Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
«Wir möchten bewusst etwas anderes bieten als die Grossverteiler», sagt Jacqueline Ullrich.
Das Weingeschäft Traité hat geschlossen, an seiner Stelle hält eine Basler Firma den Fuss in die Tür.
Genuss Weil die Kundschaft ausblieb, schloss das Wein und Spirituosengeschäft Traité an der Stadthausstrasse 93 Ende Januar. Das Unternehmen war hundert Jahre alt. Nun hat sich erneut ein Wein- und Spirituosengeschäft am Standort eingerichtet. Das Basler Firma Ullrich Passion for Liquids will mit einem Pop-up hier Erfahrungen sammeln.
Ullrich Passion for Liquids eröffnet in Winterthur eine Filiale. Warum streckt das Basler Traditionshaus die Fühler nach Winterthur aus?
Jacqueline Ullrich: Winterthur ist eine lebendige Stadt mit einer starken Genuss-, Kultur- und Gastronomieszene. Gleichzeitig hat uns die Situation rund um Traité beschäftigt. Das Unternehmen war über 100 Jahre in Winterthur präsent und mehr als 40 Jahre an diesem Standort. Es wäre schade, wenn eine solche Tradition einfach verschwinden würde. Als Familienunternehmen mit ebenso über 100-jähriger Geschichte verstehen wir die Bedeutung solcher Standorte. Mit unserem Pop-up möchten wir herausfinden, ob unser Konzept und Winterthur langfristig zusammenpassen.
Das Geschäft in den Räumen des ehemaligen Traité ist ein Pop-up. Verlässt Ullrich danach die Eulachstadt wieder oder sucht man bereits nach einem neuen Standort?
Das Pop-up ist für uns ein bewusster Test. Wir möchten die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden kennenlernen und Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig sehen wir das Engagement auch als Chance, die Tradition des Standorts weiterzuführen. Wenn wir spüren, dass unser Angebot in Winterthur Anklang findet, können wir uns gut vorstellen, langfristig in Winterthur präsent zu bleiben. Aktuell gibt es aber noch keinen definitiven Entscheid.
Der Alkoholkonsum ist rückläufig. Warum also noch ein Geschäft mit Alkohol betreiben?
Der Konsum verändert sich tatsächlich. Die Menschen trinken heute oft weniger, dafür bewusster und qualitativ hochwertiger. Genau darin sehen wir unsere Zukunft. Wir verkaufen nicht einfach Alkohol, sondern beraten zu Herkunft, Produzenten, Handwerk und Genuss. Ein guter Wein oder ein hochwertiger Spirit wird heute bewusster ausgewählt als früher.
Junge trinken vermehrt alkoholfreie Weine oder Gin. Bietet Ullrich auch solche Getränke an?
Ja. Das Segment alkoholfrei wächst seit Jahren und wir haben unser Sortiment entsprechend ausgebaut. Heute finden unsere Kundinnen und Kunden alkoholfreie Weine, Schaumweine, Spirituosen-Alternativen und hochwertige Mixer sowie viele Sirups. Für uns gehört das genauso zu einer modernen Genusskultur wie klassische Weine und Spirituosen.
Was ist die Spezialität des Hauses?
Unsere Stärke ist die Kombination aus grosser Auswahl, persönlicher Beratung und langjährigen Beziehungen zu Produzenten. Viele Produzenten kennen wir persönlich und pflegen den direkten Kontakt. Wir möchten bewusst etwas anderes bieten als die Grossverteiler. Bei uns stehen Entdecken, Degustieren und individuelle Beratung im Vordergrund. Wer eine besondere Flasche sucht, ein Geschenk benötigt oder einfach etwas Neues kennenlernen möchte, soll bei uns Inspiration und Fachwissen finden.
Was ist bei der Kundschaft aktuell beliebt?
Unsere Kundinnen und Kunden sind heute deutlich neugieriger geworden. Neben bekannten Klassikern werden immer häufiger neue Regionen, unbekannte Produzenten oder besondere Rebsorten entdeckt. Sehr beliebt sind aktuell Champagner und hochwertige Schaumweine, aber auch charaktervolle Weine aus kleineren Weingütern. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen stark. Viele Kunden kombinieren heute beides: Sie geniessen bewusst ein hochwertiges Glas Wein oder einen besonderen Gin und greifen bei anderen Gelegenheiten zu alkoholfreien Alternativen. Was wir besonders beobachten: Die Menschen kaufen nicht einfach eine Flasche. Sie suchen eine Geschichte, ein Erlebnis oder etwas, dass sie Freunden und Familie zeigen und gemeinsam geniessen können.
Interview: Sandro Portmann
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