Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
John Wesley Zielmann als Freund der Schildkröte George. Er prüft bei dessen Beerdigung seine Hinterlassenschaft
Das Kellertheater zeigt zu seinem Geburtstag eine Jubiläumsproduktion in drei Akten, aufwendiger als sonst und brennend interessant.
Theater Was früher die Zukunft war, ist heute auch schon fast wieder vorbei. Gleichgültig wie düster man in diesem Früher die Zukunft malte, heute verkraftet man sie. In bald achtzig Jahren Nachkriegsgeschichte hat sich das nicht verändert. Ob die Zukunft weiter erträglich bleibt, weiss niemand. Das Kellertheater erforscht die Frage in seinem Jubiläumsstück mit dem Titel: «Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war».
Zuerst einmal vergräbt man die Vergangenheit. Immerhin besteht das Kellertheater bereits seit 50 Jahren und hat somit für eine Kleinbühne ein respektables Alter erreicht. Für den Blick zurück wählt das Theater einen besonderen Aufführungsort. Das Stück «Die Zukunft ist auch nicht...» beginnt in einem Villengarten. Bei jedem Wetter. Die Vergangenheit, die im Sarg liegt, wird durch eine Galapagos-Schildkröte mit dem Namen George verkörpert. George lebte offenbar über 100 000 Jahre lang. Er hat mitbekommen, wie die letzte Eiszeit zu Ende ging und natürlich die turbulente Menschheitsgeschichte erlebt. Bis heute. Jetzt ist George, der letzte seiner Art, gestorben. Irgendwie kommt es einem vor wie der Tod von Elizabeth II. Georges Freund, Betreuer, Arzt und Psychiater – gespielt von John Wesley Zielmann – legt bei der Beerdigung einen Monolog hin, von dem man nicht denkt, dass es sich um einen Monolog handelt. Es ist ein Tanz, ein Spiel mit Geschichten, mit möglichen und unmöglichen Situationen. Die Hand habe er sich an Georges Panzer blutig gestreichelt, sagt der Freund.
Damit ist der erste Teil zu Ende. Die beiden weiteren Akte spielen auf zwei unterschiedlichen Bühnen im Kellertheater. Grob kann man die Handlung also in gestern, heute und morgen gliedern, fast wie im bekannten italienischen Film «Ieri, oggi, domani» von 1963 mit Sophia Loren in der Hauptrolle. Für den zweiten Akt wechselt das Publikum ins Kellertheater in der Marktgasse. Wobei der Weg dorthin ein kleiner Zwischenakt ist. Oder hätten Sie gedacht, dass Gottfriede Keller das Kellertheater im 19. Jahrhundert gegründete? Schön erfunden.
In einem langen Bühnenraum erlebt das Publikum einen zweiten Monolog, der es in sich hat. Ursula Reiter spielt eine Kassandra, die heute über eine mögliche Klimakatastrophe spricht, das heisst, sie hat mit einer eher skeptischen Freundin telefoniert, deren Einwände sie jetzt in indirekter Rede wieder gibt. Es ist ein fulminantes Textstück. Kassandra wird zur Doppelkassandra, indem sie ihre Warnungen nicht nur an die Welt richtet. Sie peitscht sich damit selbst immer weiter hoch.
Das Jubiläumsstück des Kellertheaters wirbelt ernste Inhalte auf und verknüpft sie mit Ironie und schwärzestem Humor. Schwarzer geht es nicht. Denn die Zukunft, der dritte Akt, findet in völliger Finsternis statt, wo ängstliche Spannung das Publikum erfasst. Kommt er jetzt, der jüngste Tag?
Weitere Informationen: «Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war»
30. September und 5. Oktober, im Garten der Villa Sträuli und im Kellertheater.
2., 7., 8., und 9. Oktober, Im Garten des Münzkabinetts und im Kellertheater.
Beginn am 2. sowie 8. und 9. Oktober 17:30 Uhr.
Sonst Beginn 19 Uhr.
Die Abendkasse befindet sich jeweils beim Villengarten.
www.keller.theater/
Christian Felix
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