Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Florian Herzog hat bereits zwei Kurzfilme produziert. Sein jüngstes Werk ist ab Ende Dezember auf Youtube zu sehen. Bild: dt
Irgendwann mit 15 Jahren habe er gedacht, Filme kann man besser machen, sagt der gebürtige Glattfelder und Wahlwinterthurer Florian Herzog.
Leidenschaft Florian Herzog ist 22 Jahre alt. Noch. Am 30. November wird er 23. Seinen Geburtstag wird der Berufsmittelschüler mit Freunden und Verwandten feiern. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Besonders ist indessen die Location. Gefeiert wird im Kiwi-Kino in Winterthur.
Diesem Tag fiebere er schon heute entgegen, sagt Herzog. «Es wird eine Premiere geben.» Die geladenen Freunde und Verwandten werden das erste Publikum sein, dem er seinen 20-minütigen Kurzfilm «Every Rose Has Its Thorn» (frei übersetzt: Keine Rose ohne Dornen) zeigt. Es handelt sich um Herzogs zweite filmische Produktion. Er stehe erst am Anfang eines langen Weges, sagt der junge Drehbuchautor und Regisseur. «Dennoch kann ich voller Stolz behaupten, einen weiteren persönlichen Meilenstein auf diesem Weg erreicht zu haben.» Obwohl es sich nur um eine private Premiere für Freunde und Verwandte handelt, sei es für ihn ein unglaubliches Gefühl, einen seiner Filme auf der grossen Leinwand zu sehen.
Herzog ist mit zwei jüngeren Geschwistern in Glattfelden bei Bülach aufgewachsen. Seine Faszination für Filme hat er als Kind mit seinen Grosseltern entdeckt. «Sie gingen mit mir öfters in Videotheken, wo wir dann auch Filme ausgeliehen haben, die über meiner Altersgrenze lagen und meine Eltern mir eigentlich noch nicht erlaubt haben», verrät er und lacht. «Heutzutage, wo die Kinder auch an Filme ab 18 herankommen, kann man sich das fast nicht mehr vorstellen.»
Damals zählte Star Wars zu seinen Favoriten. Aber mit der Zeit sei er über das reine Action-Genre hinaus gewachsen. «Mir war aufgefallen, dass hinter vielen solcher Filme gar nicht viel steckt, kennst du einen von ihnen, kennst du alle.» Herzog, der sich fortan mehr für ernstere und dramatische Filme interessierte, wie etwa Martin Scorceses Film «Taxi Driver», nahm sich vor, es besser zu machen.
Bis vor anderthalb Jahren lebte Herzog im Elternhaus im Gottfried-Keller-Dorf Glattfelden. Nach zwanzig Jahren dörflichen Lebens stand ihm der Sinn nach Stadtluft. «Mir gefiel Winterthur schon immer, deshalb zog ich hierher nach Oberi.» Neben der Berufsmaturitätsschule (BMS) arbeitet er im Technorama, das sich nicht weit von seiner Wohnung befindet.
Der zweiminütige Trailer des Dramas «Every Rose Has Its Thorn» ist bereits auf Youtube abrufbar. Ein Klick auf den Trailer offenbart eine Frauenstimme im Off, eine Darstellerin vor dem Spiegel, Klaviermusik. Die Szenen, die mit der Darstellerin Merel Ott und dem Darsteller Mike Steiner gedreht wurden, sind teils in der Stadt Zürich, in Oberwinterthur und auf der Winterthurer Aussichtsterrasse Bäumli gedreht worden. Den Schnitt hat Herzog selbst vorgenommen. Der Trailer der als «tragic story about love and addiction», eine tragische Geschichte über Liebe und Sucht, beschrieben wird, macht neugierig.
Seinen ersten Kurzfilm «The Last Case», ein vierminütiger Detektivthriller, hat Florian mit einem Kollegen Jure Zürcher und dessen Vater Daniel Zürcher in seinem Wohnzimmer gedreht. Das private Setting merkt man dem Schwarzweiss-Film nicht an. Aus heutiger Sicht betrachte er diesen aber als sehr amateurhaft, sagt Herzog. «Trotzdem gelang es mir aber, mit diesem eine Nominierung an einem kleinen Filmfestival in London einzuholen, das im Dezember stattfindet.», sagt der Jungproduzent, der sich sein bisheriges Know-how selbst erarbeitet hat und für die Produktion seiner beiden Kurzfilme sein Erspartes eingesetzt hat.
Nach Abschluss der BMS will Florian Herzog sein Wissen in Form eines Filmstudiums erweitern. Sein Wunsch ist es, schliesslich, in der Filmbranche Fuss zu fassen. Und sein Traum ist es, eines Tags nach Hollywood zu gehen. «Da ich vom Schreiben, dem Regie führen, bis hin zur Nachproduktion versuche, alles selbst zu machen, muss ich in Sachen Freizeit ein wenig kürzertreten.» Ein Opfer, dass er aber gern erbringe, um eines Tages sein Hobby zum Beruf zu machen, sagt der zielbewusste junge Mann.
Dagmar Appelt
Lade Fotos..