Goldjungs
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Das Theater Winterthur, das Staatstheater Augsburg und das Musikkollegium Winterthur bringen Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» als Oper auf die Bühne. Der Regisseur André Bücker im Gespräch.
Uraufführung Am vergangenen Freitag, dem 11. September, boten das Theater Winterthur zusammen mit dem Musikkollegium bei einer offenen Probe Einblicke in die Inszenierung. Vor der Probe nahm sich der Augsburger Intendant und Regisseur André Bücker Zeit für ein Interview. Er erzählte von der langjährigen Zusammenarbeit der Theaterhäuser und worin der Clou des Werks besteht.
Das Theater Winterthur und das
Staatstheater Augsburg verbindet eine bewährte Zusammenarbeit. Wie lange arbeiten Sie schon zusammen?
André Bücker: Thomas Guglielmetti und ich kennen uns schon sehr lange, seit Ende der 90er Jahre. Später wurde ich dann Intendant in Dessau. Als ich als Intendant nach Augsburg wechselte, pflegten wir den Kontakt weiter, wir haben einen guten Draht zueinander.
Die Idee, «Die Verwandlung» als Oper auf die Bühne zu bringen, stammt vom künstlerischen Leiter des Theaters Winterthur, Thomas Guglielmetti. Das Libretto ist von Philipp Löhle und die Komposition von Gordon Kampe: Zu welchem Zeitpunkt kommt der Regisseur ins Spiel?
Diesmal war ich Intendant und Regisseur gleichzeitig und deshalb von Anfang an in das Projekt involviert. Wir wollten schon seit längerem eine Co-Produktion auf den Weg bringen. Als schliesslich die finanziellen Mittel zur Verfügung standen, war der Zeitpunkt gekommen. Die Augsburger Operndirektorin Sophie Walz schlug Gordon Kampe als Komponisten vor. Die Vorbereitungen laufen seit rund zwei Jahren, was nicht viel ist, wenn man bedenkt, dass bei Opernproduktionen die Vorläufe teils viel länger dauern.
Wie funktioniert die Schnittstelle zwischen zwei Theaterhäusern und dem Winterthurer Musikkollegium?
Es ist eine tolle Kooperation. Bereits bei mehreren Gastspielen haben wir in dieser Konstellation zusammengearbeitet: Wir führen die Oper jeweils mit dem Orchester vor Ort auf, was sehr gut funktioniert.
Bei der Kafka-Oper handelt es sich um eine Auftragsarbeit, geht man da anders ans Werk als sonst?
Das Stück muss sowohl für Augsburg als auch für Winterthur passen. Besonders im Bereich Bühnenbild trafen wir daher viele Abklärungen. Da die Bühnen an beiden Orten ähnlich gross sind, wird an beiden Orten das identische Bühnenbild stehen, es müssen keine Abstriche gemacht werden.
Worauf darf man sich bei Ihrer Inszenierung besonders freuen?
Viele kennen Kafka aus der Schulzeit, wir machen aber keine heilige Kunstanstrengung, überhaupt nicht. Es ist ein unterhaltsames, kurzweiliges Stück. Bei dieser Oper kommen sowohl Kafka-Fans und Opern-Liebhaber auf ihre Kosten als auch Neulinge, die von beidem wenig verstehen. Ich glaube fest daran, dass alle den Anschluss an das Stück finden werden.
Gordon Kampe beschrieb in einem Interview, dass er das Gefühlt hatte, Kafka stehe mit kritischem Blick direkt neben ihm. Kennen Sie das Gefühl?
Tatsächlich habe ich mich in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiv mit Kafka auseinandergesetzt. Wir planen für Augsburg ein KI-Projekt, das in einem speziell gebauten Raum eine Eins-zu-eins-Begegnung ermöglicht. Ich habe mich dann bei der Vorbereitung für Winterthur mit dieser Kafka-KI unterhalten – eine spannende Auseinandersetzung. Kafka ist ein überlebensgrosser Autor, ein Kind der Moderne. Er thematisiert die Einsamkeit und die Entfremdung, sein Text ist zeitlos. Generell bin ich es als Regisseur gewohnt, mit «grossen Stoffen» der Weltliteratur zu arbeiten. Hier fühle ich mich in erster Linie dem Werk von Löhle und Kampe verpflichtet, erst in zweiter Linie dem Autoren Kafka.
Wie gefällt Ihnen die Idee, dass die Geschichte statt aus der Sicht des Käfers aus Sicht der Familie erzählt wird, sozusagen von der anderen Seite der Tür?
Das ist der Clou des Stücks! Durch den neuen Blickwinkel entsteht eine groteske Situation. Dabei hat Löhle die Texte unverändert aus Kafkas Original entnommen: ein unglaublicher Kunstgriff, der hervorragend funktioniert.
Der Komponist Gordon Kampe sagt, dass er Brüche liebt, etwa indem er ein ernsthaftes Thema mit einer Musicalnummer durchbricht. Wie geht die Regie mit solchen «Stimmungsschwankungen» um?
Es ist eine stringente Erzählung mit einer grossen Klarheit. Die Musik gibt in dieser Oper allerdings ein hohes Tempo vor, die Herausforderung für die Regie besteht vor allem darin, dieses Tempo zu halten.
«Die Verwandlung»
Franz Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» schildert, wie sich der junge Mann Gregor Samsa in einen Käfer verwandelt. Ab der Spielzeit 2026/27 ist die Geschichte in Augsburg und Winterthur als Oper zu erleben: Am 18. September feiert dieses Werk, komponiert von Gordon Kampe, in Winterthur seine Uraufführung und ist dort bis zum 26. September zu sehen, ab 10. Oktober wird es in Augsburg (DE) aufgeführt. Diese Koproduktion ist eine Erweiterung der langjährigen Zusammenarbeit beider Theater. Das Libretto stammt vom renommierten Dramatiker Philipp Löhle. Die Regie liegt beim Augsburger Staatsintendanten André Bücker. In Winterthur spielt das Musikkollegium. pd
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