Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Zwei Winterthurer haben mit ihren Windrädern die Welt
Energie In Winterthur sind die Namen Kern und Schaufelberger eng mit Technologie verknüpft. Im Geschäft an der Obergasse hat man sich auf Unterhaltungselektronik im gehobenen Preissegment spezialisiert. Was viele aber nicht wissen: Die namensgebenden Werner Kern und Max Schaufelberger haben im Gebiet der Windkraft Pionierarbeit geleistet. Ihre Windräder haben sie in die ganze Welt geliefert. Dabei hatten sie erst andere Pläne. Nach ihrer Ingenieursausbildung 1934 am Technikum herrschte eine Wirtschaftskrise. «Es war fast ausgeschlossen, als Angestellte ein Auskommen zu finden», schrieb der damalige Direktor des Technikums Max Landolt in einer Bescheinigung.
Also machten die beiden Winterthurer sich selbstständig. Mit bescheidenem Kapital gründeten sie eine Radiohandelsfirma mit Servicewerkstatt. «Kern + Schaufelberger» war geboren. Doch der Start war harzig. Besonders im Sommer war es schwierig, die Auftragsbücher zu füllen. Schliesslich sahen sie Potenzial in der bis dahin kaum beachteten Windkraft. Dazu muss man wissen: In den späten Dreissigerjahren spukte das Gespenst eines drohenden Energieengpasses herum. Zahlreiche Häuser, besonders in abgelegenen Gebieten, hatten keinen Zugang zu Strom. «Licht durch Windkraft» war denn auch der Slogan der 1942 gegründeten Windkraft GmbH, die später in Elektro GmbH umgetauft wurde. In der Schweiz waren zeitweise mehr als 100 Windkraftanlagen aus Winterthur gleichzeitig in Betrieb. Die meisten Standorte waren abgelegene SAC-Hütten, Passhöhen, abgelegene Bauernhöfe und Ferienhäuser. «Die Anlagen waren sehr zuverlässig und setzten einen Standard, der Elektro GmbH schnell zum schweizweit bekanntesten Windkraftunternehmen werden liess», heisst es auf der Website windkraft-geschichte-winterthur.ch, auf der die Pionierarbeit aufgearbeitet ist. Eine der bekanntesten Anlagen haben Kern und Schaufelberger 1941 auf dem San Bernardino gebaut. Sie versorgte das Restaurant mit einem 1000-Watt-Generator. Die Firma machte sich schnell auch international einen Namen. Es wurden Anlagen in Länder von China bis in die USA geliefert. In der 1952 gebauten Versuchsstation in Brütten wurde an den Generatoren, den Propellern und an einer Abschalttechnik bei Sturm gefeilt.
Max Schaufelberger, leidenschaftlicher Aviatiker und Tüftler, entdeckte schon früh sein Interesse an der Technik. Während der Ausbildung in Winterthur hat er zuhause im Keller einen Radioexperimentierraum eingerichtet. In diesem sei es ziemlich eng gewesen, erinnert sich sein Cousin Hermann Schaufelberger im Buch «Gschichte vo Geschter und Vorgeschter». Dies «weil Tante Ida im selben Raum auch ihre Geranien und einen Teil von Göttis Sukkulenten und Kakteen überwintert hat». 1975 fasst Schaufelberger seine Erfahrungen mit der Windkraft selbst in einem Buch zusammen. «Dass wir einen hohen Grad an Vollkommenheit erreicht haben, beweisen Anlagen, welche schon seit dreissig Jahren in Betrieb sind.» Auch heute sind ein halbes Dutzend Anlagen aus Winterthur in Betrieb und erzeugen Strom. Zum Beispiel auf der Furka oder auf der Hundswilerhöhe.
Niemand kennt die Geschichte der beiden Windpioniere heute so gut wie Georg Kern, Sohn von Werner Kern und Geschäftsführer von K+S. Er stand selbst im Marketing für die Windkraftfirma im Einsatz und reiste etwa nach Japan, Indien oder Kanada. «Es war ein Abenteuer», erinnert er sich im Gespräch. Aberdutzende Dokumente und leicht vergilbte Fotos im Firmenkeller zeugen von seinen Abenteuern. Er habe viel Zeit in die Windkraftfirma gesteckt. «Das Radiogeschäft hat sicher darunter gelitten. Aber man wusste ja nicht, wie sich die Technik entwickeln würde», so Kern. In den 80er-Jahren wurde die Schweiz in Sachen Windkraft von anderen Ländern abgehängt, die staatliche Fördergelder erhielten. Die Pensionierung von Max Schaufelberger läutete denn auch das Ende der Winterthurer Windkraft ein. Zwar habe man versucht, das Geschäft an einen Nachfolger zu übergeben. Dies sei aber gescheitert. Georg Kern möchte das Erbe nun mit einem Museum öffentlich machen. Platz gebe es im Keller der Firma, wo sich bereits das Radiomuseum befindet. Mehr als eine Idee sei dies aber nicht.
⋌Sandro Portmann
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