Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die Winterthurerin Anja Graf ist als Investorin in der aktuellen Staffel der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» zu sehen. Foto: CH Media
Anja Graf (43) gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Unternehmerinnen. Vor 20 Jahren hat die Winterthurerin mit möblierten Wohnungen ein neues Business erfunden. Seit letzter Woche ist sie zum zweiten Mal in der Sendung «Die Höhle der Löwen» zu sehen. Ein Gespräch über Pferdeboxen, Durchhaltewille und Jungunternehmer auf dem Weg zum Erfolg.
Frau Graf, wann haben Sie realisiert, die geborene Unternehmerin zu sein?
Anja Graf: Schon als Kind. Ich bin geritten, hatte mein eigenes Pferd und einen Stall mit leeren Boxen. Diese habe ich vermietet. Das war mein erstes Business.
Dann haben sie Pferde gegen Models eingetauscht.
Das kann man so sagen. Ich habe mit drei anderen Partnern eine Modelagentur geführt, Models vermittelt und Modeschauen organisiert. Das war mein erstes ernstzunehmendes Unternehmen. Für Models aus dem Ausland brauchten wir Übernachtungsmöglichkeiten. Hotels und Jugendherbergen waren allerdings zu teuer, so habe ich einzelne Zimmer gemietet und selbst renoviert.
So ist Ihr heutiges Unternehmen, Visionapartments, geboren?
Genau. In Zürich gab es damals nur wenige solche Angebote. Die Anfragen für meine Zimmer haben sich gehäuft, auch Geschäftsleute der ABB wollten sie mieten. Das war ich von meiner Idee überzeugt, mietete und vermietete weitere Zimmer, bis ich nach zwei Jahren, im Jahr 1999, das erste Haus kaufen konnte.
Dafür haben Sie sogar die Schule abgebrochen. Ganz schön mutig…
Ich war auf einmal in einem Clinch: Entweder werde ich Unternehmerin und breche die Schule ab, oder ich lege meine Business-Idee auf Eis und beende das Gymnasium. Eines Morgens habe ich einen Entscheid gefällt: Ich stand auf, lief zur Schule, schüttelte dem Rektor die Hand und sagte Tschüss. Das wars mit meiner Schulkarriere. Diese Entscheidung gab mir den nötigen Drive, die nötige Verbissenheit, um diese Selbstständigkeit zum Erfolg zu führen.
Innert kürzester Zeit entwickelte sich Ihr Start-up zum Schweizer Marktführer mit globaler Präsenz. Heute bietet Visionapartments temporäre Wohnlösungen an über 850 Business-Standorten weltweit an. Was kommt als nächstes?
Wir sind gerade dabei, etwas umzustrukturieren. Zusammenfassend haben wir die Immobilien vom Management und Operation getrennt und die Vision Business Services ins Leben gerufen. In dieser zweiten Holding-Struktur sammeln wir all unsere IT-Projekte – das eigene Betriebssystem, den neuen Generalmanager sowie eine neue Plattform, auf der wir mit anderen Firmen in unserer Grössenordnung zusammenarbeiten.
Zurzeit sind sie als Investorin in der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» auf TV24 zu sehen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Es war sehr spannend. Ich konnte gewissen Start-ups Inputs geben – und bekam gleichzeitig Inputs zurück. In der Sendung herrscht ein sehr frischer Wind, der zu neuen Gedankengängen führt. Wenn man ein erfolgreiches Unternehmen führt, ist es enorm wichtig, nicht stehen zu bleiben, sondern an neue Ideen zu gelangen. Ausserdem ist es schön zu sehen, wie euphorisch die Gründer sind. Das erinnert mich an meine Anfänge.
Hätte es die Show vor 20 Jahren schon gegeben – hätten Sie Ihre Business-Idee präsentiert?
Ja, auf jeden Fall. Es bekommen zwar nicht alle Jungunternehmer ein Investment, aber nur schon der Werbeauftritt ist Goldwert.
Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie eine Löwin wurden?
Das ist eine lustige Geschichte. Es gab früher eine ähnliche Sendung. Schon damals dachte ich, dass ich gerne dabei wäre. Als Bettina Hein angefragt wurde, wollte sie nicht die einzige Frau in der Jury sein und hat mich vorgeschlagen. Also habe ich die Produzenten getroffen und wir haben uns, glaube ich zumindest, gegenseitig sehr sympathisch gefunden.
Sonst wären Sie wohl kaum zum zweiten Mal dabei. Auf was können sich die Zuschauer in der zweiten Staffel freuen?
Viel verraten darf ich nicht. Aber: Nach der ersten Staffel haben uns die Deutschen «Streichellöwen» genannt. Deshalb geht es jetzt schon ein bisschen mehr ab bei uns. Ausserdem bringt DJ Antoine, der neu dabei ist, mit seinen Sprüchen einen zusätzlichen Unterhaltungsfaktor.
Wie kann man Sie überzeugen?
Ich habe ein klares Bild, wo ich investieren möchte und wo nicht: Eine Idee muss international skalierbar sein.
Das müssen Sie erklären.
Bei einem Gastrounternehmen zum Beispiel kann ich nicht abschätzen, ob das zweite Restaurant genauso gut läuft, wie das erste, wenn ich Geld investiere. Wenn sich eine Firma hierzulande aber bereits in einem Markt etabliert hat, kann ich davon ausgehen, dass die Idee auf ein anderes Land übertragbar ist.
Und weiter?
Das Gründerteam muss mich überzeugen. Wer nicht Tag und Nacht dahintersteht, seine Idee zum Erfolg zu führen, wird nicht fliegen.
Welchen Ratschlag geben Sie Jungunternehmern mit auf den Weg?
Nicht aufzugeben. Ich ging damals zu zehn Banken, um eine Hypothek für ein Haus zu bekommen. Hätte ich bei der fünften aufgehört, würden wir dieses Interview heute wahrscheinlich nicht führen. Wenn einem Steine in den Weg gelegt werden, muss man das Problem analysieren und seinen Kurs allenfalls ein bisschen abändern. Der Unterschied zwischen einem Erfolgreichen und einem Nicht-Erfolgreichen ist, dass es der Erfolgreiche einfach einmal mehr probiert hat.
Von Ramona Kobe
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