Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Sabina Deutsch als Wirtin Rosmarie Wälchli, hinter ihr Pier Palù. Bild: Sabina Deutsch
Am 10. Dezember starten die Schauspielerin Sabina Deutsch und der Musiker Pier Palù mit einem lustig, ernsten Stück ihre Tournee durch die Schweiz.
Theaterpremiere Le bistro, el bar, the pub, die Kneipe, d’Beiz. In ganz Europa gibt es sie. Sie sind die Angelpunkte des gesellschaftlichen Lebens. In allen Ländern verschwinden sie. «In der Beiz konnte jede und jeder sein, wie sie oder er wollte», sagt Sabina Deutsch. Sie spielt und inszeniert das Stück «Friedau – Lebensgeschichte einer Beiz». Der Titel könnte auch heissen: das Sterben einer Beiz. Im Augenblick, in dem die Handlung des Stücks einsetzt, gibt es die Friedau nämlich nicht mehr. Oder wenigstens nicht mehr so richtig.
Sabina Deutsch sagt, dass es tatsächlich einmal eine Friedau gab. Sie verrät aber nicht, wann und wo. Nur soviel: Jene Beiz wurde am Schluss abgerissen. Deutsch ist in einem Dorf bei Winterthur. Dort verbrachte sie manche Abende im Pöstli, erweiterte dann ihren Beizenradius nach Winterthur, hielt Einkehr in den legendären Beizen und Wirtschaften der Stadt: In der Taverne zum Wilden Mann am Obertor, im Wallfisch, in der Bierhalle Salmen. Das Obertor ist heute keine Gastwirtschaft mehr, Wallfisch und Salmen gehören zu einer Kette von italienischen Speiselokalen. Etwas an diesen Beizen bleibt dennoch unsterblich: Die Lieder aus der Musikbox, Angefangen mit Zarah Leander über Italo-Rock, Jacques Brel, zu Joan Jett and the blackhearts. «Manchmal irrt sich einer auf den Tasten der Box und dann lief ‘Die kleine Kneipe in unserer Strasse’ von Peter Alexander», sagt Deutsch.
Die Beizenlieder hat Deutsch in ihr Stück «Friedau – Lebensgeschichte einer Beiz» aufgenommen. Sie singt, ihr Bühnenpartner Pier Palù spielt Gitarre. Deutsch schlüpft für die Bühnengeschichte in die Rolle der Rosmarie Wälchli, kurz Romy. Sie ist am Ende. Nachdem sie zwanzig Jahre auf der Zürcher Oberländer Beiz «Zur Friedau» gewirtet hat, verliert sie ihr Lokal. Romy steht vor dem Abgrund. Um die Tragweite dieses Verlustes zu begreifen, muss man sich die Figur einer gestandenen Wirtin vor Augen führen. So eine Frau ist durch nichts zu erschüttern, resolut bis bösartig. Doch wenn einer mal sein beklommenes Herz ausschüttens will, hört sie zu, wenn eine mal weint, setzt sie sich zu ihr. Für Stammgäste ist sie wie eine Mutter, und ihre Gäste sind die Familie. Sie lebt ja mehr oder weniger in der Beiz.
So ist es auch kein Wunder, dass ihr zwei Stammgäste, Ueli (Pier Palù) und Charly (Markus Ludstock) beistehen. Romy hat in der «Friedau» immer wieder die spritzigsten witzigsten Geschichten zum Besten gegeben, und manchmal, wenn es hochging, sogar Lieder vorgesungen. Die beiden Freunde raten Romy, dies weiterhin zu tun, einfach ohne Beiz. Romy bockt. Jetzt nochmals von vorne anfangen? Geht doch nicht. – Markus Ludstock bespielt die Bühne mit beweglichen Bildern, die die Beiz wieder aufleben lassen, genau so wie das Mobiliar, das aus der «Friedau» ins Theater am Gleis gerettet wurde. «Das Sterben einer Beiz», wäre darum sicher der falsche Titel.
«Zur einer Beiz gehört einfach die richtige Mischung», sagt Deutsch. In einer Dorfbeiz wie dem Pöstli gab es die Jassrunde, währschaftes Essen für Hungrige; es gab Stammgäste, Sportvereine und Schnorrer; Einsame und die Jungen. «Damals mussten wir nicht mal abmachen. Wir gingen einfach hin. Einmal sass der schon da, einmal die andere. Die Begegnung war immer direkt.» Wer in die Beiz wollte, habe sich mit ganz verschiedenen Menschen abgeben müssen. «Das lehrte uns, grosszügig miteinander umzugehen». Auf dieser Linie liegt die Aussage des Theaterstück über die Friedau: «Leben und leben lassen.»
Weitere Informationen:
«Friedau – Lebensgeschichte einer Beiz»
Theater am Gleis, 10. und 11. Dezember, 20 Uhr
Weitere Vorführungen im Kanton Zürich, Hechtplatz; Flaach, Theater alte Fabriktheater
www.theater-am-gleis.ch
Christian Felix
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