Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Eine Gruppe des Hilfswerks Khaima besuchte gemeinsam mit dem Neftenbacher Pfarrer Andreas Goerlich die Flüchtlingscamps in Kurdistan.
Flüchtlingskrise Elgg/Nordirak «Der IS bedeutet noch nicht das Ende der Welt», sagt die 14-jährige Jacqueline mit klarer Stimme als Videobotschaft und Ermutigung an die jungen Mädchen, die wie sie, am 3. August 2014 vom IS verschleppt und missbraucht worden waren.
Die damals Siebenjährige war mit ihren Eltern auf einem Familienfest im Sindjargebirge, als die Dschihadisten zuschlugen. Was in den vier Jahren danach passiert ist, entzieht sich jeder Vorstellungskraft. Erst 2018 kehrte das Mädchen zu seiner Tante heim. Ein Jahr später stiess ihr Bruder dazu. Schliesslich kam auch der Vater zurück. Die Mutter ist bis heute in der Gewalt der Terroristen.
Das Flüchtlingsmädchen ist eines von vielen, die 2019 ins «Child Trauma Project» der Hilfsorganisation Khaima aufgenommen wurden. Seither wird Jacqueline im Auftrag des Schweizer Hilfswerks regelmässig von einem Psychologenpaar besucht. Bald wird die Begleitung enden. Jacqueline fühlt sich gut, lernt eifrig und möchte gerne Zahnärztin werden, weil sie selbst Zahnschmerzen schrecklich findet, wie sie sagt.
Die Geschichte von Jacqueline war nur eine von vielen, die der Vorstand von Khaima auf seiner Reise in den Nordirak zu hören bekam. «Es war schockierend, aber auch ermutigend», sagt Christian Randegger. Der Präsident des Hilfswerks, das seinen Sitz in Elgg hat, war überrascht von der Sicherheit, die er so im Nordirak nicht erwartet habe. Entsetzt habe ihn aber auch die «unglaubliche Plastiktütenverschmutzung».
Udo Rauchfleisch, Vorstandsmitglied und emeritierter Psychologieprofessor an der Universität Basel, gab den Psychologinnen und Psychologen im Nordirak sein Wissen über Suizidprävention weiter. Die herzliche und professionelle Art und Weise, mit der die Psychololgen in den Camps an die Arbeit gingen, ermutige ihn, sagt er nach der Reise.
Auch Khaima-Vorstandsmitglied Talha Paksoy, der selbst mehrere Jahre für die Deutsche Welthungerhilfe arbeitete, zeigte sich «tief berührt vom Mut der Menschen, trotz Leid an der Zukunft zu arbeiten». Er habe auch noch nie Männer so offen über ihre Gefühle sprechen hören.
Andreas Goerlich, reformierter Pfarrer in Neftenbach, der den Verein Khaima 2016 gegründet hat, weilte insgesamt vier Wochen in Kurdistan. Während des Umbaus des Pfarrhauses habe er Urlaub genommen. Erstmals setzte er mit Jesiden und syrischen Flüchtlingen ein «Männertraumaprojekt» in Kurdistan um. Psychologie sei im Mittleren Osten noch immer ein Schimpfwort. Damit die Männer dennoch ihr Gesicht nicht verlieren, würden Englischkurse und Zeichenunterricht in die psychologische Begleitung eingebaut.
Udo Rauchfleisch zog nach der Reise sein persönliches Fazit: «Die Konfrontation mit dem Elend war meine grösste Herausforderung, andererseits freute ich mich über den enormen Einsatz der Psychologinnen und Psychologen im Dienste von Khaima.»
Dagmar Appelt
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