Goldjungs
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Wolfgang Weigl und Katja Blaser kreieren aus Film- und Fotomaterial schöne Videos zur Erinnerung an Verstorbene. z.V.g.
Mementum organisiert eigentlich Abschiedsfeste nach dem Tod eines Angehörigen. In den aktuellen Zeiten von Corona sind diese nicht möglich. Deshalb produzieren die Gründer Wolfgang Weigl und Katja Blaser nun Abschiedsfilme.
Winterthur «Vor zwei Jahren ist Katjas Vater Beat Blaser völlig überraschend verstorben», erzählt Wolfgang Weigl. Anstatt eine Trauerfeier zu veranstalten, organisierten die beiden in Gedenken an Beat Blaser ein Abschiedsfest. «Er war ein fröhlicher Mensch und hätte keinen traurigen Abschied gewollt», erzählt die Tochter des Winterthurers. Für Beat Blaser wurde ein ganzes Theaterstück kreiert, um ihn und sein bewegtes Leben noch einmal zu zelebrieren. Die Eindrücke auf alle Anwesenden waren so stark und positiv, dass sich Wolfgang Weigl und Katja Blaser dachten: «Solch eine Art des Abschieds könnte auch anderen Menschen helfen.» Und so sei Mementum entstanden.
Mit Mementum organisieren Katja Blaser und Wolfgang Weigl eigentlich Abschiedsfeste. Aktuell sind solche Feiern, wie die von Katjas Vater Beat Blaser damals im Gate 27 in Winterthur mit 400 anwesenden Gästen, nicht möglich. Eine Alternative für solche Feste lag aber bei Weigl und Blaser schnell auf der Hand: Anstatt Feiern produzieren die Zwei Abschiedsvideos. Diese Filme werden dann je nach Wunsch als DVD oder auf einem anderen Speichergerät zur Verfügung gestellt. Auch eine private Vorstellung als Livestream übers Internet ist möglich. «Das Videomaterial ist aber in sicheren Händen», stellt Weigl klar.
Für die Videos werden mit den Angehörigen Film- und Bildmaterial der Verstorbenen gesammelt. Es wird im Gespräch zwischen Mementum und den Trauernden Details, Kosten und andere Anliegen geklärt. «Verwandte und Freunde haben ebenfalls die Möglichkeit, mit Ihrem Smartphone Videogrüsse, kleine Anekdoten, oder auch lustige, gemeinsame Erinnerungen zu filmen und an uns zu senden», beschreiben die beiden. So entstehe dann jeweils ein individueller Abschiedsfilm. «Katja Blaser trägt mit ihrer Kreativität und sehr viel Fingerspitzengefühl für Dramaturgie ihren Teil zu den Filmen bei», schwärmt Weigl.
Nicht nur die Herstellung eines Abschiedsvideos, sondern auch die ganze Thematik rund um den Tod fordert viel Feinfühligkeit. Sie wissen, es sei für die Angehörigen nicht einfach über den Tod zu sprechen, erklären Weigl und Blaser. «Wir versuchen, behutsam mit dem Thema umzugehen und den Hinterbliebenen Kraft zu geben und sie nicht zu fordern, sondern zu unterstützen», sensibilisiert Katja Blaser. Die ganze Arbeit ist sogar für die beiden Filmprofis etwas Bewegendes: «Die einzelnen Geschichten bleiben auch uns in Erinnerung. Und dies obwohl wir die Verstorbenen in der Regel nicht kannten.»
Dementsprechend sind Weigl und Blaser jeweils auch mit vollem Herzblut dabei. Die positiven Rückmeldungen bestätigen den Einsatz der Zweien. Die Dankbarkeit, die ihnen aber bei solchen Filmen entgegengebracht werde, sei einmalig: «Wir haben schon an unzähligen internationalen Film- und Werbeproduktionen mitgewirkt. Jedoch sind die Emotionen, die durch ein solch persönliches Abschiedsvideo ausgelöst werden, überwältigend und können nie von einem fiktiven Spielfilm bewirkt werden.»
Katja Blaser und Wolfang Weigl sind die beiden Gründer von Mementum. Die Zwei werden bei ihrer Arbeit in brenzligen Situationen aber unterstützt: «Wir verfügen über ein grosses Netzwerk, auf das wir zurückgreifen können.» Der gebürtige Deutsche aus dem Allgäu arbeitet hauptberuflich seit 20 Jahren als freier Filmeditor und war unter anderem bei der aktuellen SRF-Serie «Frieden» und grösseren Netflix-Produktionen für den Schnitt verantwortlich.
Aber auch Katja Blaser ist die Videografie nicht fremd. «Kreatives Schreiben ist eine Leidenschaft, die sie auch schon in mehreren Drehbüchern gezeigt hat», beschreibt der 43-jährige Weigl seine Kollegin Blaser. Seit über 10 Jahren arbeitet die Winterthurerin als selbstständige Szenenbildnerin in Zürich und Berlin. Beide pendeln beruflich und privat zwischen den beiden Städten. Mementum wird darum nebst der Schweiz auch in Deutschland angeboten.
Mementum produziert nicht nur Abschiedsvideos für Verstorbene. Auch virtuelle Grussbotschaften für Oma und Opa oder Menschen im Alters- und Pflegeheim seien möglich. Aktuell sind die Besuchsbedingungen ja gerade erschwert. Da kommt diese Idee auch passend. Für Letzteres verrechnen Blaser und Weigl nichts: «Solche Filme machen wir bis anhin einfach aus Nächstenliebe und ehrenamtlich – ohne Geld damit verdienen zu wollen. Der Mensch steht da im Vordergrund!»
Von Gaël Riesen
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