Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Iria Lacarta: Herausforderungen zwischen Fritteuse, Karriere und Familienalltag. Bild:: Claudia Naef Binz
Es begann irgendwo in Winterthur zwischen Beton, Bahnhof und Hochdeutsch. In ihrem Debütroman erzählt Iria Lacarta ihre Geschichte.
Lesung «Und was bringt Sie auf die Palme?» fragte der Personalchef beim Bewerbungsgespräch. «Ich war noch nie auf einer Palme, aber das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die Sie hören wollten, oder?», antwortete Iria Lacarta. Gelächter.
Dies ist nur eine der vielen Episoden aus dem Buch «Big Life Hack» von Iria Lacarta (der Vorname wird auf der zweiten Silbe betont). Den Job hatte Lacarta anschliessend in der Tasche. Ihre bewegte Geschichte hat Lacarta in ihrem quirligen Buch «Big Life Hack» verarbeitet, als «Cocktail aus Realität, Erinnerungen und leichter Übertreibungen».
Geboren in Portugal kam Lacarta als 17-jährige ohne Deutschkenntnisse im Rahmen des Familiennachzuges ihres Vaters in die Schweiz. «Die Sprache war eine enorme Herausforderung», erinnert sich die frischgebackene Autorin bei einem Gespräch im Casinotheater, dort wo auch ihre Lesung stattfinden wird. Sie hat den kleinen Saal gemietet. «Ich werde lustige Geschichten erzählen, auch solche, die nicht im Buch stehen», so die Autorin. «Einfach einen Saal zu mieten, ist halt typisch Iria, wenn schon, denn schon!»
Sie wage es jetzt einfach, habe sie sich gesagt. Ähnlich wie bei der Kunst-Messe, bei der sie sich als Nicht-Künstlerin frech als Profi-Künstlerin anmeldete und eine Ad-hoc Ausstellung gestaltete.
«Die ersten Jahre in der Schweiz habe ich in Winterthur verbracht», sagt Lacarta. «Ich fühle mich mit der Stadt immer noch sehr verbunden. Ich habe die Schweiz als sehr offen erlebt und viel Unterstützung erhalten.» Begonnen hat Lacarta in der Produktion einer Fabrik, dann arbeitete sie für eine italienische Firma. Als der Lohn nie eintraf, dafür die Polizei, schwante Lacarta, dass etwas nicht stimmen konnte. Nächste Station: Mc Donald's.
«Ich machte alles, vom Hamburger braten, Fritten frittieren und Tische abwischen.» Schon bald wurde Lacarta mit der Betreuung von Kinder-Events beauftragt. «Ich bin Mc Donald’s sehr dankbar, ich durfte viel lernen», schwärmt Lacarta. Mittlerweile mit der Schweiz vertraut, realisierte sie, dass ein Berufsabschluss nicht schadet. «Ich machte das KV in der Erwachsenenlehre und schrieb als Älteste unter all den Jugendlichen meine KV-Prüfung.» Schliesslich führte ein Praktikum sie in den HR-Bereich und danach zur ersten Stelle. Sie hängte nach eigenen Angaben noch ein Diplom als HR-Fachfrau und ein BWL-Bachelor-Studium dran und arbeitet heute als HR-Führungskraft in einer grossen Gesundheitsinstitution und schrieb nebenbei ihr Buch.
«Es geht mir nicht darum, dieses millionenfach zu verkaufen, sondern ich will mit meiner Lebensgeschichte andere Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen.» Damit auch ihre Landsleute etwas davon haben, hat sie das Buch auf Portugiesisch übersetzen lassen. «Meine Mutter hat das Buch bereits gelesen.» Ihr Feedback: «Ich habe geweint und gelacht und unglaubliche Freude beim Lesen gehabt», zitiert Lacarta aus dem Chat mit ihrer Mutter und ist ganz gerührt. «Allein deshalb hat sich das Schreiben meines Buches gelohnt.»
Claudia Naef Binz
Iria Lacarta: Buchpremiere
«Big Life Hack», Eintritt frei.
Samstag, 13. September, 18 Uhr
Casino Theater Winterthur
irialacarta.com
Ich könnte nicht stolzer sein auf meine Frau Iria! Von den ersten Schritten in der Schweiz bis heute hat sie alles mit Mut, Humor und unglaublichem Einsatz gemeistert. Jetzt hält sie mit Big Life Hack ihre Geschichte in den Händen – und inspiriert so viele Menschen. 💫 Ich freue mich riesig, diesen Weg an ihrer Seite zu gehen. ❤️
Licey Lacarta antworten
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