Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die Winterthurerin Aline Siegenthaler mit ihrem «Umkreis-Mobil». Bild: Claudia Naef Binz
Aline Siegenthaler aus Winterthur setzt sich mit ihrem Master-Projekt mit den Potenzialen von Quartiervereinen auseinander.
Frischer Wind Vereine kämpfen mit dem wachsenden Wunsch nach Flexibilität. Davon sind Quartiervereine nicht ausgenommen, so lautet die Erkenntnis von Aline Siegenthaler.
Soeben hat sie den Master-Studiengang «Trends & Identity» an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Departement Design, abgeschlossen. «Design ist nicht nur grafisch und physisch zu verstehen, es geht auch um Fragestellungen des gesellschaftlichen Wandels», sagt Siegenthaler beim Gespräch in ihrem Atelier in Winterthur. «Wir betreiben Trendforschung.»
Für ihre Masterarbeit hat sich Siegenthaler mit der Organisationsform von Vereinen beschäftigt. «Vereine haben oft ein veraltetes Image.» Zu wenige Leute bringen sich laut Siegenthaler ein, weil die Organisationen zu wenig flexibel sind. Dies betreffe jedoch vor allem traditionell organisierte Vereine. «Projekt Umkreis» soll dies verbessern und Betroffenen helfen, sich zukunftsorientiert zu entwickeln.
«Der Wert des Quartiers wird in Zukunft wachsen – aus Nachhaltigkeitsgründen wachsen müssen.» Das nahe Umfeld rücke in den Vordergrund, auch wegen vermehrtem Homeoffice. «Was man heute weniger findet, sind Leute, die sich über Jahre engagieren wollen.» Bereits eine Mitgliedschaft zu lösen, bereite einigen Schwierigkeiten. «Wenn man jedoch Aufgaben in kleinere Teilaufgaben aufteilt und Menschen persönlich anspricht, sind viele bereit, sich zu engagieren.» Laut Siegenthaler gibt es sechs Faktoren, die zur Vereinsarbeit motivieren: Hilfe leisten, eine sinnvolle Tätigkeit ausüben, Spass haben, etwas für sich lernen, Gemeinschaft pflegen und sich einbringen / etwas bewegen.
«Projekt Umkreis» unterstützt Quartiervereine dabei, sich als zukunftsfähige soziale Gemeinschaft neu zu etablieren – als ein Ort des Zusammenhalts, der allen offensteht.
In Siegenthalers Atelier steht ein Veloanhänger mit eingebauter Holzkiste. Dieses «Umkreis-Mobil» hat Siegenthaler selbst gebaut und auf einen bestehenden Anhänger montiert. «Ich bin auch Produktdesignerin.» Auf diesem Gebiet arbeite sie nach wie vor. Siegenthaler löst die Spannriemen der Box und entfernt den Holzdeckel. Ein Blick hinein offenbart, dass alle Elemente, von den zusammengeklappten Stellwänden bis zum Klappstuhl, perfekt eingepasst sind, die Farben Dunkelblau und Orange setzen Akzente. «Wir haben eine visuelle Identität geschaffen», bestätigt die Absolventin. Dieser Anhänger dient als Pop-up-Umfragestation im öffentlichen Raum und kam bereits beim Quartierverein Gutschick-Mattenbach zum Einsatz. «Die Vorstandsmitglieder des Quartiervereins waren alle sehr offen für den Prozess», sagt Siegenthaler.
Siegenthaler nimmt aus dem Anhänger einige A3- grosse Plakate mit Kartenausschnitten hervor. «Von wo bis wo geht dein Quartier?», steht auf einem. «Das ist manchmal gar nicht so eindeutig», weiss Siegenthaler. «Wo hältst du dich am liebsten auf?», steht auf einem anderen Plakat.
An zwei Standorten im Stadtkreis Gutschick-Mattenbach konnten sich Passantinnen und Passanten zu ihrem Quartier äussern und orange Punkte auf den Plakaten anbringen. Daraus ergibt sich ein Bild, wie das Quartier genutzt wird. Die Erkenntnis dieses Workshops: Die Kommunikation soll verbessert, das Angebot erweitert werden. «Manchmal geht es um kleine Dinge», sagt Siegenthaler. Es sei wichtig, dass Vorstandsmitglieder voneinander wissen, was genau deren Aufgabe sei – keine Selbstverständlichkeit. «Damit steigt die Chance, dass es für die geleistete Arbeit auch einmal ein Dankeschön gibt.»
Claudia Naef Binz
www.new.design.zhdk.ch/diplom-2024/diplomprojekte/projekt-umkreis
Lade Fotos..