Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Nicole Erichsen, Gunter Lösel, Miro Hintermüller, This Wachter (v.l.). Bild: Claudia Naef Binz
Die Theatergruppen haben sich dem Improvisationstheater verschrieben. Nun gehen sie dem Phänomen des Geldes auf den Grund.
Bühne «Wollt ihr doch nicht verkaufen?», sagt der eine Mann zum anderen. Eine Weile feilschen die beiden um ein Wertpapier, das schliesslich den Besitzer wechselt. «Der Preis für eine Fuhre Pfeffer ist auf Rekordhöhe gestiegen», freut sich der neue Besitzer. In die Szene platzt eine Frau, die von einem dramatischen Ereignis berichtet.
Der Theatersaal im Theater am Gleis ist in dunkles Licht getaucht, einzig die Bühnenspots sind an: Die Proben zum Stück «Cashflow» sind im Gang. Holger Metzner, der Regisseur, steht auf, seinen Laptop in der linken Hand haltend. Er lässt die Szene mehrfach wiederholen.
Im Stück spielen die Winterthurer Miro Hintermüller und This Wachter von der Theatergruppe Badumts sowie Gunter Lösel und Nicole Erichsen von der Theatergruppe Stupid Lovers aus Deutschland; sie alle haben sich dem Improvisationstheater verschrieben.
«Das Stück besteht aus drei Ebenen», sagt Hintermüller in der Pause. «Soeben haben wir die Ebene der Geldgeschichte geprobt.» Diese Geschichte ist in das Spiel eingewoben. «Dieser Teil, er macht ein Drittel aus, wird komplett nach Skript gespielt», sagt der Regisseur. Ein weiteres Drittel sind Improvisationsszenen des Theaterensembles, ein weiteres Drittel nehmen die Interaktionen mit dem Publikum ein.
«Wir wollen Geld erlebbar machen», sagt Lösel. Er ist Schauspieler, Dozent in Theaterwissenschaften an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und Psychologe. «Wir alle kennen das Spiel Monopoly», sagt er. «Für ‹Cashflow› wollten wir eine ähnliche Spielebene miteinbringen.» Das Stück wurde zusammen mit den Ensembles und dem Regisseur entwickelt, dieser ist bei seinen Recherchen auf interessante Fakten gestossen. Gunter Lösel hat das Konzept entworfen, das Ensemble hat die Geschichte im Improvisationstheater weitergesponnen. «Wir haben das Münzkabinett besucht, um uns mit der Materie zu befassen», so Lösel. Geld sei ein Speicher in Werte und für Wünsche, die sich später erfüllen lassen. «Wenn man länger darüber nachdenkt, kommt der Moment, wo man intellektuell aufgibt, Geld verstehen zu wollen.» Dennoch findet Lösel: «Geld ist eine tolle Erfindung.»
Als Theaterleute hätten sie den Vorteil, die Themen selbst setzen zu können. Es habe mit einer Diskussion zur Abstimmung der Erbschaftsinitiative begonnen und beim Geld geendet. «Heute beim Mittagessen hatten wir eine total intensive Diskussion über Kryptowährungen», so Lösel.
«Bei der Entwicklung des Stücks sind wir in unsere Kindheitserinnerungen eingetaucht», sagt er weiter. «Wir alle haben unsere Sparbatzen gezählt und sortiert.» Dabei eröffnen sich einige Fragen: Hatte man den Schlüssel zum Sparschwein, durfte man über das Geld verfügen, oder musste man es heimlich aus dem Sparschwein herausschütteln?
Die Theatermacher haben Spielmünzen in Auftrag gegeben, die dem Publikum an der Vorstellung als Spielgeld in die Hand gedrückt werden. So kann dieses einiges über das Phänomen Geld lernen – und über sich selber.
Claudia Naef Binz
«Cashflow»
Badumts und Stupid Lovers
Premiere: Freitag, 14. Februar, 20 Uhr
Samstag, 15. / Sonntag 16. Februar
Theater am Gleis, Winterthur
www.theater-am-gleis.ch
Lade Fotos..