Goldjungs
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Sarah Fitzgerald Hobel verfasste einen Roman, der in Zermatt spielt. Foto: Michael Hotz
2010 begann Sarah Fitzgerald Hobel, ein Buch zu schreiben. Im letzten Sommer brachte die gebürtige Amerikanerin aus Hettlingen «wish upon» raus. Ausschlaggebend, den Roman fertigzustellen, war, dass ihr Vater ins Spital musste.
Hettlingen/Seuzach Jeden Tag mindestens einen Satz schreiben. Mit dieser Attitüde arbeitete Sarah Fitzgerald Hobel beständig an ihrem ersten eigenen Buch. Vergangenes Jahr erreichte die gebürtige Amerikanerin, die mit ihrem Ehemann und den drei Kindern in Hettlingen lebt, ihr Ziel. Sie brachte im letzten Juli den Roman «wish upon» raus. Ganze zehn Jahre hat sie für das gut 260-seitige Werk gebraucht, und ohne ihren Vater wäre das Buch vielleicht gar nie fertig geworden.
Er war es, der Fitzgerald Hobel anregte, ein Buch zu schreiben. «Er fragte ständig, ob es schon fertig sei», erzählt die 50-Jährige. 2020 musste ihr Vater wieder einmal ins Spital, Verdacht auf Corona. Es stellte sich als Lungenentzündung heraus, seine fünfte bereits. Er überlebte. Also beeilte sich die Hettlingerin mit ihrem Buch, damit ihr 80-jähriger Vater, der auch eine Krebserkrankung durchgestanden hatte, das Endprodukt noch in seinen Händen halten könnte. Es klappte. «Er ist Ire. Er hat viel Glück in seinem Leben», sagt sie und lacht.
«Wish upon» ist ein mehrgleisiger Roman, in dem die Erzählstränge verschiedener Charaktere zusammenkommen. Da ist der Vietnam-Veteran Reginald, der zu seiner letzten Reise aufbricht. Oder die alleinerziehende Amanda, die die Beziehung zu ihrem delinquenten Sohn Zachary retten will, und die rüstige Frau Lucia, die in einer abgelegenen Hütte ausserhalb von Zermatt mit ihrem Hund Sparky lebt. Das Dorf in den Walliser Bergen ist dann auch der Ort, wo alle Protagonisten aufeinander treffen.
Die Wahl von Zermatt als Ort des Geschehens gibt beispielhaft wieder, wie Fitzgerald Hobel im Entstehungsprozess ihres Buches vorgegangen ist: «Wir waren als Familie mal dort in den Ferien. Das Dorf und die Umgebung mit dem Matterhorn sind einfach wunderschön.» Sie habe sich davon inspirieren lassen, kleine Gegebenheiten vor Ort aufgesogen und diese dann zu Papier gebracht. Die «kleinen Filmteile aus der Realität», wie sie es nennt, verarbeitete sie auf den täglichen Spaziergängen mit dem Familienhund, liess dabei ihrer Phantasie freien Lauf und kreierte so neue Roman-Abschnitte oder fügte Geschichtsteile zusammen. «Ich hatte viele einzelne Notizen. Nach etwa fünf Jahren begann ich dann, diese miteinander zu verbinden», erklärt sie. So fügten sich die einzelnen Puzzleteile langsam zu einem Gesamtbild zusammen.
Über die Zeit entwickelten sich die Protagonisten für die Autorin zu richtigen Persönlichkeiten. «Die Charaktere sprachen zu mir. Sie gaben vor, wie die Geschichte weitergeht», so Fitzgerald Hobel. Eine lebhafte Phantasie habe sie schon als Mädchen gehabt. «Ich konnte nie verstehen, wenn ein Kind sagte, ihm sei langweilig.» Sie habe in ihrer Kindheit immer viele Ideen gehabt. Und wenn sie sich nicht gerade ein neues Spiel ausdachte, war sie in der Bibliothek von Syracuse im US-Bundesstaat New York, wo Fitzgerald Hobel aufgewachsen ist, anzutreffen. «Beim Lesen kann ich in eine andere Welt abtauchen.» Dies wolle sie mit ihrem Roman auch anderen Menschen ermöglichen. Gerade jetzt, während der Corona-Krise, sei es wichtig, mal aus der Alltagsroutine auszubrechen.
Das tut Fitzgerald Hobel, indem sie schreibt. Darum plant sie schon ein zweites Buch. Entweder soll es ein Krimi, der im Wald spielt, werden oder ein Buch über Fussball. Neben ihren Jobs als Mittagstischleiterin an der Seuzemer Primarschule Birch und als Englisch-Lehrerin ist sie seit 15 Jahren nämlich Jugendtrainerin beim FC Seuzach. Vielleicht greift sie auch auf eines der bestehenden Buchprojekte zurück. Zwei liegen bei ihr zuhause in der Schublade.
Michael Hotz
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