Goldjungs
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20 Jahre lang arbeitete Andreas Russenberger bei der Credit Suisse, nun ist er Schriftsteller. Im September ist sein neuster Roman «Paradeplatz» erschienen. Foto: Michael Hotz
Mit «Paradeplatz» erzählt Andreas Russenberger eine moderne Version von Dr. Jekyll und Mr. Hide, die er im Milieu spielen lässt, das er bestens kennt: die Bankenwelt. Diesen Samstag gibt der Ex-Banker in Winterthur eine Signierstunde.
Winterthur Ein Insider gibt einen intimen Einblick in die Welt der Grossbanken. 20 Jahre lang arbeitete Andreas Russenberger bei der Credit Suisse, dann stieg er aus und wurde Schriftsteller. Mit «Paradeplatz», seinem zweiten Buch, erzählt der Erlenbacher die fiktive Geschichte eines ehrgeizigen Bankers auf dem Weg nach oben, wobei dieser auch zu illegalen Mitteln greift. In der Filiale von Buchhaus Lüthy im Einkaufszentrum Neuwiesen gibt Russenberger diesen Samstag um 16 Uhr eine Signierstunde für seinen neusten Roman, mit dem er augenzwinkernd in die Abgründe der Schweizer Bankenwelt führt.
Sie waren früher ein erfolgreicher Banker. Nun ist im September Ihr zweites Buch erschienen. Ist «Paradeplatz» eine Abrechnung mit der Zürcher Bankerwelt?
Andreas Russenberger: Nein, im Gegenteil. Ich durfte mit der globalen Vermögensverwaltung, den für mich interessantesten Bereich leiten, wurde gefördert und konnte die ganze Welt bereisen. Ich habe noch viele Freunde von damals.
Wieso spielt denn das Buch in der Bankenwelt?
Als Autor lässt man seine Geschichte meistens in einem Umfeld spielen, das man gut kennt. Und das ist bei mir das Bankenmilieu. Der Roman würde aber auch in der Pharmaindustrie oder Politikszene funktionieren. Die Bankerwelt eignet sich jedoch sehr gut für diese Geschichte, weil bei einer Grossbank immer viel Druck und Wettbewerb herrscht. Man kann also die Protagonisten der Geschichte immer wieder Konflikten aussetzen. Zudem konnte ich auch die eine oder andere Anekdote einbauen, die ich so selber erlebt hatte.
Die Einstiegsszene, bei der der Protagonist vor einem Vorstellungsgespräch bei einer Grossbank steht, dann einen Blutfleck auf seinem Hemd entdeckt und diesen mit Tipp-Ex überdeckt, haben Sie so erlebt. Warum wählten sie diesen Einstieg?
Eine Karriere beginnt immer mit dem Einstellungsgespräch. Und im ersten Kapitel erzähle ich lustige Begebenheiten, die sich tatsächlich so abgespielt haben. Der Rest des Romans ist dann aber frei erfunden.
Warum wurden Sie Schriftsteller?
Ich suche immer nach neuen Herausforderungen. So habe ich nach meinem Studium der Geschichte ganz bewusst in einen globalen Finanzkonzern gewechselt. Das internationale und kompetitive Umfeld hat mich gereizt. Nach 20 tollen Jahren wollte ich dann wieder etwas Neues lernen und aus der Komfortzone ausbrechen. Ich habe mich schon immer für Literatur interessiert und als ich zufällig einen Zeitungsbericht las, in dem ein Autor über seinen Beststeller schrieb, dachte ich: Das will ich auch versuchen! Das Schreiben hat mich dann total gepackt.
Ihr neues Leben als Schriftsteller gingen Sie etwas blauäugig an, wie Sie an anderer Stelle erwähnten. Was waren bis jetzt Ihre wichtigsten Erkenntnisse, die Sie als Autor gewonnen haben?
Dass man sich genau dieses Blauäugige bewahren soll. Es gibt mittlerweile viele Schreibprogramme, Ratgeber, Autorenhandbücher. Wer alles zu Tode analysiert, fängt nie mit dem Schreiben an und verliert sich in den Details. Es braucht also einen Zwischenweg. Am besten fängt man einfach mal mutig an. Wenn ich mit dem Schreiben loslege, beginnen die Hauptpersonen von alleine ihren Charakter zu entwickeln. Ein Kapitel ergibt das nächste. So findet man seinen eigenen Schreibstil. Es lohnt sich aber, parallel dazu Autorenhandbücher und natürlich viel Literatur zu lesen. Grundsätzlich ist es am angenehmsten, wenn man den Anfang und den Schluss seiner Geschichte kennt. Beim ersten Buch, «Die Kanzlerin», schrieb ich einfach drauflos. Zum Glück fand ich den Rank, denn gewisse Autoren verlieren sich in ihrer Geschichte.
Und wie gingen Sie beim Schreiben von «Paradeplatz» vor?
Ich hatte die Geschichte rund drei Jahre lang im Kopf. Ich schrieb sie dann in zwei Wochen nieder, völlig im Flow. Natürlich nicht in der jetzt erschienenen Form. Aber 150 Seiten hatte ich zusammen, die Struktur stimmte. Dann legte ich das Grundgerüst ein halbes Jahr auf die Seite und erweiterte es danach auf schlussendlich 250 Seiten.
Wie kamen Sie auf die Geschichte der Hauptfigur Philipp Humbold?
Die Geschichte, die ich erzählen will, ist eine moderne Version von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Philipp Humbold ist eigentlich ein netter Kerl, macht aber üble Dinge. Mich fasziniert der innere Kampf zwischen Gut und Böse. Weshalb, kann ich Ihnen nicht sagen. Vielleicht liegt es daran, dass mein Vater Pfarrer war. Ich mag Geschichten, bei denen die negative Seite nicht primitiv abgehandelt wird, sondern ein Bösewicht auf Augenhöhe existiert, der durchaus auch sympathisch ist. Ich stosse mich daran, wenn gute Dinge auf unsere positiven menschlichen Eigenschaften bezogen, schlechte Sachen aber als unmenschlich oder teuflisch abgetan werden. Wir belügen uns so immer selber, die dunkle Seite der Menschen existiert nun mal. Man muss sich einfach kontrollieren können. Solche philosophischen Gedanken habe ich auf eine gut verdauliche und nicht lehrerhafte Art ins Buch eingebaut.
Und doch kann man das Buch auch als Studie des Bankenmilieus lesen.
Genau. Meine ehemaligen Mitarbeitenden und Arbeitskollegen haben sich köstlich über mein Buch amüsiert. Ich muss zugeben: Ich hatte etwas Angst, dass es falsch rüberkommt. Das war zum Glück nicht der Fall. Das Buch unter einem Pseudonym zu veröffentlichen, war für mich nie eine Option. Kritik ist dann aber persönlicher, weil es einen selbst betrifft. Ich akzeptiere jedes Feedback, bin aber natürlich immer froh, wenn eine positive Rückmeldung kommt. Das macht richtig Freude. Ich hätte nie mit dem tollen Erfolg des Buches gerechnet!
Interview: Michael Hotz
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