Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die Schriftstellerin Roswitha Kuhn, Miterschafferin der Tösstalkrimis von KuhnKuhn. Bild: cf
Das Ehepaar Roswitha Kuhn und Jacques Kuhn startete die Serie der Tösstalkrimis. Nach dem Tod des Ehemann schrieb Frau Kuhn alleine weiter.
Tösstal Gestern ist der fünfte Band der Tösstalkrimis erschienen. Sein Titel: «Waidmannsleid». Die vielen Fans der Krimiserie haben voller Vorfreude, aber auch mit leichter Bange auf das Buch gewartet. Roswitha Kuhn und Jacques Kuhn aus Rikon hatten zusammen fünf Krimis geplant. Doch Jacques Kuhn starb 2016 im Alter von 97 Jahren, mitten in der Entstehung des vierten Bands «Mondnackt». Roswitha Kuhn versprach ihrem Mann, kurz bevor er starb, «Mondnackt» fertigzustellen. Dass sie den fünften Band auch noch schreiben würde, konnte sie ihm jedoch nicht zusagen. Jetzt hat sie es geschafft.
«Es war furchtbar, alleine zu schreiben», sagt Roswitha Kuhn: «Mein Mann und ich haben uns wegen des Krimis schon beim Frühstück gefetzt. Wenn Sie zu zweit schreiben, dann müssen Sie für einen eigenen Einfall gute Argumente haben. Etwas Seichtes geht nicht durch.» Abgesehen vom Krimi hätten sie beide nie Streit gehabt. «Wenn ich nun alleine schreibe und festhänge, kann ich niemanden fragen.»
Trotzdem schwört Kuhn darauf, regelmässig, ohne lange Unterbrechungen, zu schreiben. «Thomas Mann schrieb täglich eine Seite und liess sich dabei von nichts abhalten. Wenn man selbst schreibt, merkt man das beim Lesen. Bei Thomas Mann tröpfeln die Geschichten so daher, wobei ich Mann durchaus gerne lese», sagt Kuhn. Damit ist auch schon gesagt, dass Kuhn sich nicht ganz an Thomas Manns Vorgabe hielt.
Aber sie blieb dran am Text. Sie sagt: «So ist einem die Konstruktion des Krimis stets bewusst. Wenn man die Arbeit lange weglegt, muss man vieles wieder neu aufbauen im Kopf.» Seitdem «Mondnackt» erschienen ist, sind gut 500 Werktage vergangen. In dieser Zeit hat Kuhn 316 Seiten des letzten Bands geschrieben. Diese Zahl hat sie genau im Kopf. «Waidmannsleid» ist also nach dem Grundsatz «steter Tropfen höhlt den Stein» entstanden.
Beim Frühstück stritten Jacques und Roswitha Kuhn auch darüber, wer sterben muss im Krimi. Dabei gab es Dialoge wie: «Du bist die Blutrünstigere! – Nein, du wolltest doch drei Leichen! – Gut denn, bringen wir den eben auch noch um.» Die Mordopfer erlauben es auch, die Tösstalkrimis zusammenzufassen, ohne etwas vom Ende zu verraten. «Mit einer nackten Frauenleiche hat ja das Elend angefangen», sagt Kuhn. Im zweiten Band sterben drei Menschen und drei Hasen. Darauf die Reaktion der Leser: «Die armen Häschen!» Das Mordopfer in Band drei ist ein Fussloser, in Band vier ein sektiererischer Spinner, der nackt im Schnee liegt. Im neuen Buch wird im Mai ein 19-Jähriger tot aufgefunden. Er hat keinem Menschen etwas angetan.
Kuhn lässt Leserinnen und Leser die Jahreszeiten spüren, entführt einen in die reizvollsten Winkel und die finstersten Stellen des Tösstals. Sie recherchiert genau und verfälscht doch ab und zu etwas mit Bedacht. Doch immer streift man gerne durch die Gegend. Man begleitet den Polizisten Noldi Oberholzer auf seiner Ermittlung fast so freudig wie Baji, der Bayerische Gebirgsschweisshund, der in jedem Krimi eine grosse Rolle spielt.
Mit den Figuren des Krimis lebt Kuhn nun schon 13 Jahre. Sie bilden für sie im Kopf einen Freundeskreis. Man spürt beim Lesen, dass die Autorin zu Noldi eine lange Beziehung hat. Es ist immer spannend, ihn auf der Spurensuche zu begleiten, gleich ob er einfach in ein Café geht, zur Spurensicherung nach Winterthur oder einfach abends zu seiner Frau Meret nach Hause kommt. Natürlich haben sich die Figuren mit der Zeit verändert. «Das macht es schwierig», sagt Kuhn. Oberholzers Sohn, Pauli, ist inzwischen 19 geworden. «Meine Nichten und Neffen sind älter, deren Kinder jünger. Mit der Generation der jungen Erwachsenen kenne ich mich nicht aus.» So verabschiedet sich Kuhn mit «Waidmannsleid» von Noldi, Meret und Pauli. Aber sie schreibt weiter an anderen Stoffen.
Weitere Informationen:
Buchvernissage:
Orell Füssli Winterthur
22. Februar, 19.30 Uhr
Nur mit Voranmeldung
Christian Felix
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