Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
"Mädchen mit erhobenen Armen" von Heinrich Haller im Stadtgarten. Bild: cf
In einem Krieg schreit das Elend zum Himmel, Häuser brennen und bersten. Gärten und Pärke indes verschwinden in aller Stille.
Pärke Frühling ist's, die Spatzen pfeifen, und Winterthur nimmt seine Pärke in Besitz. Auch den Stadtgarten, den bekanntesten Park. In der Vergangenheit war nicht angelegt, dass sich gleich jenseits der alten Mauern an der heutigen Stadthausstrasse eine weite Grünlage öffnen sollte. Hier lagen bis ins 20. Jahrhundert private Gärten. Die meisten gehörten zu den Häusern an der Stadthausstrasse. Es waren jeweils Landstreifen in der Breite des dazugehörigen Hauses.
Erst ab 1900 begann die Stadt, diese Gärten aufzukaufen. Sie verhinderte so, dass die Grundstücke überbaut wurden. Vor etwa hundert Jahren bildeten die städtischen Grundstücke zusammen einen Park. Weil er auf Gartenland lag, blieb er dem Namen nach weiterhin nur ein Garten. Trotzdem drängte sich ein künstlerischer Schmuck der neuen Anlage auf. Der Kunstverein stiftete für den Stadtgarten eine Statue von Heinrich Haller. Dieser Künstler war vom Winterthurer Mäzen Theodor Reinhart gefördert worden. Er war in den 1920er-Jahren einer der bekanntesten Bildhauer.
Sein «Mädchen mit erhobenen Armen» blickte nun etwas verschämt zu Boden und beobachtete heimlich Liebespaare und Bösewichte, Einsame auf den Bänken und Kinder bei ihren Spielen. Von der Winterthurer Bevölkerung wurde die Statue Eva genannt.
Ab 1940 rückte der Zweite Weltkrieg immer näher an die Grenze heran. Wie in der ganzen Schweiz wurden nachts in Winterthur alle Lichter verdunkelt. Oft heulten die Sirenen und gaben Luftschutzwarnung. Auf Zürich, Schaffhausen und Stein am Rhein fielen Bomben. Eva wurde in einem sicheren Keller verstaut, während der Stadtgarten zur landwirtschaftlichen Anbaufläche wurde. Für manche Winterthurer Stadtbürger mit Kunstsinn bedeutete das einen Verlust an Lebensqualität.
Immerhin aber pflanzte man neben Kartoffeln auch Mohn an, wie der Journalist Hans Kägi in seinem Buch «Gras zwischen den Steinen» von 1971 berichtet. Der Mohn mit seinen Blüten erinnerte an die Schönheit von Gärten in Friedenszeiten. Der rote Mohn ist ausserdem die Blume der Polen, mit denen sich die Schweiz im Krieg solidarisch fühlte. Nach dem Krieg durfte Eva wieder auf ihren Sockel steigen. Der Stadtgarten wurde im Stil der 1950er-Jahre neu gestaltet.
Wenn Eva sprechen könnte, wüsste sie wahrscheinlich viele Geschichten zu erzählen. Wenn sie fühlen könnte, würde sie darüber weinen, was mit ihresgleichen und den Stadtpärken derzeit in der Ukraine geschieht.⋌Christian Felix
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