Goldjungs
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Der Film Sew Torn, bei dem Sebastian Klinger die Kamera führte, handelt von einer Näherin, die sich verheddert. Bild: Claudia Naef Binz
Die Thriller-Komödie Sew Torn – Fäden des Verbrechens – kommt ins Kino. Sebastian Klinger, der Kameramann, plaudert aus dem Nähkästchen.
Film Die Schneiderin Barbara Duggen muss sich zwischen drei riskanten Wegen entscheiden: Begeht sie bei einem missglückten Drogen-deal das perfekte Verbrechen, ruft sie die Polizei oder flieht sie? Dabei verheddert sie sich ganz schön.
«Eine Thriller-Komödie im Fargo-Stil, bei dem selbst die Coen-Brüder dem damals 21-jährigen Freddy zu seinem Werk gratulierten. Als Gewinner des Studenten-Oscars ist er der jüngste Regisseur am renommierten American Film Institute und wird als das nächste grosse Talent gefeiert», schreibt der Winterthurer Kameramann Sebastian Klinger.
«Der Film basiert auf einem Film des schweizerisch-amerikanischenDoppelbürgers Freddy Macdonald, den dieser für die Aufnahmeprüfung an eine Filmschule eingereicht hat», sagt Kameramann Klinger beim persönlichen Gespräch. «Das Thema hiess Sinneswandel. Und die Frage, die bald auftauchte, war: Wie würde ich handeln, wenn ich an einen Drogendeal gerate. Würde ich den Koffer mit dem Drogengeld an mich nehmen?» Es habe sich angeboten, die maskuline Welt der Drogenhändler auf die filigrane Welt einer Näherin treffen zu lassen. Ob die Näherin beim Koffer zugriff, soll hier nicht verraten werden. Das Drehbuch schrieb das Vater-Sohn-Gespann Fred und Freddy Macdonald, beide sind Schweizerisch-amerikanische Doppelbürger. Für die Langspielfassung wurde Klinger offiziell als Kameramann angefragt.
«Es sind drei Kurzgeschichten, die jeweils an den Anfangspunkt zurückkehren, aber trotzdem aufeinander aufbauen», sagt Klinger. «Aus Sicht des Kameramanns war es interessant, dies visuell so zu gestalten, dass man der Geschichte folgen kann. Wir haben das Set jeweils in einer anderen Farbe ausgestattet», verrät er. Gedreht wurde im Sarganserland, im Taminatal bei Bad Ragaz, Vättis und Pfäfers. «Wir wollten die beengte Bergwelt zeigen», sagt Klinger. «Damit knüpfen wir an die Figur der Näherin an, die sich ebenfalls beengt fühlt.» Ein Dreh in Winterthur sei nicht infrage gekommen, da dies nicht zur Geschichte gepasst hätte.
Sew Torn wurde am Locarno Film-Festival 2024 gezeigt. «Als Kameramann dabei zu sein war ein mega Highlight. Ich war zum ersten Mal am Filmfestival Locarno und erst noch mit meinem eigenen Film!» Er habe gehofft, dass der Film den 6000 Leuten auch gefallen würde. «Es gab sogar Szenenapplaus», freut sich Klinger. Was ihn hingegen etwas wurmt: «Noch sind wir bei den Winterthurer Kurzfilmtagen nicht reingekommen, aber unsere Filme sind wohl zu sehr auf den kommerziellen Markt ausgerichtet.»
Für die Dreharbeiten zu Sew Torn reisten auch internationale Stars ans Set, zum Beispiel Caroline Goodall, bekannt aus dem Film Schindlers List. «Es war cool, aber ungewohnt», erinnert sich Klinger.
«Diese Stars arbeiten ultraprofessionell, sie wissen, dass es Wartezeiten gibt und reklamieren nicht, sind aber sofort bereit, wenn es sie auf dem Set braucht», so der Kameramann. Allüren hätten diese keine gehabt. «Alle Schauspieler, die aus den USA, Kanada, Irland, Nordirland und Grossbritannien eingeflogen wurden, waren von der Schweizer Bergwelt begeistert.»
Auf die Frage, ob es eine Anekdote vom Dreh zu erzählen gibt, lacht Klinger und erzählt: «Als wir im Dorf Bad Ragaz einen Laden in die Luft sprengten, war das schon ein Happening.» Es sei ein bestehendes Gebäude gewesen, bei dem der Special Effect Supervisor Oliver Keller die Glasfront entfernt und durch eine Zuckerglasscheibe ersetzt hatte. Diese zerbarst, und die Türe und mehrere Trümmer flogen auf die Strasse. «Was wir zuerst nicht wussten: Alle 15 Minuten kommt dort ein Postauto vorbei.» Das Filmteam hatte die Anweisung, dass die Sprengung dazwischen stattfinden musste. «Wir hatten einen einzigen Versuch, und bevor das nächste Posti auftauchte, musste wieder alles weggeräumt sein.»
Klinger, durch eine Plexiglasbox geschützt, war mittendrin mit seiner Handkamera. «Diese Kamera hat den Vorteil, dass sie agil ist und darum beim Dreh ein gutes Tempo vorgelegt werden kann», so Klinger. Um dies körperlich zu stemmen, habe er neun Monate lang im Fitnesscenter Gewichte gestemmt. «Es ist die ideale Kamera, um die emotionale Reise der Näherin zu zeigen.»
Claudia Naef Binz
Sew Torn, Spezialpremiere
11. September, 20 Uhr
Kiwi Center Winterthur
sebklinger.com, kiwikinos.ch
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