erkundet die bautechnischen und gestalterischen Eigenschaften von Backsteinen», sagt Mario Pellin. «Der Backstein hat viele Facetten, wir wollen diese im Rahmen der Ausstellung zeigen», sagt er und ergänzt: «Ein Backstein kommt selten allein. Immer werde er im Verbund zum Einsatz gebracht. Vermehrt rücke das Thema Wiederverwertung von Backsteinen in den Fokus. «Der Backstein hat eine lokale Prägung, diese ist besonders im Sulzer-Areal zu sehen.» Die Ziegeleien in Dättnau und Pfungen hatten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine grosse lokale Bedeutung.
«Gestalterisch kann der Backstein bei einer Mauer als Abgrenzung dienen, bei einem Bogen hingegen, wird der Backstein als öffnendes Element verbaut.» Bei der Produktion stellt sich laut Pellin die Frage: «Wie kommen die Löcher in den Backstein?» Einerseits geschehe dies durch Extrusion, bei welcher die Masse durch eine Art Presse gedrückt wird, andererseits durch das Formen als Gestalt.
Beim Ausstellungsobjekt «Brick Chair» aus dem Jahr 2024 von Studio Floris Wubben verarbeitet der Designer extrudierte und ungeschnittene Backsteinstränge zu ungewohnten Formen und Nutzungen. Damit hinterfragt er die Beziehung zwischen Mensch und Maschine sowie handwerklicher und industrieller Produktion.
gewerbemuseum.ch
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