Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
FCW-Offensiv-Spieler Francisco Rodriguez brillierte auch gegen den FC Zürich.
Es gibt Fussballer, über die man ganze Bücher schreiben könnte. Im Fall von FCW-Spieler Francisco Rodriguez ist das
Fussball Vor drei Monaten war Franciso Rodriguez noch ein Gegner. Mit dem FC Schaffhausen, einem langjährigen und nicht sonderlich geliebten Konkurrenten, strebte er den Aufstieg in die Super League an – für den 26-Jährigen persönlich bekanntes Terrain, kickte er doch bereits für den FCZ, Luzern und Lugano in der höchsten Liga. Bekanntlich wurde daraus nichts, der FC Winterthur schaffte den direkten Aufstieg, während Schaffhausen in den Barrage-Duellen dem FC Luzern unterlag. Für Rodriguez kam es trotzdem zum Happy-End. Er musste zwar erst einmal abschalten und in die Ferien, aber als sich FCW-Trainer Bruno Berner telefonisch bei ihm meldete, brauchte er nicht lange zu überlegen. «Ich hatte einen auslaufenden Vertrag und wollte zurück in die Super League – es ging alles schnell», blickt er zurück. Schnell ist der offensive Mittelfeldspieler auch auf dem Platz. Und schnell hatte er in Jugendjahren als grosses Talent gegolten. Obwohl sein drei Jahre älterer Bruder Ricardo, seines Zeichens Nationalspieler, die grösseren Schlagzeilen lieferte, kann sich auch Francisco Rodriguez’ Karriere sehen lassen. Als knapp 20-Jähriger wechselte er vom FCZ zum VfL Wolfsburg, schaffte den Sprung in die Bundesliga (ein Einsatz) nicht ganz, kehrte via Bielefeld in die Schweiz zurück und heuerte beim FC Luzern an.
Nach seinem Wechsel aus der Zentralschweiz zu Lugano sorgte der überall für seine Technik gelobte Fussballer für Schlagzeilen der anderen Art. Aus heiterem Himmel wurde er – als fitter, junger Fussballer – im Herbst 2019 von Depressionen heimgesucht. Nichts ging mehr. Nach einem Klinikaufenthalt brauchte er Monate, um sich dank professioneller Hilfe und der Familie ganz davon zu erholen. Im Tessiner Fernsehen sprach er offen über diese Zeit. «Mir war es wichtig, meine Erfahrungen weiterzugeben – und zu zeigen, wie auch junge, starke Menschen betroffen sein können», sagt er. Seit dem Wechsel zum FC Schaffhausen ist diese Phase für ihn abgeschlossen, nur noch ein böser Traum. Die vielen positiven Rückmeldungen bestärken ihn darin, dass es richtig war, mit dem Thema offen umzugehen.
Während er in Wolfsburg nur in der Vorbereitung gemeinsam mit seinem Bruder Ricardo auf dem Platz stand, traf er in Schaffhausen auf den noch etwas älteren Bruder Roberto. Roberto, Ricardo und Francisco Rodriguez – Drei Brüder, eine Familie. Unter diesem Titel verfasste der Sportjournalist Thomas Renggli ein Buch «mit Geschichten zwischen rauem Vorstadtcharme und Scheinwerferlicht». Francisco wuchs mit seinen Brüdern und den aus Chile (Mutter) und Spanien (Vater) stammenden Eltern in Schwamendingen auf. «Ich habe alle drei Pässe – müsste aber erst nachsehen, welche noch gültig sind», sagt er, auf seine Wurzeln angesprochen.
Die erste Station nach dem heimischen FC Schwamendingen hiess für Rodriguez Winterthur – von der U15 bis zur U21 spielte er für den FCW-Nachwuchs. «Ich bin dem Verein heute noch dankbar, dass ich damals die Chance erhielt, während mich weder GC noch der FCZ wollten.» So verwundert es nicht, dass er sich nach seiner Rückkehr auf die Schützenwiese im Juli sofort wohlfühlte. «Die Gegentribüne gab es damals noch nicht, aber viele vertraute Gesichter sind immer noch da», sagt er schmunzelnd.
Seine neuen Teamkollegen verzichteten angesichts der Rückkehr des «verlorenen Sohnes» auf Sprüche zum Thema Nicht-Aufstieg mit Schaffhausen, aus dem Gegner wurde sofort ein wichtiger Bestandteil des Winterthurer Offensivspiels – und dass Rodriguez ausgerechnet gegen FC Zürich sein erstes Saisontor erzielte, passte wie die Faust aufs Auge. Zwar reichte der Treffer (noch) nicht zum ersten Saisonsieg, aber immerhin zu einem Punkt gegen den Meister, der in der Tabelle nach fünf Runden weiterhin hinter dem FCW liegt. «Wir tasten uns Schritt für Schritt an das nötige Niveau heran. Der Unterschied zwischen der Challenge und Super League ist nicht riesig, doch wir müssen die Fehlerquote tiefer halten und an den Automatismen feilen», so Rodriguez, der auch am letzten Wochenende beim 7:0-Sieg im Cup gegen Muri traf. Ganz so einfach werden es die Young Boys am Sonntag (Spielbeginn 16.30 Uhr, Schützenwiese) dem FCW aber nicht machen.
⋌Damian Keller
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