Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die Sitzbänke in der Stadt Winterthur sorgen für Unmut. Mal, weil sie fehlen, mal, weil sie nicht seniorengerecht sind. Die Stadt reagiert.
Einmal absitzen Einsam stehen die beiden begrünten Sitznischen da. Während die Pendler an ihnen vorbeiziehen, bleibt die Holzkonstruktion (siehe Bild) auf der Strasse beim Lagerplatz unberührt. Niemand will sich auf sie setzen. «Obwohl mich mein Weg in die Stadt jeden Tag bei diesen vorbeiführt, habe ich noch nie jemanden darauf sitzen gesehen», sagt Siegfried Malina. Gleich geht es den Sitzgelegenheiten beim Güterschuppen neben dem Bahnhof Töss oder an der Verzweigung Dammstrasse-Giesserstrasse. Der rüstige Rentner ist unzufrieden mit der Sitzkultur der Stadt: «Die Stadt Winterthur rühmt sich als Kulturstadt. Doch von einer Sitzkultur ist sie weit entfernt.» Die hölzernen Holzkonstruktionen seien am falschen Ort platziert. Denn umgekehrt würden an anderen Orten der Stadt Sitzgelegenheiten fehlen. «Vor dem Altersheim am Neumarkt, der Brasserie Reh und am Untertor bei der Apotheke wurden Sitzbänke entfernt. Wenn man sich nun ausruhen will, ist man gezuwungen, im Restaurant etwas zu konsumieren», so Malina. Ebenso am Unteren und Oberen Graben, wo Sitzbänke zugunsten der Gastrobetriebe entfernt wurden.
Am meisten ärgert er sich über die Umgestaltung des Merkurplatzes vor fünf Jahren. Wo früher ein bepflanztes Betonelement vor dem Manor zum Innehalten einlud, stehen heute lehnenlose Holzblöcke aus Käferholz zwischen Bäumen und Sträuchern. Die Winterthurer sollen sich in einem kleinen Dschungel, einem «Urban Forest» wähnen, so das Ziel der Umgestaltung, wie die Stadt damals kommunizierte. Damit hat sie sich aber keinen Gefallen getan, findet Malina. «Es fehlt etwas zum Anlehnen. Zudem hat man mit dem Dschungel keinen Sichtkontakt mehr zum Eingang. Wenn ich auf jemanden warte, will ich den Eingang sehen und mir nicht die Beine in den Bauch stehen müssen», so der Senior. Auch die morsche Holzbank befinde sich am falschen Ort. «Sie hätte besser in den Zürcher Zoo gepasst», sagt er. Sein Vorschlag: Die ungenutzten Bänke mit den Lehnen beim Lagerplatz sollen mit den Holzklötzen beim Merkurplatz ausgetauscht werden.
Malina sieht sich als Sprachrohr für die ältere Generation. «Es ist mir ein Anliegen, den Platz so zu gestalten, dass sich auch Ältere und Alte wohlfühlen können. Mein Wunsch und der vieler Einwohner wäre es, wieder den Merkurplatz bürgerfreundlich zu gestalten», meint er. Ein gutes Beispiel seien die neuen Sitzgelegenheiten rund um das Neuwiesenquartier.
Mit dem Anliegen steht Siegfried Malina bei weitem nicht alleine da, im Gegenteil: Sitzbänke sind eines der drängendsten Themen der Winterthurer Seniorinnen und Senioren. Das zeigten die Mitwirkungsanlässe der Stadt zur Altersstrategie 2025. An vier öffentlichen Anlässen hat die Stadt mit Senioren diskutiert, was sie besser machen kann. «Das Thema Sitzbänke wurde an allen Mitwirkungsanlässen eingebracht und ist eines der Themen, das am meisten diskutiert wurde», sagt Tina Schmid, Abteilungsleiterin der Stadt im Bereich Gesellschaft. Sie hat die Mitwirkungsanlässe der Stadt organisiert. Einerseits gab es den Wunsch nach mehr Sitzgelegenheiten auf Stadtboden. «Es kamen viele Rückmeldungen, dass an spezifischen Stellen Sitzgelegenheiten fehlen», sagt Schmid. So habe eine Seniorin geklagt, dass es im Dättnau keine einzige Sitzbank gebe. Ein Blick auf die Bänkli-Karte der Stadt bestätigt diesen weissen Fleck, auch wenn zumindest beim Dättnauer Weiher und im angrenzenden Wald Sitzbänke verzeichnet sind. Andererseits müssen die Bänke auch altersfreundlich sein, also über eine Rückenlehne und Armlehne verfügen sowie eine gerade Sitzfläche haben.
Die Stadt Winterthur nimmt das Thema ernst. «Die Anliegen der Seniorinnen und Senioren wurden von der Stadt erkannt», sagt Schmid. Die Inputs werden in die Altersstrategie 2025 aufgenommen. Diese wird voraussichtlich Ende Jahr vom Stadtrat verabschiedet und öffentlich vorgestellt. Doch eine Bank ist eben nicht nur eine Bank. Je nachdem wo sie in der Stadt steht, ist eine andere Stelle bei der Verwaltung zuständig. In der Verantwortung stehen Stadtgrün, das Tiefbauamt und Stadtbus, wobei Stadtgrün am meisten Bänkli besitzt, rund 2000 an der Zahl. Diese Zuständigkeit soll künftig vereinfacht werden. «Die Idee ist, dass neu eine einzige Stelle in der Verwaltung für Banklifragen zuständig ist», sagt Schmid. Wie die Stelle des städtischen Bänkliverantwortlichen aussieht, ist noch offen.
Sandro Portmann
Interessant ihr Beitrag. Bereits 2016 habe ich bei der Mörsburg eine Bank gesponsert. Ich wohne in Seuzi. Als Pensionierter bin ich oft am spazieren und vermisse Sitzgelegenheiten. Darum wurde ich bei der Gemeinde vorstellig um etwas Anzustossen. Das war vor etwa 5 Jahren. Das Resultat können Sie auf der Homepage der Gemeinde nachlesen. Ein Blindgänger finde ich. Die wollen die Gemeindekasse…
Guido Hayoz antworten
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