Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Rembetiko-Theater mit Jorgos Stergiou, Lida Doumouliaka, Christian Vandersee, Elena Mpintsis und Ioanna Seira (v.l.). Bild: Renate Wernli
Im Schatten historischer Ereignisse begleitet das Stück «Tanz zur Tragödie» die Protagonistin Sofia durch die Zeit und durch Generationen.
Musiktheater «Es war ein furchtbares Massaker, das 1922 in Smyrna, dem heutigen Izmir, stattfand», sagt Drehbuchautor Boni Koller. «Und Hunderttausende mussten damals flüchten.»
Nachdem Griechenland und die gerade entstehende Türkei sich immer wieder Landstriche streitig gemacht hatten, vertrieb der türkische Feldherr Mustafa Kemal Atatürk die Griechen aus Kleinasien. «Die Blaupause für alle späteren ethnischen Säuberungen lieferte der Lausanner Vertrag von 1923», so die Theatermacher. Ein Bevölkerungsaustausch wurde laut Koller somit erstmals vertraglich festgehalten.
Der Rembetiko, ein Musikstil, wurde zuerst in den Spelunken und Haschischhöhlen der Hafenstädte gespielt – dort, wo Tausende von Vertriebenen strandeten, vor allem in den grossen Städten Griechenlands wie Athen und Thessaloniki. Mit den Auswanderungswellen in die USA und nach Australien trat er seine klangvolle Reise über den Globus an.
«Bereits 1984 habe ich im Kino einen Film zum Rembetiko gesehen, die Musik faszinierte mich schon damals», sagt Koller.
Im Stück steht die Protagonistin Sofia, Tochter eines Wirtepaars, im Zentrum einer Geschichte über Entwurzelung, Migration und Heimat. «Wir gehen von einem fiktiven Einzelschicksal aus, das für viele andere steht», sagt Koller. Sofias Urgrossmutter überlebt als Einzige ihrer Familie die Katastrophe von Smyrna und lebt nach der Flucht in den Elendsvierteln von Athen von der Hand in den Mund. Sie singt in Tavernen am Hafen und heiratet den Besitzer eines Nachtlokals. Ihre älteste Tochter wird mit 19 Jahren zwangsverheiratet, deren Kinder verdingen sich in den Sechzigerjahren als Arbeitskräfte im Ruhrgebiet.
Hier setzt die reale Lebensgeschichte von Schauspielerin Elena Mpintsis ein. Ihre Eltern arbeiteten im Ruhrgebiet und zogen in die Schweiz, wo Mpintsis aufwuchs und eingebürgert wurde. Von ihr stammt die Idee zum Stück. Da Mpintsis mit Boni Koller verheiratet ist, lag die Idee nahe, ihm das Drehbuch anzuvertrauen. Die musikalische Leitung hat Jorgos Stergiou, griechischer Secondo und laut Koller «einer der besten Bouzouki- und Oud-Spieler ausserhalb Griechenlands».
Boni Koller ist seit Jahrzehnten auf und neben der Bühne unterwegs, der Durchbruch gelang mit der Band «Baby Jail» und dem Song «Tubel Trophy». Danach tourte er mit «Schtärneföifi» und mit Kinderliedern durchs Land. Koller ist auch als Texter von Globi-Versen bekannt. Im Gegensatz zu diesen Projekten steht das Theaterstück. «Es ist kein Schwank, keine Komödie», so Koller. «Trotz der traurigen Geschichte geht es um Lebensfreude und darum, niemals die Hoffnung zu verlieren.»
Claudia Naef Binz
Mitwirkende: Elena Mpintsis, Lida Doumouliaka, Ioanna Seira, Christian Vandersee, Jorgos Stergiou (Musikalische Leitung), Boni Koller (Drehbuch), Nicole Knuth (œil extérieur), Ursula Kubiceck (Produktionsleitung).
Tanz zur Tragödie
Rembetiko-Theater, Kellertheater
Marktgasse 53, 8400 Winterthur
Samstag, 27. Januar, 20 Uhr
Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr
www.keller.theater/events⋌
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