Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Fünf Jahre Zentrum Wiesental gehören gefeiert! Zentrumsleiter Pascal Frei überrascht die Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Jubiläumstorte. zVg.
Das Zentrum Wiesental der Pflege Eulachtal liess bereits vor der Eröffnung im März 2016 durch ein einzigartige Pflegesystem aufhorchen. Auch fünf Jahre später stehen die Beziehungen der Pflegenden mit den 17 Betagten sowie Pflegebedürftigen und damit die Mitmenschlichkeit und das Miteinander im Zentrum.
Wiesendangen Das Zentrum Wiesental hatte bereits vor seiner Eröffnung vor fünf Jahren einige Geschichten zu erzählen. So hat es den heutigen Standort mitten im Dorf dem Testament eines älteren Ehepaars, aber auch der Gemeinde Wiesendangen, zu verdanken. Bis dahin noch nicht weit verbreitet war auch der Pflegeleitgedanke, der nach dem psychobiografischen Modell des Österreichers Erwin Böhm ausgerichtet ist. Im Zentrum steht dabei die Beziehung des Pflegepersonals mit den Bewohnenden.
Der heutige Zentrumsleiter Pascal Frei streicht denn auch die Förderung einer echten Lebensqualität neben einer hohen Pflegequalität heraus: «Dies erreichen wir, indem wir Bewohnerinnen und Bewohner darin unterstützen, ‹bewegt› zu bleiben und sie einladen, sich nach ihren Möglichkeiten am Gemeinschaftsleben zu beteiligen. Wir nehmen unseren Bewohnerinnen und Bewohnern nichts ab, was sie noch selber tun können, sondern unterstützen und begleiten sie individuell in ihrem Alltag – ganz auf die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten.» Die grösste Aufgabe für Pascal Frei und sein Team besteht darin, die Wohnform den individuellen Bedürfnissen, Gepflogenheiten und Eigenheiten der 17 Bewohnerinnen und Bewohner anzupassen. «Alle bringen ihre ureigene Biographie mit. Und sie haben sich das Zusammenleben nicht ausgesucht, vielmehr sind sie vom Leben zu dieser Gemeinschaft zusammengewürfelt worden. Da gilt es für uns als Pflege- und Betreuungsteam zu begleiten, zu unterstützen, zu vermitteln», so der Zentrumsleiter.
Pascal Frei und seine Mitarbeitenden, aber auch die Bewohnenden wurden seit dem Frühling vor einem Jahr noch zusätzlich herausgefordert: «Seit Corona müssen wir mit ständig wechselnden Massnahmen zurechtkommen. Wir bewegen uns stets im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Schutzmassnahmen.»
Gerade weil die Pflegenden und die Bewohnenden des Wiesentals die Beziehungsarbeit lebten, sei die massnahmenbedingte Distanz mit Abstandhalten und dem Maskentragen extrem schwierig und fordernd, wie Pascal Frei erzählt: «Man nimmt den alten Menschen das, was sie brauchen: Nähe und Beziehung. So haben wir beispielsweise die Kultur verloren, einander die Hand zu geben. Wir waren eines der wenigen Heime, das die alten Menschen am Morgen begrüsst hat mit einem Händedruck. Für viele Menschen war das eine der einzigen Berührungen, die sie noch bekommen haben.»
Einschneidend im Zusammenhang mit der Pandemie war für die Pflegewohngruppe auch der Abschied von einer verstorbenen Bewohnerin im letzten Jahr. «Infolge des Lockdowns von einer verstorbenen Bewohnerin bei deren Begräbnis nicht mit dabei sein und von ihr Abschied nehmen zu können, war etwas vom Schwierigsten. Glücklicherweise übertrug die Tochter des Pfarrers die Abdankung per Video live, so dass wir zumindest online dabei sein konnten. Aber dieses Ausgesperrtsein von einem solch wichtigen Ereignis empfanden wir als unmenschlich», erinnert sich Frei.
Auch wenn beispielsweise das zwischenzeitliche Besuchsverbot wieder gelockert wurde, so dürfen aufgrund der Massnahmen die Pflegenden weiterhin nicht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern essen. Pascal Frei hinterfragt die auch für die alten Menschen geltenden, einheitlichen Massnahmen ohne viel Spielraum: «Mein Wunsch wäre, dass man die Menschen, die man schützen will, in die Entscheidungsfindung miteinbezieht. Inwiefern wollen wir uns schützen? Wie handhaben wir das mit dem Besuch? Jede und jeder sollte mitdiskutieren können, wie man welche Massnahmen im Haus umsetzt. Damit wäre ein grosser Schritt in Richtung Normalität getan.»
Normalität wird im Zentrum Wiesental dann wieder eingekehrt sein, wenn das Personal wieder ohne Maske arbeiten kann, Bewohnerinnen und Bewohner wieder unkompliziert und ohne Auflagen in die Alltagsaktivitäten wie zum Beispiel das Kochen eingebunden werden können und Besucherinnen und Besucher jederzeit ganz spontan vorbeischauen dürfen. Oder, wie es Zentrumsleiter Pascal Frei sagt: «Wenn wir die Mitmenschlichkeit, die uns in den letzten fünf Jahren prägte, wieder ohne Wenn und Aber leben dürfen.»
Von George Stutz
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