Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die Metzggasse gegen Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Metzggasse hat von einem Schlachthaus ihren Namen. Dessen Geschichte verrät viel über die Essgewohnheiten in früheren Zeiten.
Fleisch Die Metzggasse gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Schweiz erlebte in diesem Ringen zwischen den Grossmächten praktisch keine Kampfhandlung. Doch besonders die ärmere Bevölkerung wurde vom Krieg trotzdem getroffen. Die Gasse in der Winterthurer Altstadt zeigt ein trauriges Bild. Kein Fahrzeug ist unterwegs, kaum Fussgänger. Fahrräder stehen herum und ein Bursche mit einem leeren Handwagen, als wäre er ein Sinnbild der schwierigen Versorgungslage. Alle Lebensmittel waren in jenen Jahren rationiert, ganz besonders Fleisch. Die Metzgereien mussten an mehreren Tagen in der Woche geschlossen bleiben. Regelmässig gutes Fleisch konnten sich in Winterthur nur noch jene leisten, die sich für viel Geld auf dem Schwarzmarkt eindecken konnten. Die Metzggasse hatte bessere Zeiten gesehen.
Auswärtige machen oft den Fehler, von der Metzgergasse zu sprechen. Doch stand an dieser für die innerste Stadt ungewöhnlich breiten Quergasse eben die Metzg, sprich ein kleines Schlachthaus. Es befand sich im Bild ganz rechts, an der Ecke Metzggasse / Steinberggasse. Die Metzg bestand aus einem niedrigen Steingebäude und angebauten Viehställen. Es war der einzige Ort in der ganzen Landvogtei Kyburg, an dem geschlachtet werden konnte. Im alten Zürcher Stadtstaat umfasste die Landvogtei den grössten Teil des Nordostens und damit ein Drittel des Zürcher Territoriums.
Fleisch war im Mittelalter dem Adel und teilweise den Kirchenleuten vorbehalten. Der Adel besass das Jagd- und Fischereiprivileg. In den Burgen und Schlössern kamen Wild und frischer Fisch, aber auch Schlachtfleisch reichlich auf den Tisch. Die Bauern wiederum ernährten sich vor allem von Getreide und Hülsenfrüchten. Sie besassen kaum grössere Tiere. Im späten Mittelalter waren jedoch auch die Städte zu Wohlstand und Einfluss gekommen. Das städtische Bürgertum konnte sich Fleisch leisten. All dies erklärt, warum es in der ganzen Landvogtei nur diese einzige Metzg in Winterthur gab. Fleisch war in früheren Zeiten ohne Kühlung leicht verderblich. Dies war ein Grund mehr, die Schlachterei auf einen Ort zu beschränken. In Winterthur durfte das Fleisch auch nicht auf den heruntergeklappten Läden der Metzg ausgelegt werden, wegen der Fliegen.
Die Metzg bestand bis 1833. Ihr Platz wurde später von einem Gebäude eingenommen, das bis heute die Stilelemente des 19. Jahrhunderts zeigt.
Christian Felix
Lade Fotos..