Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Das Kantonsspital Winterthur arbeitet seit Jahren mit roboterassistierten Systemen in der Chirurgie.
In diesen Tagen trifft am Kantonsspital Winterthur ein neuer Roboter aus China ein. Vom bereits als Wundermaschine betitelten Roboter erhofft man sich viel.
Gesundheit Das Kantonsspital Winterthur (KSW) begrüsst in diesen Tagen einen neuen Chirurgen, dem kein menschlicher Arzt das Wasser reichen kann. Shurui heisst der neue Mitarbeiter aus China. Es ist ein Hightech-Robotersystem, das die Roboterchirurgie auf die nächste Stufe hebt. Ob der chinesische Roboter hält, was er verspricht, wird am Kantonsspital nun während drei Monaten getestet. Das KSW ist in Europa neben einem Spital in München das zweite Spital, das mit dem Shurui arbeitet.
Erfüllt das System die Erwartungen, prüft das KSW im nächsten Jahr die Anschaffung. Rund 1,5 Millionen Franken kostet das Gerät und ist damit vergleichbar mit anderen Robotersystemen in der Chirurgie. «Wir sind mega gespannt und aufgeregt. Alle wollen den neuen Shurui-Roboter sehen», sagt Stefan Breitenstein, Chefarzt Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Er erhofft sich viel vom neuen Robotersystem. «Wir wollen Pionierarbeit leisten und uns zu einem Kompetenzzentrum entwickeln», sagt Breitenstein. Das steigere auch die Attraktivität als Arbeitgeber. Bereits heute spielt das Spital technisch ganz vorne mit.
Dass Roboter im Operationssaal eingesetzt werden, ist nichts Neues. Das KSW hat sich bereits 2009 den ersten Roboter angeschafft, das «DaVinci»-Modell aus den USA, das heute den Markt beherrscht. Zahlen des Herstellers zeigen, wie stark die Bedeutung der roboterassistierten Chirurgie in den letzten Jahren weltweit zugenommen haben. Die Zahl der «DaVinci»-Eingriffe hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Im Jahr 2025 wurden 3,1 Millionen Eingriffe durchgeführt. Im März 2026 schaffte sich das KSW einen zweiten «DaVinci»-Roboter an. Seit der Einführung des «DaVinci»-Modells wurden am KSW über tausend Prostataeingriffe durchgeführt. Breitenstein betont, dass die Roboter nicht autonom operieren. Der Roboter führt die Bewegungen aus, die ein Chirurg via Joystick übermittelt.
Seit drei Jahren steht im Operationssaal des Kantonsspitals auch ein Schweizer Robotersystem. Dexter heisst dieses und kostet rund ein Drittel des Klassikers «DaVinci». Im Tagesgeschäft wird Dexter für weniger komplexe Operationen verwendet. Für Aufsehen sorgte das KSW 2024, als unter der Leitung von Breitenstein die weltweit erste erfolgreiche Leberoperation mit einem Dexter-System durchgeführt wurde. «Die Vorteile von roboterassistierten Chirurgie liegen auf der Hand: Wir können präziser arbeiten als in der offenen Chirurgie, da der Chirurg die Instrumente aus einer anderen Position steuert. Zudem bietet das System grössere Bewegungsfreiheit und unterbindet jeglichen menschlichen Tremor», sagt Breitenstein. Zudem sei während der Operation mindestens eine Person weniger erforderlich, um die Instrumente zu halten. Für die Patientinnen und Patienten ist ein solcher Eingriff weniger invasiv, die Genesung erfolgt schneller und es gibt im Vergleich kleinere Narben. Andererseits sind die Operationen vergleichsweise teuer.
Warum gilt der neue Roboter aus China überhaupt als Wundermaschine? Dafür gibt es zwei Gründe, wie Breitenstein sagt. Einerseits liegt das an seinem neuartigen Zugang in den menschlichen Körper. Statt über die klassischen drei Öffnungen, benötigt der Shurui nur einen kleinen Schnitt von 2,5 Zentimetern, um im Innern des Körpers zu operieren. Single Port heisst dies im Fachjargon. Die eigentliche Innovation sind jedoch seine schlangenartigen Arme, an denen verschiedene Instrumente wie Schere, Zange, Kamera oder Lichtquelle angebracht sind. Dies macht das Arbeiten komfortabler.
