Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Dank ParkourONE haben zwei Redaktoren der Winterthurer Zeitung die elegante Fortbewegungsart Parkour erleben dürfen. Die Sportart kommt jetzt als Einführungskurs nach Winterthur.
Winterthur Luc Biege macht seit zehn Jahren Parkour und überwindet Hindernisse in der ganzen Schweiz. Zudem ist er Headcoach bei ParkourONE und unterrichtet in vielen Grossstädten Gruppenkurse. Ab dem 3. Mai können Interessierte an einem Basiskurs bei ParkourONE in Winterthur teilnehmen. Vorab haben die Redaktoren der Winterthurer Zeitung die Sport- und Fortbewegungsart ausprobieren können.
Treffpunkt für Parkour-Liebhaber in Winterthur ist das Schulhaus St. Georgen nahe beim Roten Turm. Gleichzeitig gibt es aber laut Biege eigentlich keinen perfekten Ort für Parkour, denn «die ganze Welt ist ein Spielplatz.» Auch wenn so eine Aussage etwas freigeistlich daher kommt, ist der Unterricht von Biege und seinem Team sehr strukturiert. Zuerst erzählt der Headcoach einige Eckdaten über Parkour als Sportart und über deren Geschichte. Nach der kurzen Information folgt ein Aufwärmen, ein Fokusteil, anschliessend wird an der Technik gefeilt und zum Schluss kann man sich im Krafttraining auspowern.
Den Ursprung hat Parkour in Paris, Frankreich. Sowohl im Stadtzentrum als auch in den Vororten - den Banlieues - hat man sich Parkour als Fortbewegungsart angenommen. Es geht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Dazu wird anstatt den Gehwegen der Luftlinie gefolgt und gleichzeitig Hindernisse wie Mauern oder Treppen möglichst schnell überwunden. Ziel dabei ist natürlich die Eleganz, aber auch den Kraftaufwand zu minimieren.
«Versucht mal ohne Vorwissen den Pingpong-Tisch zu überqueren», sagt Coach Luc Biege zu den Redaktoren Michael Hotz und Gaël Riesen. Der erste Einfall ist, einfach auf den Tisch zu springen und drüber zu laufen. So erhöhe man aber den Schwerpunkt und brauche sehr viel Kraft, erklärt Biege. Er lehrt, zuerst fasse man mit der Hand auf den Tisch, dann komme ein Fuss parallel daneben, gefolgt von einem diagonalen Schritt und zum Schluss greife man mit der anderen Hand in die letzte Ecke. Das Ganze sieht bei den Redaktoren der Winterthurer Zeitung nicht mal halb so elegant aus wie bei Coach Biege.
Auch auf der Rücklehne einer Holzbank wird noch einbeinig balanciert. «Egal, ob man auf einer Parkbank oder auf einem Vorsprung in schwindelerregender Höhe entlangläuft, das Balancieren bleibt das gleiche», erklärt Luc Biege. Um bei solchen Stunts sich nicht zu verletzen, sei Konzentration essenziell. Deshalb wird Fokus bei Parkour grossgeschrieben. Sorgen aus dem Alltag muss man hinter sich lassen können. Dafür lernt man laut Biege dabei sogar für den Alltag: «Nebst dem körperlichen Training gibt Parkour auch eine mentale Stärke. Dank Parkour kann ich zum Beispiel Stresssituationen im täglichen Leben besser bewältigen.»
Ganz im Allgemeinen wirkt Luc Biege sehr selbstreflektiert. Er arbeitet vollzeitig bei ParkourONE als Headcoach und im administrativen Bereich. Ihm ist bewusst, dass junge Menschen, die - salopp formuliert - über Bänke und Mauern klettern, nicht zwingend einen seriösen Eindruck hinterlassen. Deshalb suche er stets den Kontakt zu Passanten, die seine Klassen von Aussen verfolgen, und erkläre ihnen Parkour. Genauso seien er und sein Team im Kontakt mit den Schulen in allen Städten, auf deren Vorplätzen Kurse organisiert werden. Nicht nur das Gesamtbild des Sports sondern auch Sauberkeit sei ihm wichtig: «Meistens putzen wir alles so gründlich, dass wir die Kursorte sauberer hinterlassen, als wir sie aufgefunden haben.»
Von Gaël Riesen
Lade Fotos..