Goldjungs
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Leonardo Martinelli wohnt noch bis Mitte Dezember als Artist in Residence, als Gastkünstler, in der Villa Sträuli. Bild: Enzo Lopardo
Der Filmemacher Leonardo Martinelli aus Brasilien stellt an den Internationalen Kurzfilmtagen sein aktuelles Werk «Fantasma Neon» vor.
Filmschaffen Vom 9. bis 14. November finden die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur 2021 statt. An diesem Filmfestival werden Werke von nationalen und internationalen Filmemachern gezeigt. Auch der Regisseur Leonardo Martinelli aus Rio de Janeiro ist dieses Jahr mit dabei. Der 23-Jährige residiert seit Ende Oktober in der Villa Sträuli und gehört zu den drei Kunstschaffenden, denen das Kulturhaus momentan eine Gastwohnung bietet. Bei den anderen Bewohnern handelt es sich um eine indonesische Schriftstellerin sowie um ein Duo aus dem Bereich visuelle Kunst.
Martinellis Film «Fantasma Neon» dreht sich um brasilianische Kurierfahrer. Es handle sich um eine «Mischung aus Fiktion und Dokumentarfilm mit Musical-Elementen», so der Regisseur. Er wolle das Publikum in die Welt der Kuriere eintauchen lassen und ihre Schwierigkeiten im Arbeitsalltag aufzeigen. Ihm sei es wichtig, in seinen Filmen gesellschaftliche Anliegen zu thematisieren sowie sozialpolitische Fragen aufzuwerfen. «Fantasma Neon» ist der sechste Film, bei dem der 23-Jährige Regie führte.
Zum Film gekommen ist Martinelli «ganz klischeehaft», indem er schon früh viele Filme geschaut hat. «Als Kind war ich begeistert von Harry Potter und Spiderman», erzählt der Brasilianer schmunzelnd. In der Teenagerzeit wuchs seine Faszination für europäische und asiatische Autorenfilme. «Ich habe festgestellt, dass Film eine Sprache für sich ist, mit der ich verschiedenste Gedanken und Gefühle kommunizieren kann.»
Zu seinen Inspirationsquellen zählt Martinelli unter anderem die Regisseure Wim Wenders und Michael Haneke sowie den französischen Filmemacher Jacques Demy, der für bunte Musicalfilme bekannt war. Dass gerade der Franzose eine grosse Inspiration für den 23-Jährigen ist, zeigt sich in «Fantasma Neon»: Dort wird gesungen und mit Farben gespielt.
Warum er sich dem Kurzfilm und nicht Kino- oder Fernsehfilmen zugewandt hat, liegt unter anderem am Budget. Viele junge Filmemacher würden mit Kurzfilmen starten, da die Produktion günstiger sei, sagt Leonardo Martinelli. Doch auch diese Art von Film habe eine eigene Magie: Ein Kurzfilm sei «nicht einfach ein zusammengekürzter Langspielfilm», sondern ein eigenständiges Werk. «Manche Geschichten funktionieren auch nur als Kurzfilm.»
In Winterthur ist der Filmemacher zum ersten Mal. Was ihn besonders fasziniert, ist das ausgeprägte Interesse der Winterthurerinnen und Winterthurer an Kunst und Kultur. «Es inspiriert mich, dass die Bevölkerung so interessiert am kulturellen Geschehen ist.» Bis Mitte Dezember wird er in der Villa Sträuli wohnen bleiben und nach den Kurzfilmtagen an seiner Masterarbeit schreiben.
Sein Heimatland vermisst Leonardo Martinelli nicht gross. «Meine Familie und Freunde fehlen mir, aber es ist gut, dass ich in der momentanen Lage nicht in Brasilien bin.» Damit spielt er unter anderem auf die Wirtschaftskrise, aber besonders auf den Regierungspräsidenten Jair Bolsonaro an. Unter Bolsonaro sei Brasilien zu einem «eher feindlichen Staat» geworden. Auch die Neuwahlen, die im kommenden Jahr anstehen, stimmen Martinelli nicht wirklich optimistisch.
Politik ist ein zentrales Thema im Leben des jungen Filmemachers. Unter anderem auch, weil sie einen Einfluss auf seine Arbeit hat. So musste er trotz der Corona-Pandemie – die in Brasilien für sehr viele Todesfälle sorgte – filmen, da man ihm sonst die Unterstützungsgelder gestrichen hätte. Politische Themen hat er bereits in früheren Kurzfilmen aufgegriffen, denn: «Jeder in Brasilien ist politisch, also sind es die Filme auch.»
Sein zukünftiges Filmprojekt, an dem er ebenfalls während des Aufenthalts in der Villa Sträuli arbeiten wird, behandelt übrigens ein ähnliches Themengebiet. Der Film soll historische Monumente, die an negative Ereignisse erinnern, auf positive Art darstellen. Larissa Jurczek
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