Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Beat Imhof (r.) zeigt Christian Hunziker Erinnerungsfotos aus seiner Zeit im Grand Hotel in Oslo. gs
Christian Hunziker und Beat Imhof sind beide Unternehmer und gut befreundet. Der pensionierte Chef des Gebäudetechnik-Unternehmens Hunziker Partner AG und der Geschäftsführer des Casinotheaters teilen eine Leidenschaft: Sie kochen gerne und gut und sie bekochten einst beide an unterschiedlichen Orten die norwegische Königin Sonja.
Winterthur Es herrschte ein bisschen «weisch no»-Ambiente, als sich Christian Hunziker und Beat Imhof am späteren Montagnachmittag am rustikalen Bartisch des Casinotheater-Restaurants Fredi zu einem Kaffée und einem Bierchen trafen. Allerdings hatten die beiden Männer nicht aus gemeinsamer Vergangenheit zu erzählen, vielmehr aus einer Epoche mit Gemeinsamkeiten. Diese spielte sich vor rund 20 Jahren im Tösstal und im hohen Norden ab. Hunziker war damals schon Unternehmer mit Herzblut und einem Hang zur Nachhaltigkeit. Freie Wochenenden kannte er keine, denn anstelle dieser tauschte er seine Business-Kluft mit der Kochschürze. Tatkräftig unterstützte er über 22 Jahre lang seine damalige Partnerin Hedi Werren, bis heute Wirtin des weit herum bekannten Restaurants Obstgarten in Oberlangenhard. «Zusammen setzten wir ein neues Konzept um und bewirteten nur noch Gesellschaften, Firmen, Freundeskreise oder Vereine», erinnert sich Christian Hunziker. Dass diese Zielgruppe zumeist per ÖV oder mit dem Car anreiste, passte ökologisch, als auch ökonomisch. Der konsumierte Wein sorgte mit für gute Umsätze. Irgendwann im Jahr 1997 war wieder einmal eine Gruppe angemeldet. «Wir haben eine besondere Person dabei, mehr kann ich nicht sagen», wurde bei der Menü-Besprechung diskret verraten. «Hoffentlich kein Politiker, der mir nicht passt», hatte Hunziker damals gescherzt.
Mitten im Obstgarten die Königin in Jeans Als am besagten Abend das 36-köpfige Grüppchen an den Tischen Platz genommen hatte, wurde es plötzlich dunkel in der Küche. Im Türrahmen stand ein riesiger Bodyguard. Der kochende Hunziker kam mit ihm ins Gespräch. «Er erzählte mir, dass die norwegische Königin unter den Gästen weile. Ich erwiderte, vor ihm stehe der König von China», lacht Christian Hunziker. Das Lachen wich ihm damals einem Staunen, denn tatsächlich sass Königin Sonja von Norwegen mitten im Obstgarten. «Wir haben uns erkundigt, ob wir sie zuerst zu bedienen hatten, dabei wussten wir nicht einmal, welche der Damen die Königin ist», erzählt Hunziker schmunzelnd. Ihre Majestät war leger in Jeans und einem Pulli mit Pailletten bekleidet. Offensichtlich genoss sie die Einfachheit in der gemütlichen Beiz. Sie hätte sich nach dem Essen bedankt und sei mit ihrer Entourage in die Nacht des Tösstals entschwunden, blickt Hunziker zurück. Ein Foto hatte er nicht geschossen, die Erinnerung aber in sein Anekdotenheft geschrieben. «Bis ich unter anderem auch diese Anekdote in meinem kürzlich erschienenen Buch niederschrieb, war ich mir sicher, der einzige Winterthurer zu sein, der einmal in seinem Leben die norwegische Königin bekochen durfte», sagt Christian Hunziker lachend zu Beat Imhof. Denn vor nicht allzu langer Zeit war Imhof bei Hunziker zum Nachtessen eingeladen. Da erzählte Hunziker dem ehemaligen Spitzenkoch seine Geschichte mit der nordischen Hoheit und fiel fast vom Stuhl, als Imhof erwiderte, er hätte nicht nur die Königin, sondern die ganze norwegische Königsfamilie regelmässig bekocht.
Als der norwegische König Gustav V leer ausging Beat Imhof blättert in seinem Fotoalbum und zeigt die Küchenmannschaft des Grand Hotel in Oslo, dem er 1999 bis 2002 als Küchenchef vorstand. Hatte das Königshaus internationale Gäste, so lud es diese vielfach ins symbolträchtigste Hotel Norwegens ein. «Es hatte Tradition, dass der Gast der norwegischen Königsfamilie eine Gegeneinladung machte und diese ebenfalls bei uns assen», erklärt Imhof. So bekochte der junge, damals knapp 30-jährige Schweizer Koch Staatsleute, wie Jassir Arafat bis zu Nelson Mandela oder der englischen Königin. «Einmal reichte mir die Queen die Hand, nachdem ich davor einen Crashkurs betreffs Benimmregeln erhalten hatte. Bei Elisabeth klappte das noch bestens, bis zu Prince Philipp hatte ich die Anrede aus lauter Nervosität aber vergessen und stammelte nur etwas vor mich hin», lacht Imhof. Für ihre Gegeneinladungen brachten einige Regenten ihre eigenen Köche mit, so auch der jordanische König Abdullah II. bin al-Hussein, wie Imhof frohlockt: «Sie erklärten uns auch die exakte Reihenfolge. So musste dem König Jordaniens zuerst aufgetischt werden, dieser begann dann auch sofort zu essen. Daraufhin sollten alle anderen Gäste bedient werden. Hatte Jordaniens König das Besteck zur Seite gelegt, mussten sämtliche Teller eingesammelt werden. So kam es, dass Norwegens König Harald V., der am anderen Ende des Tisches sass, gerade erst das Essen serviert worden war, als Abdullah II. sich erhob, zur Reception marschierte, das Mahl bezahlt und verschwand.»
Christian Hunziker und Beat Imhof erzählten sich noch viele weitere Geschichten von damals und tranken zusammen noch ein Bierchen auf die Königin Sonja von Norwegen.
Von George Stutz
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