Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Kimberly Blaisdell ist 15-jährig und hat einen Comic gegen Rassismus und für Toleranz geschrieben. Sie hat hoch funktionierenden Autismus.
Graphic Novel Duncan schlottern die Knie. Eigentlich hat er die Eltern seiner Verlobten Harmony für ein Kennenlernen erwartet. Stattdessen stehen vor seiner Wohnungstür drei grüne Marsmännchen. Sie sind jedoch nicht gekommen, um Duncan in ihr Raumschiff zu entführen, nein, es sind die Eltern seiner Verlobten.
Die Comic-Heldin Harmony ist ein Mensch, sie wurde von Marsmenschen grossgezogen. Diese Geschichte hat sich die 15-jährige Kimberly Blaisdell ausgedacht und als Comic in plakativen Farben illustriert. «Ich mag Aliens sehr», sagt sie. «In meinem Buch geht es um Toleranz und es ist gegen Rassismus.»
Blaisdell und ihre Familie haben das Buch unter dem Titel «I was raised by Martians» in englischer Sprache selbst herausgegeben. Das Buch wurde erstmals an der Comic-Börse in Zürich verkauft.
Bei ihrem Besuch auf der Redaktion der «Winterthurer Zeitung» wird Kimberly von ihrem Vater Timothy Blaisdell begleitet. Kimberly Blaisdell ist zweisprachig aufgewachsen, ihre Mutter stammt aus Moldawien und ihr Vater aus den USA, weshalb er und seine Tochter sich auf Deutsch und Englisch unterhalten. «Es sollte keine Rolle spielen, aus welchem Land jemand kommt», sind sich die beiden einig. «Ich mag die Schweiz, aber ich liebe die USA, besonders New York», sagt Kimberly Blaisdell. «Mir gefallen die Musicals, das Musical ‹Matilda› von Roald Dahl ist zauberhaft.» Roald Dahl gehöre neben John Patrick Green, Dav Pilkey und Dr. Seuss zu ihren Lieblingsautoren und -illustratoren.
Als Kind wollte Blaisdell noch Piratin, Königin oder Wissenschaftlerin werden. «Am meisten faszinieren mich die Piraten.» Sie habe zwar festgestellt, dass diese Berufe nicht infrage kommen. «Aber hey, ich kann diese Figuren in meine Geschichten verpacken.» Blaisdell hat sogar einen Künstlernamen: Moof, Miracle of Optimistic Fantasy.
Auf die Frage nach ihrem zukünftigen Beruf antwortet sie: «Ich denke, ich habe ihn schon gefunden. Ich zeichne in jeder freien Minute.»
Blaisdell geht in die Maurerschule in Winterthur, eine Schule für Kinder und Jugendliche mit Autismus.
Laut Autismus Schweiz wird heute der Begriff Autismus-Spektrum-Störung verwendet (ASS), da sich autistische Menschen sehr voneinander unterscheiden.
Blaisdell leidet laut ihrem Vater unter hoch funktionierendem Autismus. Trotzdem ist Kimberly ein fröhlicher Teenager, neckt ihren Dad und meldet sich zu Wort, wenn dieser im Interview zu viel dazwischenfunkt. «Ich bin eine besondere Person.» Asperger ermögliche ihr ganz eigene Perspektiven.
«Zu Hause schaue ich gerne Youtube-Videos, höre Musik oder sehe fern.» Daraus oder aus Beobachtungen in der Schule entstünden dann die Geschichten. Ihre Zeichnungen erstellt sie zuerst mit Bleistift, dann erfolgt die Bearbeitung des Scans am PC.
Zurück zum Comic-Helden Duncan. Er deckt im Buch nicht nur ein Familiengeheimnis auf, sondern überwindet auch seine Ängste – ein Happy End mit Marsmenschen.
Claudia Naef Binz
«I was raised by Martians»
Kimberly Ann Blaisdell
Comic in englischer Sprache
97 Seiten, 12.00 Franken
Erhältlich bei Zappa Doing
www.zappadoing.ch
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