Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Der Kronleuchter begrüsst die Besucher des Münzkabinetts im Eingangsbereich. Bild: spo
Als in der Stadt Zürich ein altes Patrizierhaus abgerissen wird, kommt ein Massengrab zum Vorschein. Ein Kronleuchter in Winterthur erinnert daran.
Geschichte Das Münzkabinett geht am Samstag, 6. April, auf Spurensuche. «Chlöibi, Zaster, Pulver, Pinke – Die Namen des Geldes», heisst die aktuelle Ausstellung. Doch in der herrschaftlichen Villa Bühler, wo das Münzkabinett beheimatet ist, erzählen noch ganz andere Gegenstände eine spannende Geschichte. Im Eingangsbereich hängt ein besonderer Kronleuchter. Wie kürzlich die linke Zürcher Zeitung «p.s.» schrieb, hat die unscheinbare, sechseckige Lampe eine bewegte Geschichte. Sie wurde aus dem Zürcher «Haus zum Engenweg in Unterstrass» gerettet, einem alten Patrizierhaus, das 1976 dem Milchbucktunnel weichen musste. Denkmalschützer konnten zwei Leuchten vor dem Abriss retten und einlagern. Als die Bagger auffuhren, machten sie einen Sensationsfund: Das Haus steht auf einem Massengrab. Neun Skelette mit Schuss-, Stich- und Hiebverletzungen sowie Uniformknöpfe kommen zum Vorschein. Es handelt sich um russische Soldaten, die in der zweiten Schlacht um Zürich 1799 gefallen waren, zurückgedrängt von den Franzosen.
Das «Haus zum Engenweg in Unterstrass» hat eine bewegte Geschichte. Im 1720 erbauten Gebäude haben laut einem Taschenbuch von Anton von Schulthess aus dem Jahr 1986 viele wichtige Zürcher Persönlichkeiten gewohnt. Zahlreiche Anekdoten sind erhalten. So gibt eine Überlieferung aus dem Jahr 1681 Einblick in ein buntes Treiben im Haus. Demnach waren ein paar Studenten zu einem Wurstmahl eingeladen worden. Je länger der Abend dauerte, desto feuchtfröhlicher wurde es. Alle hätten gezecht und fast die ganze Nacht hindurch «ein ärgerliches Unwesen mit Singen und Johlen betrieben». Es heisst, dass einzelne Studenten hart dafür bestraft wurden und ihnen die Stipendien anschliessend versagt blieben.
Die turbulenteste Zeit erlebte das Haus aber 1799 während den Kämpfen zwischen Franzosen und Russen. Ein Augenzeugenbericht erzählt von der Ermordung des damaligen Hauseigentümers Jakob Irmiger. Er wurde von russischen Soldaten fälschlicherweise für einen Franzosen gehalten und mit Bajonett und Säbelhieb getötet. Benedikt Zäch, der scheidende Leiter des Münzkabinetts, hat erst kürzlich von der bewegten Geschichte des Kronleuchters erfahren. Wie er sagt, befinde sich der Kronleuchter bereits seit der vorletzten Renovation 1982 in der Villa Bühler. «Weil der Vorbesitzer das Mobiliar mitnahm, stand das Haus völlig leer, als der Kanton es 1975 kaufte», so Zäch. Mit Gegenständen aus dem kantonalen Bauteillager wurde die Villa wieder verschönert.
Sandro Portmann
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