Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Der Sänger Adrian Stern Bild:
Vor dreissig Jahren starb der Sänger der Kultband Queen im Alter von 45 Jahren an Aids. Mit seinem Tod verlor die Musikwelt einen bedeutenden Rockmusiker. Adrian Stern und seine Band interpretieren die Songs von Queen neu.
Andy Stauber: Ich hab letzthin einen Schauspieler getroffen, der in den höchsten Tönen von eurem Mundartprojekt rund um Queen-Sänger Freddie Mercury geschwärmt hat. Queen auf Schweizerdeutsch kann aber auch sehr schnell peinlich werden. Was macht ihr anders, dass die Leute so begeistert sind?
Adrian Stern: Erstens sind wir keine Coverband. Wir versuchen nicht, wie Queen zu klingen. Wir übernehmen zwar alle wichtigen Elemente, wie Harmonien, Melodien und Textelemente, aber wir machen daraus etwas Eigenes. Ich glaube, viele Leute scheitern an solchen Projekten, wenn sie versuchen, wie das Original zu klingen. Aber das ist bei unserer Zusammensetzung gar nicht möglich. Zweitens kennt Roman Riklin, der das Stück erarbeitet hat, Queen und Freddie Mercury in- und auswendig. Und er kommt aus der Theaterwelt. Er schafft es zusammen mit Daniel Schaub, einen grossen Bogen zu spannen, eine Geschichte zu erzählen. Der Zuschauer kann so wie in einem Film abtauchen.
Der Schauspieler hat mir dann
die ersten Takte des Queen-Songs Bicycle Race vorgesungen. Bei euch heisst es: «Rennvelo, Rennvelo». Als ich das hörte, wurde ich schon wieder skeptisch.
(Lacht) Hier kommt das Theaterelement ins Spiel. Der Originaltext des Lieds ist ja unglaublich schräg. Da kommt der US-Präsident vor, Starwars und sogar Jesus. Auf Schweizerdeutsch merkt man dann sehr schnell, wie seltsam dieses Gereime eigentlich ist. Frölein Da Capo hat für die Bühne eine Leinwand gebaut, die sie mit einem Velopedal über zwei Walzen ziehen kann, wir knien davor und halten ausgeschnittene Figuren vor die Leinwand. Das Ganze wird gefilmt und es entsteht so der Eindruck als ob die Figuren Velo fahren. Das sieht sehr überraschend aus. Diese optische Täuschung unterstreicht die Schrägheit des Songs, den kreativen Wahnsinn. Und durch unsere Bastelstube wird aus dem Song dann etwas Neues. Die Besucher sehen also praktisch einen neuen Videoclip zu diesem Song.
Radio Ga Ga war meine
allererste selbstgekaufte Single. Was war Ihr persönlicher Freddie-Moment?
Ich habe Queen erst spät kennengelernt. Ich bin bei der Filmmusik zu «Der Highlander» eingestiegen. Der Song dazu hiess «It’s a kind of magic» und der Videoclip spielte mit optischen Effekten und gezeichneten Figuren. Mich hat vor allem der Humor beeindruckt, mit dem das Ganze gemacht wurde. Ich selbst hörte damals Pink Floyd, Eric Clapton und Bryan Adams – alles ziemlich humorfrei. Queen waren total anders, das hat mich als junger Mensch fasziniert.
Wie akkurat wird Freddie Mercurys Geschichte erzählt?
Wir erzählen seine Lebensgeschichte so genau wie möglich. Unsere Geschichte basiert auf verschiedenen Biografien, die über ihn geschrieben wurden. In einem dieser Bücher wird auch die Theorie aufgestellt, dass Bohemian Rhapsody Freddies Coming-out-Song gewesen sei.
Echt jetzt? Da gehts doch
darum, dass er einen Mann erschossen hat.
Genau. Aber wenn man den Text mit seiner Lebensgeschichte verbindet, wird klar, worum es geht.
Ach, er erschiesst sein
früheres Ich?
Ja, er lebte als junger Schwuler in einer Zeit, als man noch nicht schwul sein durfte. Und entgegen dem Film, der erzählt, dass er sich gegenüber seiner Mutter geoutet hatte, passierte das offenbar im wirklichen Leben nie. Aber im Song spricht er zu seiner Mutter. Er sagt, Mama, ich bin nicht mehr der, der ich einmal war. Und im Laufe des Liedes kommen dann all die Teufel der verschiedenen Religionen, die ihn dafür bestrafen wollen. Bohemian Rhapsody ist ein riesengrosser Coming-out-Song. Natürlich ist das eine Behauptung. Aber für mich macht es Sinn. Früher dachte ich immer, dass er eine Ode an die Oper sei. Aber unter diesem Blickwinkel ist das Lied eine Offenbarung.
Kann ich mit meinem 13-jährigen Sohn das Stück schauen? Ist es
jugendfrei?
Ja, das Stück ist voll jugendfrei. Es gibt ein Lied «Ich spür de Wahnsinn cho», da gibt es ein paar «gfürchige» Bilder. Meine Kinder sind jetzt sieben und neun, und ich glaube meine Tochter hätte bei dieser Szene vielleicht ein bisschen Angst. Aber für einen 13-Jährigen ist das kein Problem. Die schauen ja auch schon Actionfilme. Und das ganze Stück ist lustig und sehr abwechslungsreich. Ich glaube, er würde es gerne sehen.
Und was sind Ihre weiteren Projekte?
Wenn wir das Stück abgespielt haben, bin ich wieder mit meinen eigenen Songs in Clubs unterwegs. Ich hole damit etwas nach: Nämlich mein neues Album endlich auf der Bühne zu spielen. Und später produziere ich dann ein Album für Sina.
Immer alles auf
Schweizerdeutsch?
Ja, das hat schon in der Kantonsschule angefangen. Mit der damaligen Band sangen wir zuerst auf Englisch. Bis der Drummer meinte, es sei Zeit, unsere eigenen Songs zu schreiben. Und er zeigte uns das Album Schlachtplatte von Patent Ochsner. Zuerst fand ich es peinlich auf Schweizerdeutsch zu singen. Aber irgendwie ging es mir dann nie mehr aus dem Kopf, dass man als Schweizer doch auf Schweizerdeutsch singen sollte. Das ist seither mein Weg, der mich auch näher zu meinen eigenen Helden bringt. Denn die haben ja auch immer in ihrer Muttersprache gesungen. Interview: Andy Stauber
Lade Fotos..