Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Dieser Tage habe ich eine absurde Geschichte am Radio gehört. Sie handelt von einem Blogger aus Winterthur. Er hat eingestandenermassen einen fiktiven Artikel geschrieben, der dramatische, erfundene Folgen von Covid-19 schildert, und den Link auf Telegram gestellt. Seine Fake-News seien dann in einer Gruppe von Corona-Leugnern offenbar über Hundert Tausend Mal geteilt worden, brüstete er sich im Radiobeitrag. Damit sah er den Beweis dafür erbracht, dass solche Leute unkritisch jeden Mist glauben würden, den man ihnen serviere, wenn er denn nur in ihr Weltbild passe. Sein Artikel sei so übertrieben gewesen, dass man das hätte merken müssen, liess er sich weiter zitieren.
Na toll. Genau solche Desinformation braucht die Gesellschaft jetzt, dachte ich. Sie werden verstehen, dass ich mich davor hüte, den Inhalt dieser Narretei wiederzugeben, hinter der im Endeffekt ja auch nur die Sucht nach Clicks steht. Ich finde: Menschen ohne Not in Angst und Schrecken zu versetzen, ist fahrlässig. Die Gesellschaft noch weiter zu spalten auch. Und es ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die entweder einen schweren Covid-19-Verlauf hatten oder gewissenhaft um gesicherte Erkenntnis über die Pandemie ringen.
Nicht lustig, schlechte Idee, Daumen runter, lautet mein Fazit.Stattdessen plädiere ich für Respekt, für Toleranz und Sorgfalt im Umgang miteinander. Und ja, für einen Dialog, bei dem auch die Meinung von Andersdenkenden zählt, mag sie der eigenen noch so zuwiderlaufen. Das Virus soll nicht auch noch unsere Gespräche infizieren.
Dagmar Appelt
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