Das Einsatzgebiet bleibt jedoch gleich: Shurui soll in der Urologie und bei Operationen im Bauch- und Brustkorbbereich zum Einsatz kommen.
Wenige Tage nach seiner Ankunft soll Shurui im Operationssaal eingesetzt werden. Vorher werden die Chirurgen während mehrerer Stunden am Gerät üben. Die Einstiegshürde sei für Chirurgen mit Erfahrung in der roboterassistierten Chirurgie jedoch nicht sehr hoch. Breitenstein vergleicht dies mit dem Autofahren. «Wer gelernt hat, sicher Auto zu fahren, kommt auch mit einer neuen Automarke zurecht. Ähnlich verhält es sich auch mit dem neuen Robotersystem.» Allerdings habe die Patientensicherheit oberste Priorität. «Wenn sich jemand mit dem Gerät nicht wohlfühlt, haben wir eine niedrige Schwelle, um eine Operation abzubrechen.» Auf jeden Fall werde man einen Plan B bereithalten, für den Fall, dass etwas nicht planmässig laufe. «Patientensicherheit hat oberste Priorität. Das bedeutet auch, dass wir den Shurui am Anfang noch nicht bei komplexen Fällen verwenden», so Breitenstein.
Sandro Portmann
Shurui: Die Fachwelt ist begeistert vom chinesischen Operationsroboter Shurui. Seine schlangenartigen Arme erleichtern das Operieren unter engen Platzverhältnissen – und die Eingriffe sind dank eines einzelnen Zugriffs minimalinvasiv. Übersetzt bedeutet Shurui ungefähr «Technologie für präzise Chirurgie». In Winterthur wird der neue Roboter bereits sehnlichst erwartet. Am Dienstag, kurz vor Redaktionsschluss ist der Roboter am Kantonsspital angekommen. Noch am Freitag könnte die erste Operation durchgeführt werden.
DaVinci: Das US-amerikanische Robotersystem «DaVinci» dominiert derzeit den Markt. Weltweit wurden im Jahr 2025 über drei Millionen Eingriffe durchgeführt. Im Kantonsspital Winterthur sind zwei «DaVinci»-Roboter im Einsatz, der erste wurde im Jahr 2009 angeschafft, der zweite im März 2026. Genutzt wird die hochpräzise Technologie in den Bereichen Urologie sowie in der Viszeral- und Thoraxchirurgie. Eingriffe mit dem «DaVinci» sind zur Routine geworden. Jährlich führt die Urologie über 250 Eingriffe mit dem «DaVinci»-Roboter durch. Europaweit erstmals hat das KSW einem jungen Patienten mit Prostatakrebs Nerven transplantiert, um die Potenz wiederherzustellen.
Dexter: Das Robotersystem Dexter ist eine Schweizer Innovation. Sein Vorteil ist ein rascher Wechsel zur klassischen Laparoskopie während der Operation. Der Roboter wurde am KSW im Jahr 2023 angeschafft und wird heute wöchentlich bei Hernien- und Gallenblasenoperationen eingesetzt, aber auch bei komplexen Eingriffen am Dickdarm oder an der Leber. Das Winterthurer Kantonsspital verzeichnet mit über 550 Eingriffen die höchste Zahl an Dexter-Operationen. Für Aufsehen sorgte die weltweit erste Leberoperation am KSW.
ION: Der ION-Bronchoskopieroboter ist das bisher jüngste Kind in der Roboterwelt am Kantonsspital. Eingesetzt wird er aber nicht im Operationssaal, sondern in der Prävention. ION wird zur Erkennung von Lungentumoren genutzt. Dank seines in alle Richtungen manövrierbaren Katheters erreicht er auch dort periphere Lungenherde, die mit der klassischen Bronchoskopie nur schwer erreichbar sind. Damit sind frühere Diagnosen möglich, was eine frühzeitigere Behandlung von Karzinomen ermöglicht. Das KSW nutzt den ION gemeinsam mit dem Spital Thurgau. Sie gehören zu den ersten Spitälern in der Schweiz, die diese Form von roboterassistierter Bronchoskopie anbieten.
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