Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Daniel Anderes will als neuer Verwaltungsratspräsident des Technoparks die Strategie seines Vorgängers Hans-Walter Schläpfer festhalten. Foto: Susan Brunner
Daniel Anderes ist neuer Verwaltungsratspräsident des Technoparks. Aus seiner Sicht müssen Erfolgsgeschichten klarer nach aussen getragen werden. Winterthur soll noch visionärer denken und agieren.
Winterthur Ihr Amtsantritt erfolgte aufgrund von Corona in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Sind Sie nun bereits ab Start als Verwaltungsratspräsident des Technoparks stark gefordert?
Daniel Anderes: Corona stellt für uns alle, die Wirtschaft und die Gesellschaft, immer noch eine grosse Herausforderung dar. So auch für den Technopark Winterthur. Geschäftsleiter Thomas Schumann und sein Team haben aber schon vor meinem Amtsantritt auf die Situation reagiert und die individuelle Situation mit jedem Start-up-Unternehmen bilateral erörtert. Dabei bieten wir nicht nur unseren bestehenden Mietern die maximal mögliche Unterstützung, sondern wir erleichtern auch neuen Mietern den Einzug, indem wir ihnen während zwei Monaten den Mietzins erlassen. Aktuelle wie künftige Herausforderungen stellen aber auch einen Anreiz für dieses Mandat dar.
Die von Ihrem Vorgänger Hans-Walter Schläpfer vorangetriebene Strategie, ein anregendes Umfeld für innovative Köpfe zu schaffen, werde fortgesetzt, heisst es. An welchen Stellschrauben wollen Sie dennoch drehen?
Der Technopark ist eine Erfolgsgeschichte. An der Strategie halten wir also fest. Die klare Fokussierung auf die drei Cluster – Smart Energy, Smart Health und Smart Machines – ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Dabei arbeiten wir eng mit der Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur sowie dem House of Winterthur zusammen. Grundsätzlich gilt: Tue Gutes und sprich darüber. In der Kommunikation wollen wir künftig noch klarer auftreten und unsere Angebote und den Kundennutzen gezielter hervorheben.
Welche Erfahrungen, die Sie in Ihren acht Jahren als CEO beim Lilienberg Unternehmerforum gemacht haben, wollen Sie beim Technopark einbringen?
Auf Lilienberg bringen wir Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen. Im Technopark innovative Köpfe auf dem Weg ins Unternehmertum. Parallelen gibt es aber auch im Bereich der Angebotspaletten, sprich bei der Vermietung von Räumen sowie bei der Infrastruktur und den Veranstaltungen. Nicht zuletzt kann ich auf meine Erfahrungen bei Umbauten und Renovationen zurückgreifen. Und mit dem Potenzial der Umnutzung unseres Erdgeschosses steigern wir die Attraktivität des Technoparks weiter – garantiert!
Das Erdgeschoss wird zu einem Treffpunkt und Veranstaltungsort ausgebaut. Soll der Technopark auch zu einer Art Lilienberg 2.0 für Start-ups und KMU werden?
Der Gedanke gefällt mir. Der Technopark wird aber seine eigene Geschichte weiter schreiben. Dank dem Umbauprojekt bieten sich weitere Möglichkeiten, die die Attraktivität des Technoparks und letztlich auch des Wirtschaftsstandorts Winterthur massiv stärken. Es wird ein lebendiger Treffpunkt für eine innovative und inspirierende Community. Davon bin ich fest überzeugt.
Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Winterthurer Start-up-Szene?
Die Stadt Winterthur ist ein Ort mit unternehmerischer Geschichte. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden in und um Winterthur namhafte Industrie-, Finanz- und Versicherungsunternehmen gegründet. Unternehmerpersönlichkeiten und das Unternehmertum haben die Stadt geprägt. Auch heute gibt es solche Erfolgsgeschichten. Diese müssen wir, mit etwas weniger Winterthurer Bescheidenheit, aber konsequent in die Welt hinaustragen.
Immer wieder wird das grosse Potenzial Winterthurs betont, zu einem Zentrum für Start-ups zu werden. Weshalb hinkt die Stadt dennoch beispielsweise hinter Zürich und dem Glattal hinterher?
Fakt ist, für Gründungswillige und Start-ups ist es nicht die Anzahl Tempo-30-Zonen oder die exorbitante Zahl an Lichtsignalanlagen, die einen Standortentscheid positiv beeinflussen, sondern eine stimmige, attraktive Unterstützungs- und Dienstleistungspalette, eine verkehrstechnisch gute Anbindung, die Nähe zu Wissenschaft und Forschung und die Nachbarschaft zu innovativen Firmen. Diese Voraussetzungen sind in Winterthur gegeben. Nun gilt es, attraktive Rahmenbedingungen auf allen Stufen unbedingt zu erhalten und diese konsequent weiter zu verbessern.
Der Technopark ist seit Jahren ausgelastet. Wie wollen Sie das Platzproblem für neue Start-ups lösen?
Stimmt, die Auslastung ist sehr gut. Aktuell bietet sich gerade aber wieder eine Gelegenheit, sich für Fläche zu bewerben. Grundsätzlich bin ich der Meinung: Qualität kommt vor Quantität. Oder anders gesagt: Wir sind an den Besten interessiert.
Wie sieht Ihre Vision einer innovativen Stadt Winterthur aus?
In Winterthur muss wieder visionärer gedacht und unternehmerisch gehandelt werden. Leuchttürme wie der Technopark oder die ZHAW sind dafür besonders wichtig. Der Erhalt beziehungsweise die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze, aber auch die Erhöhung des Steuersubstrats sind doch Schlagzeilen in den Medien wert. Und nicht Pläne, die Zufahrt für Thurgauer Pendler ins Stadtzentrum mit einem Tropfenzählersystem zu steuern und zu stauen.
Interview: Michael Hotz
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