Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die grösste Herausforderung für Merly Knörle: das Publikum – «denn es geht bei der Kultur vor allem um die Besuchenden». Bild: zVg
Eine Arbeitsstelle, bei der sie all ihre Erfahrungen einbringen und Talente vereinen kann, hat Merly Knörle als Leiterin der Villa Sträuli gefunden.
Rückblick Im Nachhinein fühlt es sich für Merly Knörle so an, als wären all ihre bisherigen Ausbildungen und Tätigkeiten «wie eine grosse Vorbereitung» auf ihre jetzige Aufgabe gewesen: Seit Oktober 2021 ist sie als Direktorin des Kulturhauses Villa Sträuli tätig. Die Villa Sträuli fördert die Präsentation und Verbreitung von zeitgenössischer Kunst. Dies tut sie durch ein internationales Residenzprogramm (Artists in Residence) – das pro Jahr zehn Kulturschaffenden aus aller Welt einen dreimonatigen Aufenthalt in Winterthur ermöglicht – als Schwerpunkt sowie als ein öffentliches Haus für Kunst, Kultur und Kooperationen.
Die gebürtige Kubanerin Merly Knörle, die seit 1995 in der Schweiz lebt, hatte schon als Kind eine «unstillbare Leidenschaft» für die Kunst, wie sie sagt. Mit sieben Jahren spielte sie Theater, mit zwölf schrieb sie Kurzgeschichten und gewann Preise dafür, als Jugendliche war sie von Literatur fasziniert, später kamen die bildenden Künste dazu.
Merly Knörle hat englische Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Kunstgeschichte studiert, war als Englisch- und Spanischlehrerin tätig, liess sich zur Fotografin ausbilden und arbeitete anschliessend beim Schweizer Fernsehen SRF. Es folgte ein CAS Kulturmanagement, «das mich über die Diplomarbeit zum Kunstkasten geführt hat, wo ich erste kuratorische Erfahrungen sammelte».
2011 gründete sie die Galerie «knoerle & baettig contemporary», wo sie während acht Jahren mit nationalen und internationalen Kunstschaffenden arbeitete. «Zwischendurch» machte sie noch den Master in Curating an der Zürcher Hochschule der Künste, eigene kuratorische Projekte folgten.
Als die Stiftung Sulzberg die Ausschreibung für die Stelle als Direktorin veröffentlichte, hat Merly Knörle als selbstständige Kuratorin gearbeitet und war offen für neue Herausforderungen. «Ich kannte die Institution gut und war ein Jahr zuvor in der Auswahlkommission für die Bewerbungen der Artists in Residence gewesen.»
Merly Knörle wusste: «Hier kann ich alle meine Erfahrungen einbringen und gleichzeitig meine Talente vereinen – und ich zögerte keine Sekunde. Es ist mein Traumjob.» Weiter sagt sie: «Diese Stelle ist der Höhepunkt eines Werdegangs, der von glücklichen Fügungen geprägt ist, aber auch von viel Arbeit, einer Menge Fleiss und Tatendrang.» Ihre grösste Herausforderung sei das Publikum – seine Interessen zu treffen, es auszubauen und zu behalten, ein publikumsnahes Programm zu gestalten, «denn es geht bei der Kultur vor allem um die Besuchenden». Natürlich gebe es auch andere wichtige Themen, wie etwa die Sicherstellung der Finanzierung (siehe Kasten). «Ohne die wäre das ganze Programm nicht möglich.»
In den vergangenen zwölf Monaten haben Merly Knörle und ihr Team viel Lob bekommen und das angebotene Programm war gut besucht. «Das gibt mir die Bestätigung, dass wir wohl vieles richtig machen.» Ein Highlight war für sie die Unterstützung des Kantons durch die Förderung mit dem Transformationsprojekt zur Publikumsgewinnung. «Dies ist für uns gleichermassen Wertschätzung und Anerkennung und erlaubt uns, wesentliche Schritte in Richtung Zukunft zu gehen und unsere langfristige Planung und Positionierung zu stärken.»
Das Programm im Kulturhaus Villa Sträuli folgt jährlich einer thematischen Ausrichtung. Dieses Jahr war es «Misch dich ein» – ein Aufruf zur Inklusion und Teilhabe. «Deswegen haben wir uns bei der Auswahl auf partizipative Projekte konzentriert.» 2023 heisst das Thema «From Earth». Dabei würden eingeladene Kunstschaffende die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Weitergabe von Geschichten und indigenem Wissen, Landwirtschaft, Selbstversorgung, das Verschwinden bestimmter Tier- und Pflanzenarten und soziale Gerechtigkeit untersuchen. «Themen, die sich unterschiedlich anhören, aber in gewisser Weise ein und dasselbe sind.» Es sollen Kochaktionen und Projekte mit der mexikanischen Künstlerin Paloma Ayala durchgeführt werden; zudem werden Naturspaziergänge organisiert und lokale Geschäfte in Projekte miteinbezogen.
Und: Mit der Unterstützung der Stiftung Sulzberg werde 2023 auch ein Stipendium für eine Residenz vergeben für internationale Kunstschaffende, die sich mit diesem Thema beschäftigen. «Diese Kollaboration wird unseren Schwerpunkt im Sommer bilden.» Weiterhin werde es auch traditionelle Formate wie die Samstagsmatinée geben. «Wichtig ist es uns aber auch, genügend Platz für Improvisationen und für Kollaborationen mit anderen Institutionen zu lassen», so Merly Knörle. jul
Lade Fotos..