Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Ja, ich verabschiede mich – keine Sorge, es ist weder von einer Beziehungskrise noch von einer Jobkündigung die Rede, sondern lediglich von meiner Abokündigung beim Streamingdienst Netflix. Überraschend schnell habe ich den Kündigungslink im Profil dank Google-Anleitung gefunden und der Prozess ist für einmal selbsterklärend. Mitten im Procedere poppen jedoch mehrfach Bilder von Netflix-Serien auf. «Wollen Sie uns wirklich verlassen?», werde ich gefragt. Mit nur einem Klick könnte man gleich weiterschauen. Ja, ich will kündigen, nein, ich will nicht weiterschauen. Noch vor einigen Jahren bin ich begeistert auf den Netfilx-Trend aufgesprungen, habe Abende lang Serien und Filme geguckt und mich dabei ganz trendy gefühlt. Mittlerweile hat sich Ernüchterung breitgemacht. Jedes Mal zu entscheiden, ob es mir rührselig oder actionmässig zumute ist, ist mir einfach zu mühsam geworden. Und zu teuer, seit auf der Kreditkartenabrechnung auf einmal ein höherer Beitrag abgezwackt wird. Sich aufzuraffen, eben nicht die nächste Staffel gedankenlos zu konsumieren, erfordert ebenfalls eine bewusste Entscheidung. Am meisten stört mich aber, wenn sich die Geschichte dem vermeintlichen Ende zuneigt, diese jedoch nicht zu Ende erzählt wird, sondern in einen Trailer für die nächste Staffel ausartet. Erscheinungsdatum: voraussichtlich in eineinhalb Jahren. Natürlich darf eine Geschichte ein offenes Ende haben, das nachklingt und zum Nachdenken anregt, aber so macht es keinen Spass. Ich jedenfalls habe nachgedacht und Netflix verbannt. cnb
Lade Fotos..