Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Der ehemalige FCW-Verteidiger Tobias Schättin erzählt im Interview, weshalb er eine weitere Saison auf Zypern spielt.
Tobias Schättin startete seine Fussballkarriere bei den Junioren des SC Veltheim und des
FC Winterthur ab. Im Alter von 17 Jahren spielte er auf der Schützenwiese erstmals für die erste
Mannschaft, für die er seither – unterbrochen durch zwei Abstecher zum FC Zürich – 197 mal
im Kader stand. Vor einem Jahr wechselte der heute 29-Jährige zum zyprischen Verein Anorthosis Famagusta.
Da Sie eine zweite Saison bei Amorthosis spielen, kann man davon ausgehen, dass Sie
sich auf Zypern wohlfühlen.
Tobias Schättin: Ich fühle mich hier sehr wohl. Natürlich war es nach all den schönen Erinnerungen nicht einfach, meinen Jugendverein zu verlassen. Im Nachhinein bin ich aber sehr glücklich
über diesen Entscheid, weil ich mich sowohl auf als auch neben dem Platz nochmals weiterentwickeln und bereits viele neue Erfahrungen sammeln konnte.
Ist es Lebensqualität trotz hoher Hitze oder auch die Freude auf dem Platz, die Sie auf
der Insel gehalten haben?
Ein bisschen von beidem. Die Dinge laufen hier alle etwas anders als in der Schweiz, und ich
wollte bewusst aus meiner Komfortzone heraus, Das ist mir definitiv gelungen. Natürlich ist es
auch ein Stück Lebensqualität, wenn ich an einem freien Tag einfach mal an den Strand gehen
kann, ohne dafür in ein Flugzeug steigen zu müssen sowie praktisch zwölf Monate im Jahr
gutes Wetter zu haben. Von Juli bis September ist es allerdings wirklich extrem heiss. Ich bin aber
nicht zum Urlaub machen hierhergekommen. Der Verein hat eine lange Tradition und ist sehr
ehrgeizig. Ich wollte diesen Druck auch haben, denn wenn man die gesteckten Ziele erreicht, ist man umso glücklicher. Genau das spornt mich weiterhin extrem an.
Die Zyprioten gelten als temperamentvoll und heissblütig, ist das auf und neben dem Platz spürbar?
Man spürt es vor allem in den Stadien. Die Zweikämpfe sind hier sehr intensiv, und bei praktisch jeder Schiedsrichterentscheidung pfeifen die Fans des jeweils benachteiligten Teams pausenlos und unabhängig davon, ob der Entscheid korrekt war oder nicht. Speziell bei grossen Spielen merkt man die emotionale Anspannung extrem. Dementsprechend emotional ist auch die Stimmung nach einem Sieg oder einer Niederlage.
Verfolgen Sie die Spiele des FCW noch?
Selbstverständlich. Ich stehe auch noch regelmässig mit mehreren Spielern in Kontakt und versuche, auch morgen das Spiel gegen den FC Aarau zu verfolgen. Ich drücke dem FCW den Daumen – natürlich auch für die für den Verein so wichtige Abstimmung am Sonntag, 27. September.
Was vermissen Sie aus ihrer Zeitauf der Schützi am ehesten?
Natürlich die Fans, die das Stadion immer bis auf den letzten Platz gefüllt und uns unabhängig
vom Resultat immer unglaublich unterstützt haben. Oder die Momente mit den jüngeren Fans nach den Spielen, wenn wir ihnen mit Fotos oder Autogrammen eine Freude machen durften. Diese Momente werde ich definitiv in besonderer Erinnerung behalten.
Im ersten Spiel der Saison seid Ihr ausgerechnet auf das Team von Ex-FCW-Keeper Stefanos Kapino getroffen, bis auf das Resultat eine schöne Begegnung?
Bis auf die 0:2-Niederlage - ja. Wir hatten nach dem Spiel noch kurz Zeit, uns ein wenig zu unterhalten. Ich hatte mich schon in Winti sehr gut mit ihm verstanden, daher war es schön, ihn wiederzusehen und unter anderem über die guten alten Zeiten zu plaudern. Sobald er als frischgebackener Vater wieder etwas mehr Schlaf bekommt, werden wir uns bestimmt
mal auf einen Kaffee treffen.
Für Amorthosis haben Sie noch kein Tor erzielt. Fehlt ein famoser Flankengeber, wie es
Granit Lekaj 2024 gegen Luzern war, als Sie ein herrliches Kopfballtor erzielten?
Genau, das wäre nicht schlecht. Möglicherweise muss ich Granit mal anrufen und ihn fragen, wie
interessiert er an einem Engagement in Zypern wäre. (lacht)
Dem FCW hätte bereits letzte Saison ein solider Verteidiger sehr gutgetan… ist eine baldige Rückkehr ein Thema?
Aktuell nicht, da die Saison hier gerade erst gestartet ist und ich mir für diese Spielzeit klare Ziele
gesetzt habe. Aber natürlich weiss man nie genau, wie es in ein, zwei oder drei Jahren aussieht. Ich darf nun seit über zwölf Jahren meinen Traumberuf ausüben und habe dabei gelernt, dass in einem Jahr bereits wieder alles anders aussehen kann. Ich durfte aber mit dem FCW bereits so viele schöne Momente erleben, dass ich mir natürlich vorstellen kann, irgendwann wieder zurückzukehren.
Interview: George Stutz
Lade Fotos..