Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die junge Winterthurerin Tamara Russ feiert ihren Geburtstag mit einem 100-Kilometer-Lauf.
Winterthur Die Idee kursierte schon seit vier Jahren in ihrem Kopf. Mitte Oktober hat Tamara Russ dann ihre Laufschuhe geschnürt und ist losgelaufen. Ihr Ziel: Zu Fuss von Winterthur nach Konstanz zu laufen und wieder zurück. «Ich habe immer wieder komische Ideen, die ich umsetzen muss. Dann frage ich mich, was es noch gibt, was mich herausfordert», sagt sie im Gespräch mit einem Schmunzeln. Sie habe eine grosse Komfortzone. So begann sie bereits mit 15 Jahren alleine zu reisen. Das Abenteuer lockte sie auch vor vier Jahren, als Russ die magische Zahl von täglichen 10 000 Schritte einmal übertreffen wollte, und sich vornahm, 100 000 Schritte unter die Füsse zu nehmen. «Die Idee habe ich dann auch umgesetzt, 100 000 Schritte entsprechen rund 70 Kilometern.» Es machte ihr so viel Spass, dass sie sich einer noch grösseren Herausforderung stellen wollte. So entstand die Idee des 100-Kilometer-Laufs. Lange voraus war die Aktion aber nicht geplant. «Das war relativ spontan. Eine Woche vorher fasste ich den Entschluss», so Russ.
Auch traf sie keine besonderen Vorbereitungen. Längeres Laufen ist sie sich gewohnt. Davon zeugen mehrere lange Wanderungen, darunter drei Jakobswege. Der längste dauerte 28 Tage und entsprach rund 1000 Kilometer. Auch die Wanderung zum Everest Base Camp in Nepal war nicht alltäglich. «Zwei Tage vorher habe ich begonnen, viele Teigwaren zu essen», so Russ. Dann ging es los. Der Wecker klingelte in dieser Freitagnacht um 3 Uhr. Um 3.30 Uhr packte sie Sandwiches, Bananen und Gummibärchen in den Rucksack, schnürte die Laufschuhe, und lief los. Bis Frauenfeld leistete ihr Mitbewohner ihr auf dem Fahrrad Gesellschaft.
In Konstanz angekommen, legte sie eine Pause ein, ass einen veganen Döner und erledigte kleine Einkäufe.
Das Besondere: Während des Spaziergangs, wie sie den eigentlichen Marsch nennt, feierte die junge Winterthurerin ihren 27. Geburtstag. Das war kurz vor dem Ende, bei Kilometerstand 90. «Meine Kolleginnen und Kollegen kamen zu mir, und wir haben um 24 Uhr kurz gejuchzt!», sagt Russ. Den Geburtstagskuchen gabs dann am Sonntag. «Bis hierhin hatte ich unglaublich gute Laune und war voller Energie», sagt sie. Die letzten zehn Kilometer hätten es aber in sich gehabt. «Dass mich meine Kolleginnen und Kollegen besucht, und ein Stück begleitet haben, war mega schön», sagt sie. Nach 19 Stunden reiner Laufzeit kam sie um 2 Uhr nachts zu Hause an. «Ich hatte dann so Lust auf Chips, dass ich noch zum Migros teo lief. Doch für die Strecke, für die ich sonst zehn Minuten brauche, benötigte ich über eine Stunde, so langsam lief ich.» Ausser einer geplatzten Blase an den Füssen hatte sie am nächsten Tag aber kaum Beschwerden zu beklagen. «Meine Mutter war froh, dass ich zumindest Blasen hatte. Sie befürchtete, dass ich sonst schon wieder unterwegs sein würde», sagt Russ.
Mit dem Lauf nach Konstanz und zurück hat sie auch die Marke von 100 000-Schritten übertroffen. «Der ganze Spaziergang entsprach 145 000 Schritten, also so vielen, wie man sonst in zwei bis drei Wochen macht», sagt Russ und lacht freudig. Es wird nicht ihr letztes Abenteuer sein.
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