Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Die FDP, Die Mitte und die SVP beklagen Vandalenakte. Bild: zVg
Wie gehen die Parteien in Winterthur aktuell auf Wahlkampf und wie erleben sie diesen?
Politik Wir befinden uns mitten im Wahlkampf und die Parteien weibeln auf den Strassen, an Podien oder von Plakaten um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Der eine oder andere fühlt sich dabei auch schon mal bedrängt. So war ein Bürger mehr als erstaunt, als Mitte Februar sein Telefon klingelte und sich eine Dame der SP meldete. «Ich wurde belästigt», fand der Mann. Sein Ärger wuchs, als er herausfand, dass die Frau gar kein SP-Mitglied war, sondern eine freiwillige Helferin. «Ich finde dies grenzt schon fast an Wahlbetrug und Irreführung der Wähler!», so der Mann.
Austausch im Vordergrund
Bei der SP nachgefragt, bestätigt man, dass das Telefonieren ein Mittel ist, ins Gespräch mit potenziellen Wählerinnen und Wählern zu kommen. «Das ist seit Jahren ein typisches Instrument der Sozialdemokraten im Wahlkampf», sagt Franziska Tschirky, Co-Präsidentin der SP Winterthur. Die meisten würden diesen Dialog begrüssen. «Es ergibt jeweils sehr schöne Gespräche», sagt Tschirky. Dass sich Personen daran stören, sei die Ausnahme. Dabei greift die SP nicht willkürlich zum Hörer. Kontaktiert werden Personen, die bereits Kontakt mit der Partei hatten, sei es, weil sie zum Beispiel mal eine Fahne bestellt haben.
Der Austausch stehe im Vordergrund. «Es sind keine Verkaufsgespräche. Wenn jemand nicht mit uns sprechen möchte, respektieren wir das selbstverständlich», sagt Tschirky, die auch selber bei den Aktionen mithilft. Es gehe vielmehr um eine Erinnerung, sich an der Wahl zu beteiligen. Und das macht die Partei nicht ohne Grund. Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren lag die Stimmbeteiligung bei rund 36 Prozent. «Es ist unbefriedigend, wenn so wenige Leute an die Urne gehen», so Tschirky. Neben dem Telefonkontakt nutze die SP auch die gängigen Methoden wie Flyer, Standaktionen oder Soziale Medien.
«Es ist unser Ziel, möglichst viele Personen auf möglichst unterschiedliche Weise zu erreichen», so Tschirky. Ein Ziel, das die anderen Parteien teilen.
SVP klagt über Vandalenakte
Es ist aber nur noch die SVP, die während des Wahlkampfs ebenfalls den Telefonhörer in die Hand nimmt. «Unsere Kandidaten besuchen Wählerinnen und Wähler zu Hause oder rufen sie an», sagt Manuel Zanoni, Wahlkampfleiter der SVP Winterthur. Auf den Versand von SMS würde man aber verzichten. «Es geht nichts über den persönlichen Kontakt zu den Leuten», so Zanoni. Jedes Wochenende organisiert die Partei mehrere Standaktionen in der Stadt und führt eine Vielzahl von Anlässen durch, an denen die Bevölkerung die SVP-Kandidaten treffen kann. Neben Werbung auf Plakaten, Inseraten und in den Sozialen Medien verteilt die Partei auch Flyer in den Quartieren und frühmorgens am Bahnhof Gipfeli. «Das Feedback der Leute im persönlichen Kontakt ist sehr positiv», so Zanoni. Gehässige Reaktionen seien keine bekannt. «Wir haben jedoch mit einem bisher nicht gekannten Ausmass an beschädigten Plakaten zu kämpfen. Plakate an mittlerweile über 50 Standorten sind nicht nur beschmiert, sondern heruntergerissen und zerstört worden.»
Fake-Profile machen Stimmung
Mehr beschädigte Plakate erlebt auch die FDP. «Das Ausmass an Vandalismus hat dieses Jahr gegenüber den letzten Wahlkämpfen massiv zugenommen. Kaum ist ein Plakat, nota bene für viel Geld bezahlt, wieder aufgehängt, vergehen keine zwei Nächte und es fehlt schon wieder», sagt Martin Kleiner, Co-Wahlkampfleiter der FDP Winterthur. Er fordere alle Beteiligten zu einem fairen Wahlkampf auf und dass bei Verfehlungen innerhalb der eigenen Partei korrigierend eingegriffen werde. Während der Ton in den Gesprächen an Standaktionen oder an Podien respektvoll sei, würden sich Kommentatoren in den Sozialen Medien auch mal vergreifen. «In den Social Media sind deutlich mehr anonyme und offensichtliche Fake-Profile unterwegs, die gezielt gegen gepostete Aussagen Stimmung machen und sowohl die Partei als auch einzelne Exponenten frontal angreifen», so Kleiner.
Wähler werden aktiver
Plakate, Inserate, Standaktionen und Social Media: Auch bei der GLP, der Mitte und den Grünen stehen die klassischen Wahlkampf-Mittel im Fokus. «Auf der Strasse erleben wir viel Wohlwollen. Auch die Stimmung unter den Kandidierenden verschiedener Parteien erleben wir meist als sehr kameradschaftlich», sagt Danja Marazzi, Wahlkampfleiterin der GLP. Ähnlich klingt es auch bei den Grünen. «Die Menschen begegnen uns grösstenteils wohlwollend. Eine stark erhöhte Grundbesorgnis konnten wir nicht feststellen. Die Besorgnis über die weltpolitische Lage veranlasst die Menschen eher, selbst aktiv zu werden, beispielsweise indem sie uns Grünen beitreten. Wir erleben den Wahlkampf überwiegend sachlich», sagt Florian Heer, Co-Präsident der Grünen Winterthur. Im Wahlkampf hört die Mitte oft den Wunsch nach einer Korrektur in der Politik. Themen wie Sicherheit und Schule würden die Wählenden sehr beschäftigen, sagt Chris Bauer, der Wahlkampfleiter der Mitte. Auch sie klagen über Vandalismus. «Als Partei der Mitte möchten wir die Wählerschaft ansprechen, die an Sachpolitik interessiert ist und sich nicht von Extrempositionen leiten lassen möchte», so Bauer.
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