Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Winterthur ist mit dem Neubau des Kantonsspitals in der Gesundheitsversorgung einen guten Schritt vorangekommen. Die ganze Region profitiert.
Medizin Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP), Gesundheitsdirektorin des Kantons, eröffnet offiziell den Neubau des Kantonsspital Winterthur (KSW). Sie ist eine Winterthurerin und betont, wie sie sich mit dem Spital verbunden fühlt: «Ich bin hier geboren. Schon als kleines Mädchen musste ich mich wegen einer blutenden Kopfwunde im Spital behandeln lassen.»
Regierungsrat Martin Neukom (Grüne), kantonaler Baudirektor und auch Winterthurer, steht seiner Amtskollegin in nichts nach: «Ich wurde mit einem zertrümmerten Ellbogen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte haben ihn wieder zusammengeflickt. Er hält bis heute.» Auch der Stadtpräsident selbst, Michael Künzle (Mitte), hat Erlebnisse mit dem Spital in Erinnerung. «Ich verzichte aber darauf, hier mein Patientendossier zu öffnen», sagt er.
Was die Politik an der Medienkonferenz an Privatem preisgibt, weist auf eine Tatsache hin. Stadt und Spital spannen seit jeher eng zusammen. Vielleicht liegt es an der Geschichte des Krankenhauses. Ursprünglich baute die Stadt Winterthur 1876 selbst das «Einwohnerspital». Erst 1886 übernahm es der Kanton (vgl. Seite 15). Wie diese beiden Jahreszahlen wird auch 2022 als Meilenstein in die Spitalgeschichte eingehen. Winterthur erhält einen Spitalneubau, der früher unter der Rubrik Science Fiction gelaufen wäre. Didymos, griechisch für Zwilling, heisst der Neubau. Er hat ein ähnliches Volumen wie das Bettenhaus aus den 1950er-Jahren. Neben den vielen Danksagungen und Gratulationen bei der Eröffnung sagt der amtierende Spitaldirektor Rolf Zehnder: «Von meinem Bürofenster aus habe ich gesehen, wie die Eisenleger gearbeitet haben, bei Kälte und Frost oder bei brütender Hitze. Mein Dank geht auch an sie.»
Von den tragenden Armierungseisen ahnt man nichts mehr, wenn man über den sorgfältig polierten, hellen Terrazzoboden im Eingangsbereich geht. Er vermittelt das Gefühl von Klasse und Grosszügigkeit. Das zieht sich bis in die Patientenzimmer weiter: «Kann man das auch als Hotelzimmer buchen?», fragt Neukom bei der Besichtigung. In jedem Krankenzimmer gibt es ein Schlafsofa, auf dem notfalls auch Angehörige übernachten können. Die besten Zimmer im oberen Bereich des Neubaus sollen natürlich auch gut zahlende, privat versicherte Patientinnen und Patienten nach Winterthur locken.
Was schon von aussen zu ahnen ist, bestätigt sich im Innern: Der Ausblick aus den Zimmern auf Winterthur lässt das Herz höher schlagen. Das ist mehr als eine Redewendung. Cornel Sieber, Chefarzt für Innere Medizin, sagt: «Die Behandlung ist heute nicht mehr nur physisch. Auch das Wohlbefinden unterstützt die Heilung.» Dass sich dies auf die mit Stadtblick geborenen Kinder günstig auswirken wird, ist allerdings wohl eine übertriebene Erwartung.
Der Neubau des KSW kann mit medizinischer Spitzentechnologie aufwarten. Der Hybrid-Operationssaal sieht aus wie der Kommandoraum eines Raumschiffs. Hier kann, vereinfacht gesagt, das Operationsteam mittels aktueller Röntgenbilder in den Körperteil hineinsehen, an dem es gerade arbeitet. Das hilft vor allem bei der Gefäss-Chirurgie, also zum Beispiel bei Operationen an den Schlagadern. In der Abteilung für Frühgeburten kommt ein neu entwickelter Transport-Inkubator, ein Brutkasten für kritische Fälle, weltweit zum ersten Mal zum Einsatz. Jetzt, wo der Neubau in Betrieb geht, ist das KSW eine der modernsten Kliniken der Schweiz.
Christian Felix
Lade Fotos..