Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Das Gebäude der Hypothekarbank Winterthur
Eine Winterthurer Bank stieg aus dem Elend der 1810er-Jahre auf und zeigte ihrenErfolg im Stadtbild. Ihr Hauptsitz ist bis heute gut erhalten.
Finanzwirtschaft Eine jahrtausendealte Kulturgeschichte hindurch lebten die Menschen als Bauern. Die handwerkliche Produktion beschäftigte nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Doch plötzlich, scheinbar wie von Geisterhand, begannen Industrieschlote zu rauchen, Eisenbahnen dampften über Land, Maschinen stellten Güter immer schneller und billiger her. Eine rasante Entwicklung setzte ein und geht bis heute weiter. Die Industrialisierung begann etwa um 1780 in England und zugleich in der Schweiz. Auch Winterthur wurde sehr früh vom industriellen Aufbruch erfasst.
Niemand kann endgültig erklären, warum es in Europa zur Industrialisierung kam. Einer der Gründe jedenfalls war die Möglichkeit, grosse Kapitalien in der Hand von Privaten zu bündeln, die damit Fabriken und Eisenbahnen finanzierten. Dazu brauchte es Banken.
Das zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts verlief katastrophal. Mit dem Ende der Herrschaft Napoleons brach die eh schon vom Krieg gebeutelte Wirtschaft auf dem europäischen Kontinent zusammen. Ein Vulkanausbruch in Indonesien sorgte dafür, dass es im Jahr 1815 keinen Sommer gab. In der Ostschweiz verhungerten die Menschen auf den Wiesen, beim Versuch, Gras zu essen. 1812 wurde die «Winterthurer Hülfsgesellschaft» gegründet, um die Not zu lindern. Sechs Jahre später nahm die Gesellschaft auch Spargeld von kleinen Leuten entgegen. Diese gemeinnützige Tätigkeit hatte mehr Erfolg als gewünscht. Man war gezwungen, das Geld auszuleihen und gründete die Leihkasse Winterthur. Diese vergab Kredite an Kleinbetriebe, Handwerker und Bauern und machte im Lokalbereich dasselbe wie die grossen Banken weltweit. Zwar wollte die Spar- und Leihkasse keine richtige Bank sein. Vom Erfolg gedrängt, gründete sie jedoch 1865 die «Hypothekarbank in Winterthur», fünf Jahre bevor die Zürcher Kantonalbank entstand.
Die Hypothekarbank baute sich einen prächtigen Sitz am Untertor. 1970 wurde er abgerissen. Bereits 1969 zog die Bank in einen Neubau an der Stadthausstrasse. Dieser zeigt statt des Prunks aus dem 19. Jahrhundert Eleganz, Einfachheit und optimistische Leichtigkeit. Zwanzig Jahre später wurde die Winterthurer Bank von der Winterthur Versicherung geschluckt, diese von der Axa, diese wiederum ... Die Geschichte geht weiter.
Christian Felix
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