Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Der Krimiautor Thomas Schmidhauser hat Winterthur vor über 30 Jahren der Liebe wegen verlassen. Er kommt allerdings noch sehr regelmässig in seine alte Heimatstadt zurück, um Freunde zu treffen. Bild: Larissa Jurczek
Er macht die Eulachstadt zur Krimi-Stadt: Der in Winterthur aufgewachsene Thomas Schmidhauser veröffentlichte kürzlich seinen dritten Roman.
Literatur Die Stadt Winterthur ist als ehemalige Industriestadt bekannt oder auch, unter anderem durch die Vielzahl an Museen, als kultureller Hotspot. Mit Verbrechen wie Mord und Totschlag assoziiert man die Eulachstadt eigentlich nicht. Doch die Bücher von Thomas Schmidhauser könnten diese Sichtweise ändern: Sein kürzlich erschienener dritter Kriminalroman «Ich bin dir schon näher …» spielt nämlich, wie auch schon seine beiden Vorgänger, in Winterthur.
In «Ich bin dir schon näher …» hat die Winterthurer Polizei einen komplizierten Fall auf dem Tisch. An der Eulach wurde ein junges Mädchen missbraucht und misshandelt. Es überlebt die Tat zwar, doch es steht nicht gut um das junge Leben. Unter der Leitung von Leutnant Sämi Baumgartner, der nach dem Tod seiner Frau mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, und Wachtmeisterin Lambert läuft der Polizeiapparat an. Unterstützt werden die Ermittler vom vermögenden Hobby-Detektiv Spengler. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und kräftezehrend, denn immer wieder hat es die Polizei mit falschen Fährten und Sackgassen zu tun.
Die Idee, Verbrechen in Winterthur spielen zu lassen, kam Thomas Schmidhauser, als er einen seiner besten Freunde besuchte. Dieser wohnt in Richtung Ricketwil, «wo es einen schönen, aber auch gruseligen Übergang von der Stadt zum Wald gibt», so der Autor. «Ich habe mir vorgestellt, dass da einer erschossen wird. Daraus entstand dann die Idee für meinen ersten Roman.»
Thomas Schmidhauser ist in Dättlikon aufgewachsen und mit seiner Familie als Teenager nach Winterthur gezogen, wo er auch die Handelsschule besuchte. Es folgte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Zürich und in den USA, anschliessend war der heute 74-Jährige in verschiedenen Verbandsleitungen tätig. «Aber ich habe gemerkt, dass dies nicht das wahre Leben ist für mich. Also bin ich für fünf Jahre nach Australien gegangen.» Zurück in Winterthur wurde er Leiter der City-Vereinigung «Junge Altstadt» und gründete die Firma Schmidhauser & Partner AG. Bis er 38 Jahre alt war, lebte er in Winterthur – «dann hat das Schicksal in Form einer wunderbaren Luzernerin zugeschlagen». Wegen der Heirat mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau zog Thomas Schmidhauser nach Luzern, wo er nun seit über dreissig Jahren lebt. Ein Luzerner sei er allerdings nie geworden, «man bleibt ein Winterthurer». Mindestens einmal pro Monat kommt der Schriftsteller noch in seine alte Heimatstadt, um seine Freunde zu treffen.
Bevor er sich Krimis zuwandte, hat Schmidhauser Fachbücher zu Themen wie Marketing und Hotellerie geschrieben, dies im Rahmen seiner Tätigkeit als Direktor eines Berufsbildungszentrums für Gastronomie- und Hotellerieberufe in Weggis LU. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2010 hatte er Zeit, seine Idee vom Mord bei Ricketwil auf Papier zu bringen. «Ich wusste am Anfang nicht, ob ich die Geschichte überhaupt zu Ende schreiben werde.» 2014 erschien dann sein erster Winterthur-Krimi «Ich warte auf dich …» beim Verlag Books on Demand, gefolgt von «Ich bin auch da …!» im Jahr 2017. Ende 2021 wurde nun «Ich bin dir schon näher …» veröffentlicht.
Pro Buch braucht der Schriftsteller ein bis zwei Jahre. «Man muss einen guten Einstieg für die Geschichte finden, dann läuft es zumindest bei mir im Kopf automatisch weiter – fast wie eine Art Film.» Der 74-Jährige hat übrigens bereits Ideen für einen vierten Krimi. Dass sich all die fiktiven Kriminalfälle in Winterthur abspielen, habe vor allem damit zu tun, dass er hier – unter anderem auch, weil er während des Studiums als Taxifahrer gearbeitet hatte – jede Ecke kenne, so Thomas Schmidhauser. Winterthur sei für ihn aber keine Stadt mit einer stark ausgeprägten kriminellen Energie, «obschon auch hier natürlich immer mehr los ist». Seine Krimis enthalten auch autobiografische Elemente, «Dinge aus meiner eigenen Kiste», wie der Autor dazu sagt. «Es ist einfacher, über etwas zu schreiben, dass man schon selber erlebt hat.»
Sein Wissen über die Polizeiarbeit hat Schmidhauser nicht einfach nur aus Fernsehkrimis: Bevor er mit dem Schreiben des ersten Romans loslegte, verbrachte er einen Tag mit der Kantonspolizei Zürich. «Der damalige Chef der Kapo hat mir sehr viel erzählt.» Die Polizei habe laut dem Autor übrigens nichts dagegen, wenn man sich bei ihr meldet, weil man sich näher mit ihrer Arbeit befassen möchte. «Solange man ihnen nicht reinredet», fügt Schmidhauser schmunzelnd hinzu. Larissa Jurczek
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