Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Das Kollektiv Thunfisch gibt bei seinen Aufführungen vollen Körpereinsatz. David Schweizer
Das Winterthurer Kollektiv Thunfisch bringt die Geschichte der «roten Zora» als Bühnenstück ins Theater am Gleis. Das reduzierte Bühnenbild füllen die Schauspielenden dank viel Körpereinsatz mit Leben.
Winterthur Vier Waisenkinder leben selbstbestimmt in einer verlassenen Burg. Die Bande kämpft für Gerechtigkeit und lehnt sich gegen die Dorfgemeinschaft auf. Gleichzeitig bekommt es ein kleiner Fischer mit den Machenschaften der Grossfischerei zu tun.
Der Autor Kurt Held hat seinen Roman «Die rote Zora und ihre Bande» im kroatischen Küstenstädtchen Senj angesiedelt, doch spielen könnte er überall. Behandelte Themen wie Ausgrenzung und Solidarität sind weiterhin aktuell. Deren Brisanz hat das Winterthurer Kollektiv Thunfisch des hiesigen Vereins für verlorene Gegenstände dazu bewegt, das Buch als Theater umzusetzen. Wegen Corona verlegte es den ersten Teil der Tournee im Sommer ins Freie. Die Indoor-Premiere erfolgt nun morgen Freitag, 11. Dezember, im Theater am Gleis. Die tags darauf geplante Aufführung musste abgesagt werden.
Raphael Vuilleumier, der für die künstlerische Leitung zuständig ist, will im Theaterstück die Geschichte des Romans ins Zentrum rücken: «Mit ihr können wir Werte vermitteln, ohne moralisch zu sein.» Die Bandenanführerin Zora etwa werfe als Geflüchtete indirekt die Frage auf, wie viel Verantwortung wir beim Thema Flüchtlingskrise hätten. Wann müsse das eigene Wohl für andere zurückgestellt werden, wie es etwa der Fischer Gorian mache, indem er sich für die Waisenkinder einsetze? «Die Menschen im Publikum sollen für sich selber Antworten darauf finden», betont Vuilleumier, der Schauspieler, Co-Regisseur mit Laura Sophia Becker sowie Mitverantwortlicher für Bühne und Bild in einem ist. Darum werde das Stück zugänglich für alle Jugendlichen und Erwachsenen sein.
Auf der Bühne umgesetzt wird «Zora» sehr reduziert. «Unsere Welt ist sonst schon überflutet mit Informationen und Effekthaschereien», sagt Vuilleumier. Konkret besteht das Bühnenbild aus einem Baugerüst, das einmal als Burg wirkt und dann als Felsklippe. Eine eingespielte Geräuschkulisse unterstützt das Publikum dabei, sich zurechtzufinden. Die Szenerie dann richtig zum Leben zu erwecken und so die Fantasie anzuregen, ist dann Aufgabe der Schauspielenden. Das Kollektiv werde vollen Einsatz geben, verspricht Vuilleumier: «Uns ist das Körperliche sehr wichtig.»
Michael Hotz
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