Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Die gesamte Besatzung überlebte die
Notlandung der B-17 am 24. April
1944 in Neftenbach. Aber der Krieg
hinterlies Spuren bei der Crew.
Bild: gemeinfrei
Von deutschen Jägern schwer beschädigt, flüchteten am 24. April mehrere amerikanische Bomber in die Schweiz. EineB-17 landete in Neftenbach.
Geschichte 24. April 1944: Im Norden der Schweiz herrscht Ausnahmezustand. Die ersten Sirenen ertönten laut einem Bericht der NZZ um 12.22 Uhr. Neun US-Bomber des Typs B-17 flogen, zum Teil stark beschädigt, von Deutschland in die Schweiz ein. Sie wurden in München von deutschen Jägern angegriffen und hielten in der Schweiz nach einem Notlandeplatz Ausschau. Einer von ihnen landete die «Fliegende Festung», wie die B-17 auch genannt wird, in Neftenbach. Pilot Dale Ebert und seine neunköpfige Crew blieben unverletzt.
Das Ereignis lockte viele Schaulustige zum Unfallort. Der Sohn des damaligen Gemeindeschreibers von Neftenbach hatte im Nachlass seines Vaters einen Brief des damaligen Co-Piloten Kenneth J. Hall gefunden. Aus diesem wird in der Fachzeitschrift «Cockpit» zitiert. Der Brief gibt einen spannenden Einblick in die Ereignisse. Im Brief schreibt Kenneth J. Hall: «Wir starteten am Morgen des 24. April 1944 von unserer Basis in England zu unserem neunzehnten Flug über Deutschland. Nachdem wir die vorgeschriebene Höhe erreicht und uns in die Formation eingegliedert hatten, nahmen wir über dem Kanal Kurs auf Deutschland.» Das Ziel sei ein Flugplatz in Oberpfaffenhofen bei München gewesen. «Bis in die Nähe des Rheins ging alles gut, obwohl uns die deutsche Fliegerabwehr mehrmals erfolglos aufs Korn genommen hatte. Doch bald wurden wir von deutschen Jägern überrascht, denen es gelang, einen meiner Motoren zu beschädigen. Mit den verbleibenden drei Triebwerken war ich trotzdem in der Lage, in der schützenden Formation zu verbleiben», heisst es im Brief. Weitere Treffer am Flugzeug richteten nur wenig Schaden an, bis ein deutscher Jäger über München einen zweiten Motor ausser Funktion setzen konnte.
«Jetzt blieb mir nichts anderes mehr übrig, als die Bomben im Notwurf loszuwerden und die Formation zu verlassen. Da es nun völlig aussichtslos war, nach England zurückzufliegen, versuchte ich mich nach der Schweiz durchzuschlagen. Pausenlos griffen die deutschen Jäger nun unser weidwund geschossenes Flugzeug an, doch gelang es meinen tapferen Bordschützen, nicht weniger als sieben der neun Angreifer abzuschiessen, bis wir die Schweizer Grenze erreicht hatten. In knapp 300 Metern Höhe überquerten wir den Bodensee, worauf wir nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau halten mussten, da wir langsam an Höhe verloren. Während wir in geringer Höhe durch ein Tal hinunter flogen, beschoss uns die Schweizer Fliegerabwehr von den umgebenden Bergen herab. Mehrere Treffer durchlöcherten unseren Bomber, ohne aber allzu grossen Schaden anzurichten. Plötzlich tauchte vor uns die Stadt Winterthur auf. Mit letzter Kraft gelang es mir, das Flugzeug in der Luft zu halten und damit einen verhängnisvollen Absturz in das dicht besiedelte Gebiet zu verhindern. Nachdem wir uns über die letzten Häuser hinweggeschleppt hatten, öffnete sich vor uns eine weite Ebene, auf der unser Vogel mit grosser Gewalt aufsetzte. Obwohl das Heck abgerissen wurde, blieben wir alle wohlauf. Wir können alle Gott danken, dass wir noch leben!»
Doch der Krieg hinterliess Spuren bei der Besatzung des Bombers. Wie die NZZ schreibt, war der Seitenschütze James D. Scotts so traumatisiert, dass er am 4. September in psychiatrische Behandlung nach Bern gebracht wurde. «Am 4. Oktober schrie Scotts in seinem Zimmer nach seiner Mutter und stürzte sich aus dem Fenster im vierten Stock», schreibt die NZZ. Am 16. Oktober erlag er im Spital seinen Verletzungen. spo
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