Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Der Arbeitsalltag wird von Kommunikation geprägt: Nico Leuenberger. Inhaber der Podcastschmiede. Boris Baldinger
Nico Leuenberger liebt es, Geschichten zu erzählen und dies vor allem in Form von Audio-Geschichten. Der Gründer der Podcastschmiede und Co-Präsident des Podcast Club Switzerland gibt Einblick in den Alltag professioneller Podcasthersteller.
Winterthur Anfang 2019 gründete der 38-jährige Nico Leuenberger seine eigene Firma, die Podcast-Schmiede. Damit traf er den Nerv der Zeit genau richtig. Denn mittlerweile beschäftigt er bereits acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die voller Leidenschaft in ihrem Büro im Technopark Winterthur spannende Podcasts für Firmen kreieren und produzieren.
Erzählen Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang?
Nico Leuenberger: Begonnen hatte alles beim Privatradio. Knapp zehn Jahre lang habe ich bei Radio 24 und Radio 1 Nachrichten geschrieben und gelesen und war als Reporter unterwegs. Anfang 2019 habe ich dann die Podcastschmiede gegründet – als eine der ersten Schweizer Podcast-Agenturen.
Wie sieht ein normaler Alltag bei Ihnen aus?
Mein Arbeitstag besteht zu 90 Prozent aus Kommunizieren. Per Mail, LinkedIn oder Videocall und zum Glück auch wieder öfters im direkten Gespräch. Mit potenziellen Kunden bespreche ich, ob ein Podcast das Richtige für sie ist und wie wir mit ihnen ein innovatives Format kreieren. Mit meinem Team spreche ich ab, wer wann was und wie umsetzt. Und mit meinem Netzwerk tausche ich mich laufend über den rasanten Wandel der weltweiten Podcastszene aus.
Wie kamen Sie auf die Idee, eine Firma zu gründen?
Ich hörte schon lange die grossen Podcast-Produktionen aus den USA (Serial, Radiolab) und sehnte mich danach, so wie sie aus dem Vollen schöpfen zu können. Ich sagte mir: Irgendwie muss das doch auch bei uns möglich sein. Doch beim Radio war der Spielraum dafür zu klein. Deshalb musste ich es selbst versuchen und machte mich selbständig.
Welchen Bezug haben Sie zu Winterthur?
Ich kam 2006 fürs Studium nach Winterthur, wo ich mich prompt verliebte. In die Stadt und in meine heutige Frau. Zwar sind wir privat kürzlich vor die Tore der Stadt rausgezogen. Aber Winterthur bleibt ein ganz wichtiger Ort für uns.
Was genau ist ein Podcast?
Alles, was klingt und abonniert werden kann, ist technisch gesehen ein Podcast. Doch die Formate gehen weit auseinander: Manchmal macht ein relativ einfaches Gespräch zwischen zwei Menschen Sinn, manchmal besteht ein Podcast aber aus einer packenden Audio-Reportage, die das Publikum direkt an den Ort des Geschehens entführt. Das Besondere am Hören ist, dass Gastgeberinnen und Protagonisten besonders authentisch auftreten und eine direkte Bindung zum Publikum entsteht.
Was tut die Podcastschmiede?
Wir verhelfen Firmen und Organisationen zu Aufmerksamkeit in unserer hektischen Welt. Stellen Sie sich vor: Von allen Menschen, die beispielsweise «Chrut und Rüebli» einschalten, hören rund 70 Prozent die ganze Episode zu Ende, auch wenn sie 15 Minuten dauert. Das widerlegt die Behauptung, die Menschen könnten sich heutzutage nicht mehr konzentrieren. Gut gemachte Audio-Inhalte kommen an. Und wir produzieren sie.
Wieso sollte eine Firma einen eigenen Podcast haben?
Um einen authentischen Einblick zu geben, Emotionen zu transportieren und auch komplexere Zusammenhänge aufzuzeigen. Podcasts ermöglichen intime Einblicke und eine sehr direkte Kommunikation zu den Hörerinnen und Hörern – seien diese nun ausserhalb der Firma oder auch innerhalb.
Woran erkennt man einen qualitativ guten Podcast?
Daran, dass Sie ihn gerne hören und ihn weiterempfehlen. Natürlich muss er technisch einwandfrei produziert sein. Aufnahmen in Telefonqualität sind tabu. Aber vor allem passt ein guter Podcast zum Absender und bietet dem Publikum einen klaren Nutzen, sei das nun Information, Unterhaltung oder etwas anderes.
Welche Tipps haben Sie für Leute, die gerne einen privaten Podcast machen möchten?
Dem Podcast Club Switzerland (www.podcastclub.ch) beitreten. Dort gibt es Austausch unter Gleichgesinnten. Und sonst: Klare Zielgruppe und klaren Nutzen definieren und dann mutig starten und nicht gleich aufgeben. Der Erfolg kommt mit der Zeit!
Wie sollten Firmen eine Podcastproduktion angehen?
Mit einer Mischung aus solider Grundlagenarbeit und mutigem Experimentieren. Sie müssen sich bewusst machen, wen und was Sie mit einem Podcast erreichen wollen und welches Format dazu am besten geeignet ist. Auch, wie Sie den Podcast bekannt machen wollen. Dann müssen Sie entscheiden, ob Sie den Podcast In-House produzieren oder an eine Agentur auslagern. Und dann geht es los!
Von Deborah Archetti
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