Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Ein Dokumentarfilm beleuchtet die über 200-jährige Geschichte und Archäologie des Klosters Mariazell am Beerenberg, einer mystischen Ruine in Winterthur.
Mittelalter Umsäumt vom Wald des Beerenbergs, westlich von Winterthur-Wülflingen,verrät nur noch ruinöses Mauerwerk, dass hier einst ein stattliches Kloster thronte, welches einigen Mönchen ein Zuhause bot. Das Kloster Mariazell am Beerenberg ist eine der unbekannteren historischen Sehenswürdigkeiten von Winterthur. Der neue Dokumentationsfilm «Das vergessene Kloster Beerenberg – Geschichte und Archäologie» berichtet über den Werdegang des Klosters Mariazell. Der Filmemacher Gregor Bächi beleuchtet in seiner knapp viertelstündigen Doku den Aufstieg und Zerfall der über 200 Jahre bestehenden Klosteranlage.Der Film veranschaulicht das Bauwerk mit Illustrationen und Rekonstruktionen. Originale Urkunden belegen seine Gründung und beweisen, dass das Kloster in die überregionale Geschichte des Mittelalters verflochten war.
Zugang zu historischem Wissen
Ob Ritter, Römer oder Steinzeit: Der 45-jährige Archäologie-Enthusiast aus dem Zürcher Weinland, de rüber zehn Jahre in Winterthur lebte, interessierte sich schon immer für Historisches. Und da es für Bächi viel zu wenige Dokumentarfilme über kleinere historische Stätten gibt, nahm er sich der Klosterruine am Beerenberg an: «Wir haben rund um Winterthur so viele kulturhistorische Schätze,die kaum bekannt sind. Das Interesse daran wäre da, sobald man nur wüsste, dass diese Orte überhaupt existieren.» Deshalb möchte Bächi dieses Wissen für alle zugänglich machen. Youtube eigne sich für dieses Vorhaben besonders gut, weshalb er seinen Kanal «History Travel Nature» auf dieser Plattform frei zur Verfügung stellt. Bächi ging für seinen neusten Film auf Spurensuche ins Archiv der Kantonsarchäologie Zürich und recherchierte zum Kloster Mariazell. In seinem Dokumentarfilm interviewt er den Historiker Peter Niederhäuser.
Eine Reise in die Vergangenheit
Das Kloster Mariazell ist im 14. Jahrhundert aus einer Einsiedelei entstanden. In vier Etappen wurde diese über zwei Jahrhunderte hinweg zu einer Klosteranlage mit mehreren Gebäuden ausgebaut. Darunter einer Kirche mit Kreuzgang und angebautem Konventshaus, mehreren Chorherrenhäusern, einer Badstube sowie einem grossen weiteren Gebäude, welches als Wirtschaftsgebäude und Verwaltungssitz gedeutet wird. Beiden ersten Ausgrabungen in den 1970er-Jahren fand man neben dem Kachelofen, durch welchen die Badstube beheizt werden konnte, Teile einer Heiligenfigur, Fragmente von Keramikgeschirr, eine Buchschliesse aus Bronze, der eiserne Bügel einer Tasche, einige Münzen, eine Tonpfeife sowie zwei Gräber. Um die Mauerreste vor dem Zerfall zu schützen, wurden sie nach den Ausgrabungen wieder mit Erde bedeckt. Im Jahr 2009 kam es zu erneuten Ausgrabungen, um die Mauern zu sanieren. Bei diesen Ausgrabungen wurden unerwartet sieben weitere Gräber entdeckt. Ein Grab, in dem sich das Skelett eines 60-jährigen Mannes befand, fiel dabei besonders ins Auge. Aufgrund des aufwendig verzierten Sarges wird vermutet, dass es sich bei der Person in diesem Grab um den Gründer des Klosters, Heinrich von Linz, handeln muss.
Förderung der Herzöge Österreichs
Die Anfänge des Klosters gehen auf den 9. November 1318 zurück, als Herzog Leopold I. von Österreich dem Laienbruder Stephan Rheinauer aus Winterthur die Erlaubnis gab, eine Einsiedelei am Beerenberg zu errichten. Dieses einfache Gebäude hatte anfangs nur einen Altarraum und einen Wohnbereich. Nach und nach zogen weitere Brüder ein, doch nach Rheinauers Tod wurde die Einsiedelei bald wieder aufgegeben und dem frühen Zerfall überlassen. Aber schon kurze Zeit später füllte neues Leben die kalten Mauern: Im Jahr 1355 erhielt der Franziskaner Heinrich von Linz mit seinen vier Brüdern die Genehmigung, am Ort der ehemaligen Einsiedelei ein Kloster zu errichten. In einer Urkunde von 1364 beschenkt Herzog Rudolf IV. von Habsburg das Kloster mit diversen Ländereien und erteilt zusätzliche Rechte. Zudem stellt er Mariazell unter seinen persönlichen Schutz. Das Kloster wurde durch Schenkungen des regionalen Adels, Ablasshandel und Ankäufe erheblich erweitert und erhielt 1374 den Status einer eigenen Pfarrei.
Zerfall nach Zürcher Reformation
Die Blütezeit von Mariazell dauerte bis ins 15. Jahrhundert an, als vermögende Söhne von Winterthurer Familien ins Kloster eintraten. Doch der Niedergang folgte, da die Mönche die Verwaltung vernachlässigten und Disziplinprobleme entstanden. Die Mönche lebten, wie Überlieferungen besagen, «wie die Maden im Speck». Papst Sixtus IV. löste den Konvent 1482 deshalb auf. «Es hat auch damit zu tun, dass man versucht hat, das Kloster zu reformieren», so Niederhäuserin der Dokumentation: «Diese Unruhen zeigten sich daran, dass einzelne Mönche versucht hatten, das Kloster heimlich mit Wertschätzen zu verlassen und sich ins Ausland abzusetzen.» Doch weit kamen die Mönche nicht – sie wurden allesamt geschnappt und verhaftet. Mit der Zürcher Reformation 1527 wurden die Tore des Klosters ein für alle Mal geschlossen, ein Jahr später wurden seine Besitztümer verstaatlicht. DieGebäude auf dem Beerenberg wurden Hans Steiner, einem reichen Kaufmann aus der Region, verkauft. Nach seinem Tod im Jahr 1543 wurden die Gebäude noch einige Jahrzehnte bewohnt, aber ab 1600 begann der endgültige Zerfall.
Geheimnisvolle Orte ergründen
Das Kloster geriet in Vergessenheit und ist auch heute als Ausflugsziel nur beiden wenigsten bekannt.«Was schade ist», sagt Gregor Bächi, Gründer des Youtube-Kanals «History Travel Nature»,auf dem erschon drei andere historische Dokus realisierte. Der Kanal soll ein Nachschlagewerk für Interessierte werden: «Solche Orte sind doch magisch für Gross und Klein. Vor allem für Kinder bieten Burgen und Ruinen, mystische Höhlen oder andere Steinbauten enorm viel für die Fantasie.Hier können sie alles sein: Forscher, Könige oder auch Äbte, sollten sie das bereits kennen», lacht der passionierte Entdecker und erklärt weiter: «Hier kann man Geheimnisvolles ergründen und seinen Wissensdurst stillen. Die Klosterruine Beerenberg empfiehlt sich daher sehr für einen Familienausflug oder ein Picknick. Sie befindet sich auf einer schönen Waldlichtung mit Bänken, Tischen und einer Feuerstelle, an der man bräteln kann.» Janik Schmid
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